Vorurteils-Abbauer im Einsatz

120 Zehnt- und Elftklässler des Berleburger Gymnasiums erlebten gestern Polnischen Tag

JG Bad Berleburg. »Do widzenia Sandra« – hieß es gestern im Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium. Für knapp 120 Schüler der Jahrgangsstufen Zehn und Elf gab es nämlich einen Polnischen Tag. Die Wittgensteiner gehörten als einzige im Kreisgebiet zu insgesamt 20nordrhein-westfälischen Schulen, die vom Polnischen Institut in Düsseldorf für die Teilnahme an »Näher an Polen – wir in NRW und Europa« ausgesucht worden waren. Die beiden Lehrer Claudia Knaup und Volker Schüttenhelm hatten den Projekt-Tag in Bad Berleburg vorbereitet.

Zwölfköpfiges Team kam zum Einsatz

Josef Herten vom Polnischen Institut war mit einem zwölfköpfigen Team von Studenten angereist, um den Deutschen von Polen zu erzählen, das uns nach dem fürs kommende Jahr angepeilten EU-Beitritt noch mal näher kommen wird – ein Zusammenrücken, das die Menschen auf beiden Seiten der Grenze noch nicht so richtig nachvollziehen wollen.

Woher rührt die stereotype Sicht?

Eine besondere Geheimwaffe in den Reihen der polnisch-deutschen Überzeugungstäter: Anna Chachurska. Josef Herten nannte die junge Frau »eine Vorurteils-Abbauerin der Superlative«. Die Studentin selbst war vor Jahren als elfjährige Spätaussiedlerin aus Schlesien nach Deutschland gekommen. Und tatsächlich sah sie sich im Begegnungscafé – jedenfalls wenn die JAG-Lehrer dort nicht Mäuschen spielten – mit den immer gleichen Vorurteilen von den klauenden Autoschiebern aus Polen konfrontiert. Geduldig dröselte sie mit den Teenagern auf, woher diese stereotype Sicht rührt.

Information als bestes Gegengift

Information war denn das Zauberwort der Veranstaltung, und da gab es einiges zu erfahren: Was haben Frederic Chopin, Marie Curie und die Mutter vom amerikanischen Rap-Terroristen Eminem gemeinsam? Sie sind alle Polen. Die Polen essen am liebsten Suppen und Fleisch, und wenn das in einer Teigtasche versteckt wird, heißt es Piroggen.

Sprachkurs brachte viel Spaß

Parallel zu den vier üblichen Unterrichtsstunden von der Zweiten bis einschließlich der Fünften, hatten die Zehnt- und Elftklässler die Möglichkeit, ihren eigenen Stundenplan zusammenzustellen. Großen Zulauf hatte, wie nicht anders zu erwarten, Aleksandra Blonska in ihrem Sprachkurs »Do widzenia Sandra – Guten Tag Sandra«. Sie konnte den Schülern erklären, dass Adam Malysz eigentlich Adam Mauisch heißt, denn das polnische durchgestrichene »l« wird wie ein englisches »w« ausgesprochen. Aleksandra Blonska – auch in ihrem Nachnamen wird das »l« normalerweise durchgestrichen – erklärte schwierige Ausspracheregeln in einer Sprache, die sich durch wenige Vokale und zahllose Zischlaute auszeichnet. Sie war sehr zufrieden mit den Berleburgern, die hätten gut mitgemacht und man habe viel Spaß miteinander gehabt.

Geringes Wissen über östliche Nachbarn

Auch Monika Paluch musste zwar zum einen konstatieren, dass es schade sei, wie wenig man in Deutschland über Polen wisse, doch bei den Allgemeinbildungs-Fragen zum Thema habe Berleburg schon besser abgeschnitten als die Städte zuvor. Sie sprach mit den Jugendlichen – kurz vor dem entscheidenden Referendum in Polen – über den EU-Beitritt Polens.

Superstar-Suche ist drüben ein alter Hut

Außer geschichtlichen Exkursen in die Zeiten von Kommunismus, Nationalsozialismus und polnischer Auswanderung ins Ruhrgebiet ging es auch immer wieder um die Kultur, um Filme, Fotografien und polnisches Disco-Dancing. Bei dem Juristen Marcin Skowron, der sich um polnische Musik von Klassik über Hip-Hop und Pop bis zur Volksmusik kümmerte, lernten die Schüler, dass die TV-Suche nach einem Superstar in Polen ein alter Hut ist. Das Fernseh-Format ist hier längst bekannt. Außerdem hörten sie eine polnische Version von einem Toten-Hosen-Lied und erfuhren, dass die polnische Band »O.N.A« genauso klingt wie Rammstein.

Margaux – die mit dem Chef tanzt

Um Musik ging es dann auch in der sechsten Stunde: die polnisch-deutsche Gruppe »Margaux und die Banditen« bot den Schülern Chansons. Doch obwohl Teenager eher nicht Zielgruppe dafür sind, waren die Jugendlichen schnell begeistert von den polnischen und deutschen Liedern. Und als Margaux dann noch Schulleiter Erwin Harbrink zu einer Rumba aufforderte, da bebte die Aula.

»Besser als unsere Volksmusik«

Genauso euphorisch auch die meisten Kommentare der Schüler. Die 16-jährige Anne hatte sowohl beim Tanzen als auch beim Sprachkurs viel Spaß und fand diesen Tag »toll«. Die gleichaltrige Simone bemängelte zwar, dass es kaum Informationen zur Bilderausstellung gegeben habe, die Diskussion über den EU-Beitritt sei jedoch spannend und gut gewesen. Und die 17-jährige Nadine nahm aus dem Ethno-Musik-Unterricht mit: »Die polnische Volksmusik ist besser als unsere.« Aber Musik muss ja nicht trennen, sondern hat auch immer etwas Verbindendes. Beim Eurovision Song Contest tritt für Polen die Band »Ich Troje« an. Und im Gegensatz zu Deutschland singen die Polen in sieben Wochen in Riga deutsch, ihr frommer Wunsch lautet: »Keine Grenzen«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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