»So was macht man nicht«

Schlägerei in Berleburger Ortsteil: sechsmonatige Bewährungsstrafe und 1000 E Geldbuße

JG Bad Berleburg. Die eine Gruppe habe rechts gestanden, deshalb hätten sie sich selbst in der Kneipe links hingestellt, so erinnerte sich am Dienstagmorgen ein Geschädigter im Berleburger Amtsgericht an einen Sonntagabend im Mai. Die Ortsangaben spiegelten dabei auch die politischen Positionen der Beteiligten wider. Als sich die Wege von links und rechts damals einmal zuviel kreuzten, da krachte es in dem Berleburger Ortsteil. Eigentlich sollten sich jetzt zwei Männer wegen gemeinschaftlicher und deshalb gefährlicher Körperverletzung verantworten. Gekommen war aber nur ein 22-Jähriger, der zweite Mann hatte Richter Torsten Hoffmann am Montag abgesagt, er müsse auf Montage nach Niedersachsen. So saß allein der Koch auf der Anklagebank. Am Ende bekam er eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem soll er 1000 e Geldbuße zahlen. Genau wie der zweite Mann, gegen den ein Strafbefehl mit eben jenen Sanktionen ausgefertigt wurde.

Empfang mit dem Hitler-Gruß

Aus der rechten Ecke betrachtet hatte sich die Geschichte folgendermaßen zugetragen: Zu dritt seien sie in einer Kneipe gewesen, als eine andere Dreier-Gruppe zur Tür hereingekommen sei. Der später Geschädigte habe sie gleich mit dem Hitler-Gruß empfangen. Danach sei es zu weiteren Provokationen gekommen, bis sich seine Gruppe verabschiedet habe. Sie hätten dann, so erinnerte sich der Angeklagte, vor der Tür auf das Taxi gewartet, als die andere Gruppe aus der Kneipe herausgekommen sei. Hier habe es erneute Provokationen gegeben. »Hat's endlich einen von euch erwischt«, habe einer von den anderen einen schweren Motorradunfall seines Groß-Cousins, so der Angeklagte, kommentiert. Weil dieser zu der Zeit noch auf der Intensivstation gelegen habe, sei er ausgerastet. Er habe mit einem Faustschlag aufs Auge reagiert und nachdem der Getroffene zu Boden gegangen sei, habe er auf ihn eingetreten. Wie die Tatbeteiligung des Zweiten ausgesehen habe, wollte Torsten Hoffmann noch wissen. »Das weiß ich nicht, da kann ich nichts zu sagen«, hielt der Angeklagte seinem Kameraden den Rücken frei. Doch die übrigen Aussagen gaben der Anklage in Bezug auf ihn eindeutig Recht.

»Wir warten draußen auf dich«

Aus der linken Ecke erinnert sich der Geschädigte folgendermaßen: In der Kneipe habe er auf Toilette gewollt, da sei es zur ersten Auseinandersetzung gekommen, er sei geschubst worden, habe mit dem Rücken zur Theke gestanden. Dann sei die andere Gruppe gegangen mit der Drohung »Wir warten draußen auf dich«. Draußen habe er mit seinen beiden Begleitern die auf einer Bank sitzende Gruppe passieren wollen:–»Das ging sehr schnell, da hatte ich eine Faust im Gesicht und ging zu Boden.« Auf dem Boden sei dann noch auf ihn eingetreten worden.

Provokationen abgestritten

Zunächst hatte der 46-Jährige angegeben, dass er mit Stiefeln getreten worden sei. Das relativierte der Geschädigte vorgestern: »Jedenfalls feste Schuhe, es waren keine Sandalen.« Attestiert hatten ihm sowohl die chirurgische Notaufnahme des Krankenhauses als auch sein Hausarzt Schürfwunden und eine Gesichts-/Schädelprellung. Vom Richter direkt nach den möglichen Provokationen seinerseits mit Hitler-Gruß und Großcousin-Häme befragt, bestritt er diese.

»Schon im Beusse immer gestänkert«

Diese Version wurde im Großen und Ganzen von seinen zwei Begleitern vorgestern im Gericht bestätigt, ein Zeuge aus der anderen Gruppe bestätigte hingegen die Wahrnehmung des Angeklagten. Der Soldat mit kurzgeschorenen Haaren erinnerte sich an den »Heil-Gruß«, den man aus seiner Gruppe kommentiert habe mit: »So 'was macht man nicht.« Und das Schuhwerk? »Ich besitze keine Stiefel, außer die von der Bundeswehr, aber da kann ich nichts für«, beantwortete der Zeuge unschuldig diese Frage, aber von dem Geschädigten wusste er zu berichten: Der habe doch schon früher im Beusse immer gestänkert, das wisse er von seinen Eltern. Bei der endgültigen Auseinandersetzung habe er den Angeklagten zunächst zurückgehalten, als dann die Bemerkung über den Motorrad-Unfall gefallen sei, der endlich mal den Richtigen erwischt habe, habe er den Angeklagten allerdings nicht mehr zurückgehalten. Er habe nichts mit einer Schlägerei zu tun haben wollen und sich deshalb vom Geschehen abgewendet, so der Soldat, weil er solche Dinge ja immer sofort dem Dienstherrn melden müsse, und der sei von so etwas sicherlich nicht begeistert. Neben links und rechts spielte der Alkohol eine wichtige Rolle: Der Angeklagte gab an, 20 Bier getrunken zu haben und zu fast jedem noch einen Schnaps dazu, auch der Geschädigte kam für sich auf etwa 20 Bier: »Genau aufgeschrieben hab ich's nicht.« Bei einem Zeugen aus seiner Gruppe wurden zwei Promille gemessen.

Neue Vorwürfe! Fortsetzung?

Staatsanwalt Wolfgang Nau ging davon aus, dass es die genannten Provokationen gegeben habe. Er forderte für den Faustschlag und die Tritte – mit ihren strafschärfend schweren Verletzungen – eine sechsmonatige Freiheitstrafe auf Bewährung sowie eine 1000-e-Geldbuße. Auch Verteidiger Norbert Hartmann sah, dass eine Freiheitsstrafe wohl sein müsse. Aber er ging nicht von einer gemeinschaftlichen Körperverletzung aus, forderte deshalb eine geringere Strafe für seinen Mandanten. Torsten Hoffmann schloss sich in seinem Urteil dennoch der Forderung des Staatsanwalts an. Damit war die Geschichte für diesmal abgeschlossen. Aber erst vor einem Monat soll der Angeklagte mit seinem nicht erschienenen Kameraden im Haus des Geschädigten – gegen dessen ausdrücklichen Wunsch – vorstellig geworden sein. Es könnte sein, dass es die Fortsetzung demnächst im Gericht gibt. Bis dahin gilt weiterhin die einfache Faustregel: einen Bogen um die machen, die in der Kneipe zu weit links oder zu weit rechts stehen.

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