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IHK: 2020 erhebliche Einbrüche bei Lehrverträgen
Überdurchschnittliches Minus in Wittgenstein

Die Zahl der Ausbildungsverträge ist im vergangenen Jahr in Wittgenstein deutlich zurückgegangen. Das lag jedoch weniger an Corona und mehr an der sich schon 2019 eintrübenden Konjunktur (Archivbild).
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  • Die Zahl der Ausbildungsverträge ist im vergangenen Jahr in Wittgenstein deutlich zurückgegangen. Das lag jedoch weniger an Corona und mehr an der sich schon 2019 eintrübenden Konjunktur (Archivbild).
  • Foto: Martin Völkel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

bw Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Schon seit über 31 Jahren befasst sich Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Siegen, mit dem Lehrstellenmarkt der heimischen Region. „Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir in dieser Zeit einmal einen derartigen Einbruch an Ausbildungsverträgen hinnehmen mussten.“ Die Zahlen sind in der Tat auf den ersten Blick beängstigend: Die IHK-zugehörigen Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe schlossen im vergangenen Jahr insgesamt 1821 Lehrverträge ab, das waren 415 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt 18,6 Prozent – für die drei Wittgensteiner Kommunen fällt die Bilanz allerdings noch überdurchschnittlich schlechter aus.

bw Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Schon seit über 31 Jahren befasst sich Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Siegen, mit dem Lehrstellenmarkt der heimischen Region. „Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir in dieser Zeit einmal einen derartigen Einbruch an Ausbildungsverträgen hinnehmen mussten.“ Die Zahlen sind in der Tat auf den ersten Blick beängstigend: Die IHK-zugehörigen Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe schlossen im vergangenen Jahr insgesamt 1821 Lehrverträge ab, das waren 415 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt 18,6 Prozent – für die drei Wittgensteiner Kommunen fällt die Bilanz allerdings noch überdurchschnittlich schlechter aus.

17 Prozent Rückgang in Siegen-Wittgenstein

Erndtebrück liegt mit einem Minus von 34,2 Prozent ganz am Ende im Kreisgebiet, auch in Bad Laasphe (-25 Prozent) und in Bad Berleburg (-20 Prozent) fällt die Bilanz nur unwesentlich besser aus. In den drei Wittgensteiner Kommunen schlossen die Unternehmen exakt 141 Ausbildungsverträge – 2019 waren es noch 186. Im gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein beträgt der Rückgang satte 17 Prozent. Allerdings hat der Einbruch nicht in erster Linie mit der Corona-Pandemie zu tun.
Klaus Gräbener erinnert daran, dass die Ausbildungsverträge letztlich ja bereits im Sommer und im Herbst 2019 abgeschlossen worden seien, da war von Corona noch keine Rede – sehr wohl aber eine konjunkturelle Eintrübung zu erkennen. Viele Unternehmen hätten deshalb auch entschieden, bei der Ausbildung „auf Sicht“ zu fahren. So habe sich das Minus letztlich deutlich summiert, indem hier eine Lehrstelle, dort zwei Ausbildungsplätze zurückgefahren wurden. Das fällt auf dem überschaubaren Wittgensteiner Lehrstellenmarkt allerdings deutlicher ins Gewicht als in größeren Städten.

Eher Schule und Studium statt Ausbildung?

„Es gibt natürlich auch Unternehmen, die mehr Auszubildende eingestellt haben“, so Klaus Gräbener.
Zumal, und hier kommt dann ein zweiter Aspekt ins Spiel, die Zahl der Lehrstellen insbesondere im Altkreis in den Vorjahren auf hohem Niveau lag und manche Unternehmen auch über Bedarf ausgebildet hatten, um damit perspektivisch Fachkräfte zu binden. Corona habe sich hingegen viel deutlicher auf die Nachfrageseite ausgewirkt: Wenn Unternehmen in Kurzarbeit seien, wie könnten Jugendliche von einer betrieblichen Ausbildung überzeugt werden, fragt Klaus Gräbener. Die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften des Frühlings motivierten nach IHK-Einschätzung zahlreiche Eltern, ihren Kindern eher zu einer schulischen Ausbildung oder einem Studium statt zu einem betrieblichen Ausbildungsplatz zu raten.

Angebote der Berufsorientierung fielen aus

Zumal auch viele Angebote der Berufsorientierung, von den Betriebspraktika bis hin zu Ausbildungsmessen, ausgefallen seien. Die Zahlen sind heftig, aber für den IHK-Hauptgeschäftsführer nur dann ein Drama, wenn dieser Stand in den kommenden drei, vier Jahren so bliebe. Ziel müsse sein, das gute Niveau von 2019 bald wieder zu erreichen. Klaus Gräbener erläutert: „Zuletzt zog in einigen Wirtschaftsbereichen die Konjunktur wieder an. Setzt sich dieser Trend fort, besteht berechtigte Hoffnung, dass sich 2021 auch der Lehrstellenmarkt kräftig erholt.“
Dass es immer mal Schwankungen gibt, merkt Ejot-Sprecher Andreas Wolf an. Das Unternehmen ist ja der größte Arbeitgeber im Altkreis und hatte im vergangenen Jahr – von einem hohen Level kommend – seine Ausbildungsplätze von 29 auf 22 reduziert. Andreas Wolf bestätigt, dass letztlich die sich eintrübende Konjunktur für diese Entscheidung verantwortlich gewesen sei. Da die Perspektiven weiter unsicher seien, werde Ejot auch 2021 auf dem Niveau von 2020 bleiben und vorerst nicht erhöhen.

Die Zahl der Ausbildungsverträge ist im vergangenen Jahr in Wittgenstein deutlich zurückgegangen. Das lag jedoch weniger an Corona und mehr an der sich schon 2019 eintrübenden Konjunktur (Archivbild).
Die Zahlen zeigen deutlich die alles andere als positive Entwicklung der Lehrstellen im gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein. Leider liegen die Wittgensteiner Kommunen weit hinten.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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