SZ

Städtische Realschule Bad Berleburg
Training für den richtigen Umgang mit neuen Medien

Wer im „real life“ – also im realen Leben – hilft, der tut das auch im Netz: Wie man gemeinsam als Gruppe (digitale) Zivilcourage leisten kann, übte Referent Yao Houphout (hierfür übernahm er die Rolle eines Angreifers) mit den Schülerinnen und Schülern anhand eines symbolträchtigen Bildes: Die Klassengemeinschaft schützte ihre Klassenkameradin und Schulleiter Manfred Müller (hinten, r.) mit aller Kraft und gemeinsam vor dem (inszenierten) Übergriff. Foto: Sarah Benscheidt
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  • Wer im „real life“ – also im realen Leben – hilft, der tut das auch im Netz: Wie man gemeinsam als Gruppe (digitale) Zivilcourage leisten kann, übte Referent Yao Houphout (hierfür übernahm er die Rolle eines Angreifers) mit den Schülerinnen und Schülern anhand eines symbolträchtigen Bildes: Die Klassengemeinschaft schützte ihre Klassenkameradin und Schulleiter Manfred Müller (hinten, r.) mit aller Kraft und gemeinsam vor dem (inszenierten) Übergriff. Foto: Sarah Benscheidt
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sabe Bad Berleburg. Der technische Umgang mit den „Neuen Medien“, er ist für die junge Nutzergeneration quasi ein naturgewachsener. Mühelos und immer früher bewegen sich Kinder und Jugendliche in der virtuellen Sphäre – „WhatsApp“, „Instagram“, „Facebook“ und Co. gehören zum Lebensalltag, nehmen einen immer größeren Raum ein. Wie aber verhält es sich in puncto sozialem Umgang? Jüngste Studien hierzu lassen aufhorchen: Ein Viertel aller Jugendlichen unter 14 Jahren ist schon einmal Opfer von „Cyber Mobbing“ geworden.
Wie verhalte ich mich richtig?Eltern fühlen sich in solchen Momenten oft überfordert und uninformiert, sind es doch vor allen Dingen die Fragen einer neuen Generation, die sich hier auftun: Was sind Gefahren und Risiken digitaler Kommunikationswege?

sabe Bad Berleburg. Der technische Umgang mit den „Neuen Medien“, er ist für die junge Nutzergeneration quasi ein naturgewachsener. Mühelos und immer früher bewegen sich Kinder und Jugendliche in der virtuellen Sphäre – „WhatsApp“, „Instagram“, „Facebook“ und Co. gehören zum Lebensalltag, nehmen einen immer größeren Raum ein. Wie aber verhält es sich in puncto sozialem Umgang? Jüngste Studien hierzu lassen aufhorchen: Ein Viertel aller Jugendlichen unter 14 Jahren ist schon einmal Opfer von „Cyber Mobbing“ geworden.

Wie verhalte ich mich richtig?

Eltern fühlen sich in solchen Momenten oft überfordert und uninformiert, sind es doch vor allen Dingen die Fragen einer neuen Generation, die sich hier auftun: Was sind Gefahren und Risiken digitaler Kommunikationswege? Wie verhalte ich mich im virtuellen (anonymen) Raum fair gegenüber anderen Menschen? Was für eine Sprache nutze ich? Wie kann ich unterstützend eingreifen, wenn ich grenzüberschreitendes Verhalten beobachte? Die Themenkomplexe, die das digitale Zeitalter mit sich bringt, sind großflächig, divergent und schillernd und reichen in das „real life“ – also das „reale Leben“ – mittlerweile einschlägig hinein, sind vielmehr mit ihm untrennbar verwoben.

"Grundlegende Kulturkompetenz"

Neben vielen Chancen – und das ist längst kein Geheimnis mehr – muss also auch der Umgang mit eben so vielen Risiken gelernt werden. Die Sensibilisierung diesbezüglich sei daher, so formulierte es Yao Houphouet vom Verein Ensible aus Schmallenberg, zu einer „grundlegenden Kulturkompetenz“ dieser Zeit geworden. „Wir wollen Gestalter unserer Welt bleiben und uns nicht gestalten lassen“, sagt er im Gespräch mit der SZ bezüglich den Risiken des digitalen Zeitalters. Aus dieser Motivation heraus hat der Verein Ensible aus Schmallenberg (Stützpunkt für Jugendkultur NRW) das „Social Networking Training“, kurz SNT entwickelt und in Zusammenarbeit mit ausgewählten Schulen und unter Förderung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW zu einer festen Initiative erhöht, die bereits seit dem vergangenen Jahr und mit finanzieller Unterstützung des Lions-Club Wittgenstein in die Schulen des Altkreises getragen wird. Im Kern ist das SNT dabei eine spezifische Workshop-Reihe für junge Menschen, die präventiv den Nutzen und vor allem auch die Herausforderungen und Gefahren vermittelt, die mit den sozialen Netzwerken verbunden sind.

Konfliktpotenzial durch soziale Plattformen

Und die, so wusste Manfred Müller, Schulleiter der Realschule Bad Berleburg, seien auch im schulischen Alltag sichtbar. Die Schule öffnete am Donnerstag die Pforten für das SNT und Yao Houphouet weit: „Ein großer Teil an Konfliktpotenzial wird über digitale Plattformen in die Schule hineingetragen.“ So sei die virtuelle Welt ein Raum, in dem sich die Schülerinnen und Schüler immer früher und immer häufiger bewegten, in dem Felder wie Schule, Freizeit und Familie ineinandergriffen und nicht unbedingt getrennt voneinander betrachtet werden könnten.

Impulse aus allen Richtungen

„Das unterstützt die Wichtigkeit dieses Projekts.“ So gehe es hierbei um das Hinführen zu einem wertschätzenden Miteinander, nicht darum soziale Plattformen zu verteufeln. „Das Rad kann man ohnehin nicht mehr zurückdrehen.“ Deshalb sei es die wichtige Aufgabe – in diesem Fall von Eltern und Lehrern – diese neuen Aufgabenstellungen zu erkennen und sie gemeinsam mit den Schülern hinreichend klären zu können. Somit ist es Ensible auch wichtig, Eltern und Lehrer mit einzubinden. „Als Insellösung macht das keinen Sinn, wir brauchen starke Partner an Bord“, so Yao Houphouet. „Wir brauchen und wollen Impulse aus allen Richtungen, wir wollen eine ganze Region bewegen.“

Zusammenhalt in der Gruppe

Wie das im Expliziten funktionieren kann, wusste Yao Houphouet mit Unterstützung der Klasse 7c eindrücklich zu beweisen. Wie schon die sechsten und die übrigen siebten Klassen zuvor, so ging es auch hier um Datenschutz und Privatsphäre (Stichwort: „Teilen von sensiblen Inhalten im Netz – Google vergisst nie“) aber auch darum, die Zusammenhänge von Geschäftsmodellen zu verstehen: „WhatsApp kennt Deine Wünsche, Deine Freunde und Deine Ängste, dass macht angreifbar. Außerdem ging es Yao Houphouet auch darum, mit den Schülerinnen und Schülern über die Wirkung von Kommunikation und der daraus entstehenden Gruppendynamik im virtuellen Raum zu sprechen – sprich aufzuzeigen, wie schnell aus scharfen Kommentaren psychische Gefahren für den damit Konfrontierten entstehen können und wie wichtig es ist, gerade in solchen Situation (digitale) Zivilcourage zu zeigen, zusammenzuhalten, sich für den anderen stark zu machen. „Jeder Baustein einer Gruppe ist relevant und jeder von euch hat eine wichtige Bedeutung, so bildet sich Gemeinschaft.“

Bewusstsein für die Materie erlangt

Wie sehr die Strukturen des Cyberspace in die Wirklichkeit hineinreichen, das wusste die Klasse nur zu gut. So hatte es in der Vergangenheit Vorfälle in einer selbst organisierten „WhatsApp“-Schulgruppe gegeben, die die Schülerinnen und Schüler im Nachgang sehr reflektiert und auf einer zwischenmenschlichen Ebene im Kollektiv zu besprechen wussten. Mittlerweile ist das „WhatsApp“-Ereignis in der Klasse kein Thema mehr – ja, es schien ganz so, als habe das intensive Auseinandersetzten mit der Situation und der gegenseitige Diskurs ein unglaubliches Bewusstsein für die Materie geschaffen.

Mehr Mut, mehr Hilfsbereitschaft

„Die Klasse hat jetzt nach den Workshops viel mehr Verantwortungsgefühl“, fand Alison und Max beobachtete „viel weniger Konflikte“ in der Klassengemeinschaft. So wussten auch Till („Wir lassen niemanden mehr alleine.“) und Henrik („Mittlerweile kann man hier jeden Fragen, wenn man ein Problem hat.“) von der positiven Stimmung untereinander zu berichten und Melina fand, es habe sich durch das gemeinsame Training mehr Mut entwickelt, den es ja schließlich manchmal braucht, um zu helfen. Der Beweis folgte denn auch sogleich: Am Ende des Workshops sollten die Jugendlichen eine Szenerie nachstellen in der es galt, zwei Mitmenschen (Schulleiter Manfred Müller machte dafür prompt den Mime) vor einem (inszenierten) Angreifer zu schützen. Im Kollektiv bildete die Klassengemeinschaft einen schützenden Wall um die zwei ,Statisten’ – und hier kam wirklich keiner durch, nicht einmal Yao Houphouet, der seine Schauspielkünste bewusst einzusetzen wusste. Arm in Arm zeigten die Schüler, was (digitale) Zivilcourage heißt!

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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