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Die Branche boomt in der Corona-Zeit
Sofort Urlaub am Campingplatz

Die Stadt Bad Berleburg hat Wohnmobilstellplätze oberhalb des Bahnhofs ausgewiesen – mit herrlichem Blick aufs Schloss. Dass das Thema Camping in der Odebornstadt noch Luft nach oben hat, ist kein Geheimnis.
  • Die Stadt Bad Berleburg hat Wohnmobilstellplätze oberhalb des Bahnhofs ausgewiesen – mit herrlichem Blick aufs Schloss. Dass das Thema Camping in der Odebornstadt noch Luft nach oben hat, ist kein Geheimnis.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

vö Wemlighausen. Es gibt sie sicherlich, die positiven Aspekte der Corona-Pandemie: Viele Menschen haben zurück zur und in die Natur gefunden und schätzen die Entschleunigung. Daher kommt es nicht ganz überraschend, dass die Camping-Branche einen regelrechten Boom erlebt – auch wenn touristische Übernachtungen aktuell nicht erlaubt sind. Wer ein Wohnmobil kaufen will, sollte viel Geduld mitbringen, Camping-Plätze waren in der Vergangenheit häufig ausgebucht.

Jemand, der die Vorzüge des Camping-Urlaubs schon seit Jahrzehnten kennt und schätzt, ist Adolf Nipko. Der Wemlighäuser ist seit 1996 Vorsitzender der Camping-Freunde Wittgenstein.

Wemlighausen. Es gibt sie sicherlich, die positiven Aspekte der Corona-Pandemie: Viele Menschen haben zurück zur und in die Natur gefunden und schätzen die Entschleunigung. Daher kommt es nicht ganz überraschend, dass die Camping-Branche einen regelrechten Boom erlebt – auch wenn touristische Übernachtungen aktuell nicht erlaubt sind. Wer ein Wohnmobil kaufen will, sollte viel Geduld mitbringen, Camping-Plätze waren in der Vergangenheit häufig ausgebucht.

Jemand, der die Vorzüge des Camping-Urlaubs schon seit Jahrzehnten kennt und schätzt, ist Adolf Nipko. Der Wemlighäuser ist seit 1996 Vorsitzender der Camping-Freunde Wittgenstein. Im SZ-Interview spricht er über das derzeit ruhende Vereinsleben, seine nächsten Reiseziele und darüber, woran es liegt, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein bislang ein weißer Fleck auf der Camping-Karte ist.

Herr Nipko, viele Vereine müssen in der Corona-Pandemie eine Zwangspause einlegen. Wie sieht das bei den Camping-Freunden Wittgenstein aus?
Unser Vereinsleben liegt derzeit brach, es ist nahezu tot. Normalerweise geben wir immer einen Veranstaltungskalender heraus, das haben wir in diesem Jahr erstmals nicht gemacht, weil es illusorisch wäre. Wir kennen unsere Verantwortung, das sieht der gesamte Vorstand so. So gerne wir verreisen – dieses Jahr sollte man besser zu Hause bleiben.

"Natürlich braucht man einen oder mehrere Menschen, die mutig genug sind, um ein Projekt anzustoßen. Das kostet Geld. Aber das ist es nicht allein."
Adolf Nipko
über die Aussichten für Camping in der heimischen Region

Gibt es dennoch Hoffnung auf ein abgespecktes Programm?
Für das traditionelle Gründungstreffen am Edersee rund um Fronleichnam zugegeben nein. Unser so genanntes Abzelten am Hennesee im September oder auch die Veranstaltung zum Jahresende in der Grillhütte am Struthbach haben wir noch nicht ganz abgeschrieben. Aber wir warten das in aller Ruhe ab, ohne Druck.

Die Camping-Branche erlebt gerade einen regelrechten Boom – vielleicht sogar schon vor Corona. Wie stufen Sie das persönlich ein?
Als wir in den 1970er-Jahren erstmals mit dem Wohnanhänger unterwegs waren, sind wir mit offenem Ziel losgefahren, haben uns einen Campingplatz irgendwo ausgesucht und dort Urlaub gemacht. Das geht heute nicht mehr. Ohne Anmeldung und Buchung läuft nichts. Viele Menschen haben diese wunderschöne Form der Freizeitgestaltung entdeckt und lieben gelernt. Auf dem Campingplatz ist sofort Urlaub, so einfach ist das.

Mit Wohnanhänger mehr Flexibilität am Urlaubsort

Wohnwagen oder Wohnmobil?
Das muss letztlich jeder für sich beantworten. Ich persönlich setze auf den Wohnanhänger, weil ich damit am Urlaubsort mehr Flexibilität verbinde. Ich kann dann auch mal das Auto nutzen, beim Wohnmobil muss ich direkt alles abbauen, wenn ich mobil sein will. Seit ich mit dem Anhänger auch 100 km/h fahren darf, gibt es auch in Sachen Reisegeschwindigkeit kaum Unterschiede. Im Verein überwiegt die Zahl der Wohnanhänger, aber wir machen da keinen Unterschied.

Lieber im Inland campen oder im Ausland?
Beides ist schön. Wir kennen tolle Plätze vom Nordkap in Norwegen bis Südtirol. Weiter nach Süden fahre ich nicht. In Südtirol campen wir auf 1600 Meter Höhe, das macht einfach riesig Spaß. Camping funktioniert auch im Winter – wenn man zum Skifahren fährt.

Nachholbedarf im Kreis Siegen-Wittgenstein

Blicken wir mal auf die Zeit nach Corona, die hoffentlich nicht mehr sehr fern ist. Wo werden Sie Ihren Wohnwagen als nächstes abstellen?
Da lege ich mich noch nicht fest. Es gibt noch viele schöne Ecken, die entdeckt werden wollen. In Polen war ich noch nicht, das reizt mich, aber auch Österreich wäre wieder ein schönes Ziel.

Wenn man die Camping-Karte in Deutschland studiert, fällt auf, dass wir bei uns im Kreis Siegen-Wittgenstein Nachholbedarf haben, was Angebote angeht. Funktioniert Camping bei uns nicht?
Ich bin davon überzeugt, dass das laufen würde. Man sieht doch, dass es beispielsweise in Züschen und Winterberg – also in direkter Nachbarschaft – auch geht.

Campingplatz wäre riesige Bereicherung

Woran liegt es dann, dass hier der Durchbruch nicht gelingen will?
Natürlich braucht man einen oder mehrere Menschen, die mutig genug sind, um ein Projekt anzustoßen. Das kostet Geld. Aber das ist es nicht allein. Ich denke auch, dass nicht jeder die ganzen Auflagen antun will, die er zu erfüllen hat. Ein Campingplatz bei uns wäre auf jeden Fall eine riesige Bereicherung.

Was vermissen Sie derzeit mit Blick auf die Camping-Freunde Wittgenstein am meisten?
Die Gemeinschaft, in der ein Rad ins andere greift. Ich denke da zum Beispiel an die Veranstaltung am Struthbach, wo jeder etwas beizusteuern hat. Auch die Wanderungen zum Weihnachtsmarkt in Diedenshausen sind immer tolle Erlebnisse. Wir haben viele Menschen im Verein, die über ein gewaltiges handwerkliches Know-How verfügen. Niemand ist mit einem Problem allein.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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