»Städter verstehen das vielleicht nicht«

Familie Schneider wohnt in der Nähe von Christianseck in einer Oase der Ruhe

vg Christianseck. Das Gehöft Schneider-Feige ist das am höchsten gelegenste Gebäude von Christianseck. Hierher gelangt man von der Landesstraße Richtung Diedenshausen kommend über einen schmalen leicht abfallenden Weg, der über eine weite Ebene führt. In der Ferne erheben sich Wälder mit winterlichem Glanz. Irgendwann stößt man auf das Hinweisschild »Struthbach«, das auf einen weiteren Zubringer aufmerksam macht. Dieser führt dann direkt zum Hof. Nach einigen Metern ist man schließlich da. Hohe Fichtenbäume schützen das Anwesen in nördlicher Richtung. Hier, in dem von Scheunen und Wirtschaftsgebäuden umgebenen Vorhaus mit dem liebevoll gestalteten Balkon und dem Erker, wohnt die Familie Schneider.

»Die Landwirtschaft ist bei uns ein Nebenerwerb«, sagt Tobias Schneider, der 28-jährige Sohn der Familie. Auch die Bauernhof-Pension werde als zusätzliche Einnahmequelle geführt, ansonsten gehen die Männer der Familie anderen Berufen nach. Vater Heinz Schneider, gelernter Metzger, arbeitet nach wie vor in seinem Beruf, Sohn Tobias, gelernter Anlagenmechaniker, ist seit fünf Jahren als Fahrer für die Wittgensteiner Kliniken AG im Einsatz. Da sei man die Woche über immer in vielen Städten unterwegs, verrät der 28-Jährige beim Besuch der SZ. Wenn Tobias Schneider nach der Arbeit nach Hause kommt, weiß er die Abgeschiedenheit und die ländliche Ruhe zu schätzen: »Ich bin hier aufgewachsen. Städter können das vielleicht nicht verstehen, aber die Ruhe, die wir hier haben, findet man kaum irgendwo anders.«

Dabei kann von Einsamkeit auf Hof Schneider-Feige nicht die Rede sein: »Hier ist eigentlich immer Betrieb«, sagt Tobias Schneider, »regelmäßig kommen Leute vorbei, egal ob es der Milchwagen, der Mann von der Post ist oder ob wir neue Feriengäste begrüßen können.« Und noch eine Besonderheit schätzt der 28-Jährige: »Bei uns wohnen mehrere Generationen unter einem Dach. Das ist ja heutzutage in der Stadt auch nicht mehr üblich.«

Zur Familie auf dem Hof gehören Mutter Marianne, Vater Heinz, Sohn Tobias, dessen Ehefrau Simone und deren einjähriges Töchterchen Hanna. Die Pension führe die Familie bereits in der dritten Generation. Das Leben auf dem Land hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. »Man kann nicht mehr nur von der Landwirtschaft leben«, merkt Heinz Schneider kritisch an, »daher haben wir die Jahre über Wert darauf gelegt, unsere Pension immer weiter zu modernisieren.« Doch auch der Tourismus habe sich deutlich verändert. »Heutzutage gibt es sehr viele Kurzzeiturlauber«, fügt Tobias Schneider hinzu, »früher blieben die Gäste auch mal ein paar Tage länger.«

Gerade im Winter stellt der Hof für seine Bewohner eine echte Herausforderung dar: Der Schnee liegt überall sehr hoch und die Wege müssen geräumt werden. »Dabei ist der Gemeindeweg, der hier an unsere Zufahrt grenzt, im Laufe der Jahre sehr schlecht geworden. Seit drei Jahren versuche ich bei der Stadt, da etwas zu erreichen, aber es tut sich nichts. Der Weg müsste dringend mal erneuert werden«, findet Heinz Schneider. »Ich glaube, die Berleburger Bürger, die etwas außerhalb leben, haben alle mit diesen Problemen zu tun«, fügt Tobias Schneider hinzu. Aber das kümmere die Kommunen in der Regel wenig.

Alle Familienmitglieder sind in die täglich anfallenden Aufgaben auf dem Hof eingebunden: »Die Frauen kümmern sich um die Küche und die Pension, und ich helfe dem Vater bei den Landwirtschaft«, berichtet Tobias Schneider. Hof Schneider-Feige ist ein Milchviehbetrieb und hier wird noch selbst geschlachtet. Ein eigener Brunnen versorgt das Gehöft mit Wasser, »und wir haben unsere eigene Kläranlage. Das sind natürlich alles zusätzliche Kosten«, so Heinz Schneider. Bei allen Schwierigkeiten möchte Tobias Schneider später einmal den Hof übernehmen: »Auch wenn ich jetzt noch nicht abschätzen kann, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln werden und ob es alles noch so weitergehen kann.«

Dennoch, eines lassen sich die Schneiders von niemandem nehmen: die Gewissheit, in einer Oase der Ruhe zu leben, wo sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt und manche Sorgen des Alltags vergessen lässt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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