Verschrottetes Auto kostet den Halter monatlich 98 E

Tragik: Seit einem Jahr liegt keine Bescheinigung vor

howe Bad Berleburg. Eine merkwürdige Geschichte kam jetzt bei einer Verhandlung im Bad Berleburger Amtsgericht ans Tageslicht: Ein defektes Auto wurde längst verschrottet. Trotzdem zahlt der Halter immer noch kräftig für die Versicherung. Der Grund: Bis dato konnte der Wagen nicht abgemeldet werden, weil der Nachweis der Verschrottung nicht vorlag. Zur Sache: Auf der Anklagebank musste sich ein 33-jähriger Mann verantworten, der im Dezember 2002 eben jenes Auto gekauft haben soll, obwohl er gewusst habe, »dass er weder Willens noch in der Lage war, das Auto zu bezahlen«, wie Staatsanwalt Wolfgang Nau formulierte. Monate zuvor habe der Beschuldigte vor dem Amtsgericht Dillenburg eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Somit liege ein Betrug vor.

Kaufpreis lag nur bei 300 E

»Ich habe das Auto gekauft, dann ist es kaputt gegangen. Ich habe dadurch die Arbeit verloren und konnte den Wagen nicht mehr bezahlen«, schilderte der 33-Jährige seine Geschichte. Er habe das Gefährt bezahlen wollen. Mit der Befragung des Verkäufers und Halters, eines 41-jährigen Bad Berleburgers, kristallisierte sich auch die ganze Tragik der Angelegenheit heraus. 300 e seien als Kaufpreis für den alten Kadett vereinbart gewesen. Der Angeklagte habe zugesichert, das Auto zu bezahlen und die Versicherung solange zu bedienen, bis der Wagen verschrottet und damit abgemeldet gewesen sei, erläuterte der Geschädigte. Der 33-Jährige habe ihm, so der Zeuge, weder die Abmeldung noch eine Ummeldung oder eine Verschrottungsbescheinigung zukommen lassen. 98 e zahle er jeden Monat für das Auto – der Wagen fahre auf 160 Prozent bei der Versicherung, verriet der Zeuge. Bis heute habe er insgesamt 1200 e für den inzwischen eingestampften Wagen bezahlt, im vorigen Jahr seien noch Steuern von 342 e fällig gewesen. »Pi mal Daumen haben Sie also mit dem Kaufpreis zusammen 1800 e in das nicht mehr fahrbereite Auto gesteckt«, rechnete Wolfgang Nau vor. Klein wie ein Mäuschen erklärte der Angeklagte, sein Schuldenberg sei inzwischen auf rund 30000 e angewachsen – alles Altlasten aus der Ehezeit. Er wolle den entstandenen Schaden aber wieder gutmachen. Schließlich habe er Arbeit.

Angeklagter soll 900 E in Raten zahlen

Während Wolfgang Nau noch mit dem Angebot, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen zögerte, bot Richter Torsten Hoffmann Entlastendes aus den Akten. Darin werde dem 33-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Den Überblick über die Organisation seiner Finanzen habe der Beschuldigte verloren. Wolfgang Nau drückte beide Augen zu und erklärte sich mit der Einstellung des Verfahrens nach §153a einverstanden, sofern binnen sechs Monaten 900 e in Raten gezahlt würden. Der Angeklagte willigte ein, Torsten Hoffmann verkündete den Beschluss und betonte: »Wenn eine Rate nicht kommt, sehen wir uns hier wieder.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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