Unterschrift der Mutter auf Überweisungen gefälscht

jg Bad Berleburg. Bis 2007 verlief das Leben eines heute 39-jährigen Berleburgers eher unauffällig. Doch seitdem findet er sich regelmäßig vor Gericht wieder. Auch gestern. Erneut wurden ihm Betrügereien und versuchter Betrug inklusive des mehrfachen Fälschens der Unterschrift seiner Mutter auf 20 Überweisungen und drei Lastschriften vorgeworfen. Er hatte schon vor der Verhandlung gestern eine einjährige Bewährungsstrafe auf dem Kerbholz. „Das hab’ ich gemacht, weil ich mit den Finanzen nicht klarkam“, so die Erklärung des Angeklagten im Gericht.

Der gelernte und später arbeitslose Maurer versuchte über Jahre hinweg, den elterlichen Hof und damit die dazugehörende Landwirtschaft zu retten. Das empfinde er als seine „Lebensaufgabe“, so ein psychiatrisches Gutachten. Das attestierte dem einfach gestrickten Mann zwar keine psychiatrische Erkrankung, dennoch wurde dem 39-Jährigen jetzt ein Betreuer zur Seite gestellt. „Gott sei Dank“, freute er sich gestern im Gericht über dieses neue Hilfsangebot. Bleibt zu hoffen, dass er dieses auch wahrnimmt.

Bewährungshelfer Reinhard Vater erläuterte nämlich gestern im Gericht, dass der Angeklagte ihn noch nicht als Hilfsangebot anerkannt oder angenommen habe. Seine Einschätzung: Der Berleburger habe den Ernst seiner Lage noch nicht erfasst, Ende April müsse er endgültig aus seinem Elternhaus raus, das verkauft sei: „Er weiß, dass er es jetzt verlassen muss, aber er sperrt sich dagegen.“ Konkret waren es Überweisungen an die Berufsgenossenschaft, an die Genossenschaft, an Telekommunikations-Unternehmen und an Versicherungen, um die es ging. Er habe kein Geld gehabt, seine Mutter habe sich geweigert, die Überweisungen zu tätigen, sie habe ja auch nur wenig Rente bekommen.

Von den angeklagten 13 Taten beantragte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel die Einstellung der ersten neun, da diese zeitlich vor der letzten Verurteilung lagen. Übrigen blieben noch vier Taten, bei denen es sich durchgängig um versuchten Betrug handelte. Dafür forderte die Frau von der Staatsanwaltschaft eine 15-monatige Haftstrafe, die nach ihrem Dafürhalten auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Verteidiger Norbert Hartmann nahm in seinem Plädoyer seinen Mandanten zwar sehr kritisch unter die Lupe, kam aber dennoch zu der Einschätzung, dass die Gesamtstrafe schon mit einem Jahr angemessen sei. Zudem sah er auch noch Ansätze, um diese Freiheitsstrafe doch zur Bewährung auszusetzen: der neue Job, den er nach eigener Aussage in Aussicht habe, die Notwendigkeit aus dem Haus auszuziehen, der neue Betreuer.

Auch Richter Torsten Hoffmann wollte aus diesen Gründen optimistisch sein und sprach im Urteil zwar eine 15-monatige Freiheitsstrafe aus, die jedoch noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könne, wobei er die Bewährungszeit auf fünf Jahre und damit die höchstmögliche Frist festsetzte. Damit er das Gefühl einer Strafe bekommt, soll der 39-Jährige in den nächsten sechs Monaten 350 Stunden gemeinnützig arbeiten. Wenn er tatsächlich eine Arbeit finde, dann könne man die Bewährungsauflage umwandeln. Wobei der Richter den Angeklagten mahnte. Wenn er sich nochmal was zuschulden kommen lasse, sei es vorbei mit den Bewährungen. Es seien schon jetzt 27 Monate, die er dann wahrscheinlich verbüßen müsse - ohne die neue Strafe, die für eine neue Tat noch hinzukomme.

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