Urteil: „Es war kein einmaliger Ausrutscher“

jg Bad Berleburg. Wenn man trotz einer quittierten Rechnung in der Hand eine Mahnung bekommt, dann wundert man sich. Kunden einer Berleburger Auto-Werkstatt ging es genau so. Gestern saß im örtlichen Amtsgericht eine 42-jährige Wittgensteinerin, die sich als Urheberin solcher Vorkommnisse wegen Veruntreuung und Unterschlagung verantworten sollte.

Ohne Umschweife gab die alleinerziehende Mutter gestern Morgen die Taten zu. Ihr Ansatz für eine Erklärung des Ganzen: Sie habe Ende 2007 ein Haus gekauft, das habe zu finanziellen Problemen geführt. Außerdem habe sie vielfältige private Schwierigkeiten gehabt, so dass ihr Alles über den Kopf gewachsen sei. Heute könne sie das Ganze aber auch nicht mehr begreifen: „Im Nachhinein weiß ich auch nicht, was für ein Teufel mich geritten hat.“ Konkret sah es so aus, dass Kunden bei ihr Rechnungen bar bezahlten, sie die Rechnungen auch ordnungsgemäß quittierte, das Geld aber anschließend in die eigene Tasche steckte.

Bis Sommer 2008 summierten sich die Unterschlagungen auf gut 3100 Euro, inzwischen arbeitet die Frau längst nicht mehr bei der Berleburger Werkstatt, hat aber dennoch wieder einen Arbeitsplatz gefunden.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel forderte für die zehnfache Veruntreuung und Unterschlagung eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 40 Euro. Dabei hatte die Frau von der Staatsanwaltschaft in ihre Überlegungen miteinbezogen, dass es aufgrund der geständigen Einlassungen der Frau keiner umfangreichen Beweisaufnahme bedurfte. Die schwierige finanzielle Situation wollte sie hingegen nicht als strafmildernd ansehen, diese gebe es inzwischen bei vielen. In diesem Fall habe man sehr wohl auch eine sechsmonatige Freiheitsstrafe in Erwägung ziehen können, sie plädierte indes für die hohe Geldstrafe.

Auch Richter Torsten Hoffmann wies in seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass man über eine Freiheitsstrafe hätte nachdenken können. Dennoch fand er die beantragte Strafe angemessen, so muss die Frau 6000 Euro zahlen. Er unterstrich, welche Vertrauens-Position die Angeklagte ausgenutzt habe und dass es zudem mehrfach passiert sei: „Es war kein einmaliger Ausrutscher.“ Andererseits habe sie das Geld ja nicht für Urlaubsreisen auf den Kopf gehauen. Außerdem kam es gestern auf Initiative des Richters zu einem Gespräch zwischen dem Geschädigten und der Angeklagten, denn die muss auch noch den 3100-Euro-Schaden wiedergutmachen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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