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Augenärztin sucht sieben Jahre Nachfolger
Telemedizin Versorgung der Zukunft?

Die Bad Berleburger Augenärztin Dr. Christine Roberts macht nach 39 Jahren Schluss in ihrer Praxis. Mangels Nachfolge hat die 70-Jährige einen Antrag auf telemedizinische Versorgung gestellt – und betritt damit Neuland.
  • Die Bad Berleburger Augenärztin Dr. Christine Roberts macht nach 39 Jahren Schluss in ihrer Praxis. Mangels Nachfolge hat die 70-Jährige einen Antrag auf telemedizinische Versorgung gestellt – und betritt damit Neuland.
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vö Bad Berleburg. Dr. Christine Roberts drückt es in der Sprache ihres Berufszweiges aus: Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus Bad Berleburg weg. Weinend deshalb, weil sie ihr Mitarbeiter-Team und ihre Patienten vermissen werde, das lachende stehe für den neuen Lebensabschnitt, der jetzt komme. Die Bad Berleburger Augenärztin macht nach 39 Jahren Selbstständigkeit Schluss, kommende Woche wird ihre Praxis an der Poststraße aufgelöst. Dann zieht die Medizinerin ganz nach Mannheim, wo sie bereits seit Jahren gut die Hälfte der Woche verbringt. Drei Tage behandelt sie aktuell noch Patienten in ihrer Praxis in Wittgenstein – bis zum 24. Juni.

Und noch einmal kommt das weinende Auge ins Spiel: Es gibt keinen Nachfolger.

Bad Berleburg. Dr. Christine Roberts drückt es in der Sprache ihres Berufszweiges aus: Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus Bad Berleburg weg. Weinend deshalb, weil sie ihr Mitarbeiter-Team und ihre Patienten vermissen werde, das lachende stehe für den neuen Lebensabschnitt, der jetzt komme. Die Bad Berleburger Augenärztin macht nach 39 Jahren Selbstständigkeit Schluss, kommende Woche wird ihre Praxis an der Poststraße aufgelöst. Dann zieht die Medizinerin ganz nach Mannheim, wo sie bereits seit Jahren gut die Hälfte der Woche verbringt. Drei Tage behandelt sie aktuell noch Patienten in ihrer Praxis in Wittgenstein – bis zum 24. Juni.

Und noch einmal kommt das weinende Auge ins Spiel: Es gibt keinen Nachfolger. Sieben Jahre lang hat sich die Fachärztin intensiv um eine Lösung bemüht – vergeblich. „Ich weiß nicht mehr, wie viele Besichtigungen wir hatten, wie viele E-Mails ich geschrieben habe und wie viele Zusagen auf den letzten Drücker doch noch gescheitert sind.“

"Ich weiß nicht mehr,
wie viele Besichtigungen wir hatten,
wie viele E-Mails ich geschrieben habe
und wie viele Zusagen auf den letzten Drücker
doch noch gescheitert sind."

Dr. Christine Roberts
Augenärztin in Bad Berleburg

Oftmals sei sie mit einem Kollegen oder einer Kollegin handelseinig geworden, die Verträge seien bereits zum Notar gegangen. Dann sei aber aufgefallen, dass der Partner seinen Arbeitsplatzwunsch hier nicht realisieren könne. Oder dass die passende Schulform für die Kinder in Bad Berleburg und Umgebung nicht vorhanden sei, erinnert sich die 70-Jährige, die als 31-Jährige weiter die jüngste Augenärztin in Siegen-Wittgenstein ist, die eine eigene Praxis übernommen hat. „Menschen, die in der Stadt leben, sind es gewohnt, dass man aus unterschiedlichen Angeboten auswählen kann.“ Hinzu komme, dass die Autobahn eine Fahrstunde entfernt liege, das sei nicht wegzudiskutieren. Wer als Augenarzt nach Bad Berleburg komme, der wolle hier leben und arbeiten: „Und nicht nur wandern.“

Keine Förderung, weil Bad Berleburg kein Notstandsgebiet

Die Gründe, warum es mit der Nachfolge nicht funktioniert habe, seien mannigfaltig. Einer sei auch, dass die Suche nicht gefördert werde, weil Bad Berleburg nicht Notstandsgebiet sei. Soll heißen: Kreisweit liegt die augenärztliche Versorgung derzeit bei 110 Prozent. Allerdings merkt Christine Roberts durchaus mit einer gehörigen Portion Selbstironie an: „In Wittgenstein bin ich zwar nicht die beste, dafür aber die einzige Augenärztin. Ihr Einzugsgebiet reicht über Wittgenstein hinaus nach Hessen und ins benachbarte Sauerland. Falle ein Augenarzt in der größeren Stadt aus, bedeute das vielleicht etwas längere Wartezeit, fehle der Facharzt auf dem Land, sei die Versorgung nicht mehr sichergestellt.

Die gebürtige Amerikanerin lässt keinen Zweifel daran, was ihr am Herzen liegt: „Ich möchte die Versorgung meiner Patienten sicherstellen.“ Bei der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer hat sie Anträge auf Einrichtung einer telemedizinischen Versorgung in Bad Berleburg eingereicht. Das Muster sei ähnlich wie in der Allgemeinmedizin, wo das bereits seit einiger Zeit funktioniere. Christine Roberts denkt – im Falle eines positiven Bescheides – über Räumlichkeiten in Bad Berleburg nach. Dort finde dann ein erster Arztkontakt mit dem Patienten statt – digital. Werde dann eine Gesichtsfelderkundung notwendig oder seien Erkenntnisse mit dem Mikroskop erforderlich, seien das Aufgaben, die die augenärztlich-technische Assistenz erledigen könne. Bei der Auswertung komme wiederum der Arzt zum Zug. Eine echte Alternative, um die Versorgung zu gewährleisten. Wie groß sind die Chancen, dass die Telemedizin auch bei den Augenärzten zum Zug kommt?

Für Wittgenstein und ländliche Regionen viel gewonnen

„Es ist natürlich Neuland, aber ich setze auf eine baldige Entscheidung.“ Sie hoffe, dass die notwendige Flexibilität vorhanden sei. Wenn die Genehmigung vorliege, da ist sich die Augenärztin absolut sicher, sei zumindest für Wittgenstein und die ländlichen Regionen viel gewonnen. In der Eifel sei die Situation schwierig, in der Pfalz auch. In Thüringen fehlten landesweit bereits 16 Augenärzte. Christine Roberts: „Die würden wohl jeden Preis zahlen, um die Situation zu verbessern.“

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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