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WSB-Präsident Rehberg im Interview
"Verein steht für Zusammenhalt"

Dieter Rehberg (r.) ist seit 2017 Präsident des Westfälischen Schützenbundes.
  • Dieter Rehberg (r.) ist seit 2017 Präsident des Westfälischen Schützenbundes.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Martin Völkel (Redakteur)

vö Berghausen. Normalerweise ist es nicht ganz einfach, den emsigen Präsidenten des Westfälischen Schützenbundes (WSB) zum Gespräch zu treffen, doch in Corona-Zeiten ist eben vieles anders. „Die Termine sind weniger als sonst“, sagt der 71-Jährige, der 25 Jahre lang Vorsitzender des Schützenvereins Berghausen war. Im SZ-Interview macht er deutlich, welche wichtige Arbeit Schützenvereine in der Gesellschaft leisten und warum die Vereine gut beraten sind, durchaus etwas offensiver in die Öffentlichkeitsarbeit einzusteigen. Und: Er gibt eine Antwort auf die Frage, warum er sich eine weitere Amtszeit als WSB-Präsident, der er seit Herbst 2017 ist, gut vorstellen kann.
Herr Rehberg, schmerzt es in diesen Tagen, dass es keine Veranstaltungen gibt, bei denen Sie normalerweise dabei sind?

Berghausen. Normalerweise ist es nicht ganz einfach, den emsigen Präsidenten des Westfälischen Schützenbundes (WSB) zum Gespräch zu treffen, doch in Corona-Zeiten ist eben vieles anders. „Die Termine sind weniger als sonst“, sagt der 71-Jährige, der 25 Jahre lang Vorsitzender des Schützenvereins Berghausen war. Im SZ-Interview macht er deutlich, welche wichtige Arbeit Schützenvereine in der Gesellschaft leisten und warum die Vereine gut beraten sind, durchaus etwas offensiver in die Öffentlichkeitsarbeit einzusteigen. Und: Er gibt eine Antwort auf die Frage, warum er sich eine weitere Amtszeit als WSB-Präsident, der er seit Herbst 2017 ist, gut vorstellen kann.
Herr Rehberg, schmerzt es in diesen Tagen, dass es keine Veranstaltungen gibt, bei denen Sie normalerweise dabei sind?
Als wir im März das gesellschaftliche Leben herunter gefahren haben, war das zunächst einmal wie Urlaub und ganz in Ordnung, mittlerweile fehlt mir aber etwas. Obwohl die Medaille ja auch eine andere Seite hat. Wir alle haben festgestellt, dass man auch im Homeoffice und mit Videokonferenzen arbeiten kann. Ich muss für den WSB oft nach Dortmund. Streng genommen spare ich mir vier Stunden pro Tag im Auto.
Wie ist das als WSB-Präsident mit einem Sommer ohne Schützenfeste?
In meiner Funktion bin ich nicht zwingend bei den Festen unterwegs. Die Termine verteilen sich auf das ganze Jahr. Beispielsweise richten 20 Landesverbände Schützentage aus. Beim größten Teil davon sind wir eingeladen – das fällt dieses Jahr flach. Seit Jahren arbeite ich in der Staatskanzlei an ehrenamtlichen Themen mit – auch hier geht derzeit nicht so viel.
Stichwort Schützentag. Der Westfälische Schützentag sollte dieses Jahr in Medebach im Sauerland stattfinden.
Wir hatten die Veranstaltung schon zu Beginn der Pandemie von Oktober auf November verschoben – und schließlich ganz abgesagt. Wir sind der Stadt und dem dortigen Schützenverein sehr dankbar, dass man einer Verlegung ins Jahr 2021 sofort zugestimmt hat.
Das zieht zwangsläufig die Frage nach sich, was das Präsidium mit der Mitgliederversammlung macht, in der auch Dieter Rehberg als Präsident zur Wahl stehen sollte.
Ja, es gibt Wahlen zum Präsidium und auch einige Satzungsänderungen. Das versuchen wir in einem so genannten Umlaufverfahren hinzubekommen. Das Problem ist folgendes: Von rund 800 Vereinen müssen über 400 teilnehmen, wir benötigen 50 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder. Man muss ständig hinterher sein, sonst wird es nicht funktionieren.
Nehmen wir mal an, es machen mehr als 50 Prozent der Vereine mit. Haben die die Chance, Dieter Rehberg erneut zum Präsidenten zu wählen?
Ja, auf jeden Fall. Ich möchte gerne noch drei Jahre weiter machen. Mir geht es gut und ich fühle mich noch fit. Die Arbeit macht mir Spaß, das treibt mich an.
Anderes Thema: Wie werden die Schützenvereine nach Ihrer Einschätzung aus der Corona-Krise herauskommen?
Da muss man sicherlich zwischen sportlicher Ausrichtung und Tradition unterscheiden. Der Sportbetrieb läuft seit vier Wochen wieder: Hier gibt es Sportschützen, die richtig heiß sind, anderen muss man erst mal etwas Luft geben. Was die Traditionsvereine angeht, rechnen wir schon mit einem gewissen Verlust an Mitgliedern. Die Vereine werden sich etwas einfallen lassen müssen.
Was ist das konkret?
Sie müssen vor allem sichtbar bleiben oder werden. Mir hat das sehr gut gefallen, was die Berleburger Schützen am Wochenende veranstaltet haben. Ähnliches soll ja am nächsten Wochenende auch in Berghausen passieren. Ich appelliere an die Menschen, das Dorf zu schmücken. Im Verein zu sein, bedeutet aus meiner Sicht auch, dabei zu sein. Die Vereine sollten zeigen, was sie für ihre Mitmenschen leisten können. Es geht um soziale Unterstützung im Alltag, das Miteinander der Gesellschaft. Verein steht für Zusammenhalt. Das Jahr des Schützenvereins besteht nicht nur aus Schützenfest.
Sollten sich Vereine – unter Wahrung der Tradition – auch erneuern?
Unbedingt. es ist wichtig, junge Menschen mit in die Verantwortung zu nehmen. Die sprechen eine ganz andere Sprache als ältere. Nehmen wir das Beispiel des Schützenvereins Berghausen: Dort ist ein sehr junger Vorstand am Werk, das war gut vorbereitet.
Gibt es auch Beispiele, wo dieser Umbruch nicht so funktioniert?
Einige, aber nicht in unserer Region. Das ist mehr ein Problem der Städte. Ich will es vorsichtig formulieren: Man muss auch bereit sein, sich von einem Amt zu trennen und Neues zuzulassen.
Welche gravierenden Fehler machen Sie als Präsident außerdem bei den Vereinen aus – sofern es diese gibt?
Man sollte sich nicht unter Wert verkaufen. Ein Jahresbeitrag von 18 Euro ist tödlich. Das entspricht nicht dem, was ein Verein leistet. Und das ist nicht selten.
Nochmal zu den Finanzen. Haben Sie im Zuge von Corona die Befürchtung, dass Vereine um Ihre Existenz kämpfen?
Ich kann dem Land NRW und dem Landessportbund nur ein großes Kompliment aussprechen, wie man den Vereinen unter die Arme greift. Das ist teilweise genial. Zumal die Hürden für eine Beantragung der Mittel wirklich flach sind. Auch über das Sonderprogramm der modernen Sportstätten werden Vereine profitieren.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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