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Wittgenstein: unterschiedliche Regelungen für Hundeschulen
Tipps für Hundeerziehung nur privat erlaubt

Hunde brauchen Erziehung und ihre Besitzer auch schon mal Rat von Fachleuten. Der Betrieb von Hundeschulen ist derzeit allerdings untersagt, jedenfalls in einigen Kommunen. Hundetrainer befürchten, dass die Beziehung von Mensch und Tier leidet.
  • Hunde brauchen Erziehung und ihre Besitzer auch schon mal Rat von Fachleuten. Der Betrieb von Hundeschulen ist derzeit allerdings untersagt, jedenfalls in einigen Kommunen. Hundetrainer befürchten, dass die Beziehung von Mensch und Tier leidet.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

bw Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Der Corona-Lockdown geht weiter, die Einschränkungen nehmen zu. Was den Menschen trifft, hat freilich auch ganz erhebliche Auswirkungen auf seinen besten Freund: Für Hundeschulen gilt derzeit wie für viele andere Bereiche, dass ihr Betrieb im Prinzip untersagt ist. Aber ganz so eindeutig ist das Ganze nicht, wie der Blick allein auf die drei Wittgensteiner Kommunen offenbart. Denn in Bad Berleburg und Erndtebrück sind die Hundeschulen komplett geschlossen, in Bad Laasphe ist hingegen ein 1:1-Schulungsbetrieb erlaubt.
Pause bis mindestens 30. NovemberDie Stadt Bad Berleburg hat die Information an die Hundeschulen weitergegeben, dass sie bis mindestens 30.

bw Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Der Corona-Lockdown geht weiter, die Einschränkungen nehmen zu. Was den Menschen trifft, hat freilich auch ganz erhebliche Auswirkungen auf seinen besten Freund: Für Hundeschulen gilt derzeit wie für viele andere Bereiche, dass ihr Betrieb im Prinzip untersagt ist. Aber ganz so eindeutig ist das Ganze nicht, wie der Blick allein auf die drei Wittgensteiner Kommunen offenbart. Denn in Bad Berleburg und Erndtebrück sind die Hundeschulen komplett geschlossen, in Bad Laasphe ist hingegen ein 1:1-Schulungsbetrieb erlaubt.

Pause bis mindestens 30. November

Die Stadt Bad Berleburg hat die Information an die Hundeschulen weitergegeben, dass sie bis mindestens 30. November pausieren müssen, wie Christian l’Hiver als Abteilungsleiter für Bürger- und Seniorenservice betont. Die Frage sei durchaus häufiger gestellt worden, das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales habe Anfang November einen entsprechenden Auslegungshinweis versendet. Darin heißt es, „dass außerschulische Bildungsangebote umfassend untersagt sind“. Eine Ausnahme gilt lediglich für ausbildungs- und berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsangebote von bestimmten Einrichtungen – darunter fallen Hundeschulen aber nicht. „Dieses Verständnis ist getragen von dem Ziel der aktuell geltenden Corona-Schutzverordnung, private Kontakte der Bürgerinnen und Bürger so weit wie möglich zu vermeiden“, heißt es weiter.

Ausnahme für berufsmäßige Hundeführer

Auch die Gemeinde Erndtebrück stellt klar, dass der Betrieb von Hundeschulen derzeit nicht erlaubt sei: „Es ist davon auszugehen, dass auch über den November hinaus Hundeschulen ihren Betrieb nicht aufnehmen dürfen“, erfuhr unsere Zeitung aus dem Rathaus. Hundeschulen sind ausbildungs- und berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsangebote, eine Ausnahme gilt lediglich für berufsmäßige Hundeführer, die eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren. Darüber hinaus seien Angebote der Onlineschulung zulässig. Es wird keine Unterscheidung danach vorgenommen, ob die Schulungen oder das Training im Einzel- oder im Gruppenunterricht, in einem Gelände oder im Freien stattfinden.

1:1-Schulungssituation in Laasphe erlaubt

Komischerweise handelt die Stadt Bad Laasphe aber anders und verweist darauf, dass es hierzu kommunal unterschiedliche Auffassungen und Handhabungen gebe. In Bad Laasphe ist der Betrieb von Hundeschulen derzeit erlaubt, jedoch nur in der 1:1-Schulungssituation. Das heißt, es dürfen sich maximal ein Hundetrainer und ein Hundebesitzer mitsamt Hund gleichzeitig auf der Anlage befinden. Grundlage für die Verwaltung als Ordnungsbehörde, dies zu gestatten, ist hauptsächlich die aktuell gültige Regelung, dass sich bis zu zehn Personen aus zwei Haushalten ohne Einhaltung des Mindestabstandes in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Die Umstände, dass Hundetrainings in der Regel unter freiem Himmel stattfinden und der Mindestabstand zwischen Hundetrainer und Hundebesitzer leicht eingehalten werden kann, haben außerdem dazu geführt, eine 1:1-Schulung zu gestatten, sofern natürlich die Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden. „Darüber hinaus ist es natürlich auch im Interesse der Hunde und der jeweiligen Hundehalter, dass die Tiere eine artgerechte Erziehung erhalten“, teilt das Laaspher Rathaus mit.

Gibt es bald „Corona-Hunde“?

Das kann Frank Thimm nur ganz deutlich unterschreiben. Er betreibt in Schwarzenau das Hundezentrum Wittgenstein im Nebenberuf, aber momentan sind ihm die Hände gebunden. „Jede Kommune hat anders reagiert“, sagt er und merkt an, dass das wenig nachvollziehbar sei. „Privat darf ich mich mit einem anderen Hundehalter treffen und ihm Tipps geben, geschäftlich darf ich das allerdings nicht.“ Ihm sei die Gesundheit der Trainer und der Hundebesitzer sehr wichtig, „das steht auch außer Frage“. Welpen bräuchten aber die Hundeschule, das gelte gerade für all jene Menschen, die ihren ersten Hund bekommen haben. Aktuell komme der Begriff der „Corona-Hunde“ auf: Es sei zu befürchten, dass mehr Vierbeiner in ein oder zwei Jahren verhaltensauffällig seien, weil ihre Besitzer nicht den richtigen Umgang mit ihrem Hund gelernt haben. Vor allem Erst-Hundebesitzer könnten ohne die entsprechende Unterstützung überfordert sein, so Frank Thimm, der seine Hundeschule bereits im März für zweieinhalb Monate geschlossen hatte.

Defizite bei Welpen durch geschlossene Schulen

„Der Hund kommuniziert über die Körpersprache“, betont er, „wenn ich die Signale nicht kenne, dann kann ich mich mit meinem Hund nicht verständigen.“ Dann sei es der Mensch, der die Geduld schnell verliert und frustriert ist. Ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Zwei- und Vierbeiner sei so schnell nicht wieder zu kitten, verrät Frank Thimm, der Hundepsychologie studiert hat: „Wie soll ich dem Erst-Hundebesitzer aber helfen, wenn ich es nicht darf? Für uns ist die Situation sehr schwierig.“
Das gilt auch für Susanne Schmidt, die die Hundeschule „Die Schnüffler“ in Birkelbach betreibt. Einen anderen Job habe sie nicht. „Sozialisierte und alltagstaugliche Hunde sind gewünscht, aber wir dürfen nicht helfen“, sagt sie. Im Frühjahr hat sie bereits erlebt, welche Defizite Welpen durch die Schließung von Hundeschulen erleiden. „Was soll denn gegen ein Einzeltraining sprechen? Ich wäre froh, wenn ich wenigstens das machen dürfte.“ Drückjagden seien dagegen erlaubt, „das passt alles nicht“, findet Susanne Schmidt.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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