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SZ-Interview mit Johannes Röhl
Trotz Borkenkäfer: Darum ist die Fichte auch in Zukunft wichtig

In der Region warten sprichwörtlich Berge von Käferholz auf den Abtransport. Große Mengen des Baustoffes werden zu mittlerweile anziehenden Preisen nach China und in die Vereinigten Staaten exportiert.
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  • In der Region warten sprichwörtlich Berge von Käferholz auf den Abtransport. Große Mengen des Baustoffes werden zu mittlerweile anziehenden Preisen nach China und in die Vereinigten Staaten exportiert.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

vö Bad Berleburg. Bauherren schütteln ungläubig mit dem Kopf: Baumaterial aus Holz ist rar geworden im Fachhandel, OSB-Platten, Kanthölzer und Zaunpfosten sind teilweise seit Wochen ausverkauft. Und wenn etwas zu bekommen ist, knacken die Preise gerade neue Bestmarken. Wie geht das, wenn man beim Blick aus dem Fenster in erster Linie eines sieht: Käferholz, das auf den Abtransport wartet. Johannes Röhl ist Forstdirektor der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer und verantwortet damit den größten Privatwald in Nordrhein-Westfalen. Im SZ-Interview liefert er schlüssige Erklärungen für eine Situation, die schwer greifbar scheint.
"Ware Wald ist gefragt wie nie zuvor"
Herr Röhl, die Preise für Schnittholz gehen hierzulande gerade durch die Decke – wenn überhaupt etwas zu bekommen ist.

Bad Berleburg. Bauherren schütteln ungläubig mit dem Kopf: Baumaterial aus Holz ist rar geworden im Fachhandel, OSB-Platten, Kanthölzer und Zaunpfosten sind teilweise seit Wochen ausverkauft. Und wenn etwas zu bekommen ist, knacken die Preise gerade neue Bestmarken. Wie geht das, wenn man beim Blick aus dem Fenster in erster Linie eines sieht: Käferholz, das auf den Abtransport wartet. Johannes Röhl ist Forstdirektor der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer und verantwortet damit den größten Privatwald in Nordrhein-Westfalen. Im SZ-Interview liefert er schlüssige Erklärungen für eine Situation, die schwer greifbar scheint.

"Ware Wald ist gefragt wie nie zuvor"

Herr Röhl, die Preise für Schnittholz gehen hierzulande gerade durch die Decke – wenn überhaupt etwas zu bekommen ist. Wie kann das sein bei den Bergen von Käferholz in unseren Wäldern?

  • Ein Grund ist die sehr gute Konjunktur, die Ware ist gefragt wie nie zuvor. Die Menschen nutzen ihre Zeit, um zu renovieren und zu bauen – und ihr Geld, das offenbar an anderer Stelle nicht ausgegeben wird. Der zweite Grund sind die enormen Holzmengen, die nach China und in die USA gehen. Die Exporteure rennen uns die Bude ein. Das hat zur Folge, dass die Preise wieder anziehen.
Johannes Röhl.

Können Sie die Kritik der Menschen verstehen, die sich darüber wundern, dass Holz in Containern Richtung China verladen wird, während es an den Regalen im Baumarkt lange Gesichter gibt?

  • Die Kritik wurde auch schon an uns herangetragen, ich kann den Endkunden absolut verstehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir ohne die China-Exporte hinten herunter gefallen wären, dann wäre das Holz im Wald vergammelt. Das Problem bestand darin, dass unsere Säger die gewaltigen Mengen einfach nicht in dieser kurzen Zeit verarbeiten konnten, wie es beim Käferholz nötig gewesen wäre.

Holz aus Mitteleuropa ist gefragt

Kommen die Preissteigerungen, die der Verbraucher spürt, denn auch beim Erzeuger an?

  • Ja, das Blatt hat sich gewendet. Wir rechnen im dritten Quartal mit ordentlichen Erlösen, eigentlich beginnt das aber jetzt schon. Wir bewegen uns mit unserem Holz auf einem unregulierten Weltmarkt. Holz aus Mitteleuropa ist gefragt, das ist die gute Nachricht.

Also ist alles wieder im grünen Bereich nach sehr schwierigen Jahren?

  • Noch lange nicht. Es geht doch jetzt in erster Linie darum, die richtigen forstwirtschaftlichen Konsequenzen aus der Situation zu ziehen.

Besteht eine Konsequenz darin, die Fichte durch Laubholz zu ersetzen?

  • Wir sollten klug vorgehen, nicht polarisierend. Laubholz macht an den richtigen Standorten natürlich Sinn. Aber klar ist doch, dass wir auch in Zukunft auf und mit Fichte, Lärche und Douglasie bauen. Ich gehe davon aus, dass ein Dachstuhl auch in 30 Jahren nicht aus Birkenholz gezimmert wird.

Aber klar ist doch, dass wir auch in Zukunft auf und mit Fichte, Lärche und Douglasie bauen. Ich gehe davon aus, dass ein Dachstuhl auch in 30 Jahren nicht aus Birkenholz gezimmert wird.

Wie ist die Situation im Wald aktuell? Ist es richtig, dass die momentan kalten Temperaturen dem Borkenkäfer wenig Spaß bereiten?

  • Auch wenn wir mit dieser Meinung ziemlich allein sind: Das Wetter ist ideal momentan. Wir gewinnen Zeit zur Aufarbeitung des Käferholzes. Im vergangenen Jahr konnten sich drei Generationen von Borkenkäfern entwickeln. In diesem Jahr fehlen schon mal acht Wochen. Aber es fliegen immer noch verdammt viele. Wenn es weiter kühl bleibt und dazu ordentlich regnet, sind wir zufrieden.

Ab welchem Zeitpunkt werden die Borkenkäfer wieder aktiv?

  • Ab 15 Grad Celsius wird es kritisch. Das sehen wir in unserem Betriebsteil im Bergischen Land, wo das Wetter ein anderes als bei uns ist.
Waldbauern in Angst: Borkenkäfer sitzt in den Startlöchern
In der Region warten sprichwörtlich Berge von Käferholz auf den Abtransport. Große Mengen des Baustoffes werden zu mittlerweile anziehenden Preisen nach China und in die Vereinigten Staaten exportiert.
Johannes Röhl.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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