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Ausstellung in Bad Berleburg
Thema Frauenhäuser in das Bewusstsein gerückt

Einem wichtigen Thema eine Plattform geben – das wollen die Initiatorinnen des Vereins „Frauen helfen Frauen“ aus Siegen, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Berleburg und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann. Foto: Sarah Benscheidt
  • Einem wichtigen Thema eine Plattform geben – das wollen die Initiatorinnen des Vereins „Frauen helfen Frauen“ aus Siegen, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Berleburg und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann. Foto: Sarah Benscheidt
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sabe Bad Berleburg. Es werden Türen geöffnet, die eigentlich geschlossen bleiben. Einblicke gewährt, die von solcher Intimität, Normalität, Verletzlichkeit, Stärke, Mut, Angst, Freude und Trauer geprägt sind, von solch einer Authentizität und Offenheit, dass einem beim Betrachten der 35 Fotografien von Brigitte Kraemer schwindelt. Seit Donnerstag ist die Ausstellung „Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus“ in der Sparkasse Wittgenstein in Bad Berleburg mit den Exponaten der Künstlerin aus dem Ruhrgebiet zu sehen – noch bis zum 26. Februar bleiben die schwarz-weißen Abzüge der Wirklichkeit in der ersten Etage der Schalterhalle hängen.

sabe Bad Berleburg. Es werden Türen geöffnet, die eigentlich geschlossen bleiben. Einblicke gewährt, die von solcher Intimität, Normalität, Verletzlichkeit, Stärke, Mut, Angst, Freude und Trauer geprägt sind, von solch einer Authentizität und Offenheit, dass einem beim Betrachten der 35 Fotografien von Brigitte Kraemer schwindelt. Seit Donnerstag ist die Ausstellung „Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus“ in der Sparkasse Wittgenstein in Bad Berleburg mit den Exponaten der Künstlerin aus dem Ruhrgebiet zu sehen – noch bis zum 26. Februar bleiben die schwarz-weißen Abzüge der Wirklichkeit in der ersten Etage der Schalterhalle hängen.

Wanderausstellung in der Sparkasse

Initiiert hat die Wanderausstellung die Landesgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW im Verbund mit der Herner Fotografin mit einer tiefen Motivation: das Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder vielen Menschen zugänglich  machen. Die Veranstaltungsstätte in Bad Berleburg ist also eine mit Symbolcharakter. Ein öffentlicher Ort, inmitten geschäftigen Treibens, inmitten von Turnus und Routine. Das setzt Zeichen. Gegen Tabuisierung, gegen Unwissen, gegen Berührungsängste, gegen Vorurteile.

Einblicke in unbekannte Welt

„Auf der Schwelle“ gibt Einblicke in eine weitgehend unbekannte Welt. Frauenhäuser verbergen ihr Inneres vor den Augen der Öffentlichkeit aus gutem Grund: Sie sind Schutzorte, Räume, in denen Opfer zu sich kommen und neu ausrichten können. Orte der Kreativität, des Lernens, der Einsamkeit, des Zusammenhalt, der Unterstützung, des Neubeginns, Schauplätze des Lebens – und zwar solche ohne Bedrohung und Gewalt. Frauenhäuser sind „Schwellenorte“ – sie fangen auf, richten aus, helfen aus, sind Sprungbretter für neue Lebensperspektiven und stützen die Betroffenen während Verarbeitungsprozessen und emotionaler Entwicklung – sind somit nicht nur Orte des Übergangs, sondern der Stabilität, der Tragkraft und nahrhafter Boden für alles neu Entstehende.

Aus der Tabu-Ecke geholt

Die Fotoausstellung hat diese Wege auf klare, unverfälschte Weise eingefangen. Sie bedient sich einer Ästhetik, die es vermag, durch künstlerisches Schaffen gesellschaftliche Leerstellen zu füllen: Sie verleiht den Frauen, die längst nicht nur Opfer sind, Gesichter, Stimmen, Emotionen: Neben fünf ausgewählten Portraitfotografien erzählen Betroffene ihre Geschichten und lassen so den Betrachter voll Vertrauen teilhaben an ihrer Situation, der sie sich so gleichsam mit voller Stärke stellen. „Wir müssen das Ganze aus der Tabu-Ecke rausholen, es sichtbar machen“, sagte Stefanie Rehländer vom Frauenhaus Siegen, die im Zuge ihrer einleitenden Rede von der Arbeit im Frauenhaus berichtete. „Gewalt hat viele Gesichter – jede vierte Frau in unserer Gesellschaft hat davon eines schon gesehen.“

Kein Fall von "Randgruppe"

Seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt – Frauen sind laut polizeilicher Kriminalstatistik von Gewalt durch ihre Beziehungspartner weitaus mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung durch Fremde, Wohnungseinbruch oder Raub: Statistisch gesehen ist für Frauen somit der eigene Partner eindeutig der gefährlichste Mensch und die eigene Wohnung der gefährlichste Ort. So sei in keinem Fall von „einer Randgruppe“, vielmehr von einem „Querschnitthema“ zu sprechen, das viel zu wenig in Politik und Gesellschaft zum Tragen käme, so Stefanie Rehländer. Viel zu wenige Frauenhausplätze, ein selbstfinanzierter Aufenthalt, keine Möglichkeit der Beanspruchung von Sozialleistungen für Schülerinnen, Studentinnen oder Frauen mit noch ungeklärter Aufenthaltsbestätigung – ein Blick in die Wirklichkeit und auf den schwierigen Zugang zu Schutzeinheiten, zeigt einmal mehr, was Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann so treffend resümierte: „Das Thema ist im Alltag längst nicht präsent genug, bewegt sich zu sehr im Verborgenen.“ Mit der Ausstellung in der Sparkasse Wittgenstein wolle man auch als Stadt, und im Verbund mit allen Initiatoren, dem Thema mit „Selbstverständnis“ Raum geben.

• Die Ausstellung „Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus“ ist montags bis freitags von 8.15 Uhr bis 12.30 Uhr sowie montags bis mittwochs und freitags von 13.30 Uhr bis 16 Uhr und donnerstags von 13.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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