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"Der größte in NRW"
Waffenfund aus der Eisenzeit sorgt für Begeisterung

Die eisenzeitlichen Waffen könnten aus Siegerländer Schmieden stammen.

vc Grafschaft. „Der Waffenhortfund ist der größte in NRW.“ Diese bedeutende Nachricht verkündete Prof. Dr. Michael Baales, Archäologe des Lippisch-Westfälischen Landschaftsverbandes (LWL), am Mittwoch im Schmallenberger Ortsteil Grafschaft. Zusammen mit der Stadt Schmallenberg präsentierte die LWL-Archäologie einen Fundkomplex, der in einem europäischen Zusammenhang steht. Fundort war der Wilzenberg, der als „Heiliger Berg des Sauerlandes“ gilt. „1950 sind die ersten Waffen aus der Eisenzeit hier oben gefunden worden. Wir sind immer davon ausgegangen, dass dies der Waffenhortfund vom Wilzenberg ist“, so Prof. Dr. Baales, der Leiter der Außenstelle in Olpe ist.

Die Fundstücke seien auch 2003 im Landesmuseum für Archäologie in Herne präsentiert worden.

vc Grafschaft. „Der Waffenhortfund ist der größte in NRW.“ Diese bedeutende Nachricht verkündete Prof. Dr. Michael Baales, Archäologe des Lippisch-Westfälischen Landschaftsverbandes (LWL), am Mittwoch im Schmallenberger Ortsteil Grafschaft. Zusammen mit der Stadt Schmallenberg präsentierte die LWL-Archäologie einen Fundkomplex, der in einem europäischen Zusammenhang steht. Fundort war der Wilzenberg, der als „Heiliger Berg des Sauerlandes“ gilt. „1950 sind die ersten Waffen aus der Eisenzeit hier oben gefunden worden. Wir sind immer davon ausgegangen, dass dies der Waffenhortfund vom Wilzenberg ist“, so Prof. Dr. Baales, der Leiter der Außenstelle in Olpe ist.

Die Fundstücke seien auch 2003 im Landesmuseum für Archäologie in Herne präsentiert worden. Die Archäologen hatten es aber nicht für möglich gehalten, dass im Bereich der 2300 Jahre alten Wallburg oberhalb von Grafschaft noch viel mehr in der Erde lag. „Wir sprechen hier von der Ausrüstung für 30 bis 40 Krieger. Ob alle Funde nach einer Schlacht oder ob sie nach und nach über die Jahrhunderte den Weg zum Wilzenberg fanden, können wir nicht mehr sagen“, so Archäologe Dr. Manuel Zeiler. Lanzen- und Speerspitzen, einige Schildbuckel und Reste von besonderen „Pferdetrensen“ wurden – inzwischen gut konserviert von den Experten des LWL – am Wilzenberg ausgebreitet.

"Einfach auf dem Erdreich abgelegt"

Die Speerspitzen stumpf, die Klingen verbogen: Die Sieger machten die Waffen unbrauchbar und legten diese einfach an die Fundstelle. „Vielleicht standen von der Wallburg nur noch Ruinen und der Fundort hat sich als heiliger Ort eingeprägt. Die Waffen wurden einfach auf dem Erdreich abgelegt“, berichtete Zeiler. So zerstörten die Sieger die Ausrüstung der unterlegenen Gegner in einem Ritual. Die Metallgegenstände wurden dann lange Zeit nicht angerührt.

Auf dem heiligen Grund versanken die Gegenstände nach und nach im Erdreich. Ein besonderes Augenmerk warfen die Archäologen auf die erwähnten Pferdetrensen. „Dieses Zaumzeug ist für die Pferde äußerst unangenehm, ermöglicht aber exakte und schnelle Manöver“, betonte Dr. Manuel Zeiler. Die LWL-Archäologen hielten es sogar für möglich, dass diese „Trensenart“ bei Pferden verwendet wurde, die Streitwagen zogen.

Ein Ort ritueller Handlungen

Der Wilzenberg war im gezeigten Fundzusammenhang Ort ritueller Handlungen. Dass die Waffen von einer Schlacht am Wilzenberg stammen, verneinten die Archäologen. Die Gefechte, bei denen die Fundstücke erbeutet wurden, fanden wohl lediglich in der Nähe der ehemaligen Wallburg statt.

„Besonders in den letzten Jahrhunderten vor Christus wurden im Raum zwischen Frankreich im Westen und der Slowakei im Osten immer wieder derartige Waffendepots gefunden“, teilten die Archäologen in ihrem Bericht mit. Dr. Manuel Zeiler: „Es ist wie auf der Wallburg bei Aue. Hier wurden auch Speer- und Lanzenspitzen sowie ein Nagel eines Schildbuckels gefunden – aber das hier ist viel größer.“

Die Wallburg auf dem Wilzenberg sei ein eisenzeitlicher „Hotspot“ mit einer Stein-Holz-Erde-Mauer gewesen. Dr. Manuel Zeiler war nicht sicher, wo die Eisenfunde produziert wurden. Es habe für die Funde aus den 1950er Jahren eine Isotop-Bestimmung gegeben, die aber nicht exakt sei. „Ich halte es für möglich, dass die Waffen im Siegerland gefertigt wurden. Im Sauerland haben wir bisher keine Produktionsstätten gefunden.“

Finder hält sich im Hintergrund

Derjenige, der die Funde gemacht hatte, hielt sich bei der Präsentation im Hintergrund. „Diese Funde der letzten Jahre verdanken wir einer Person. Matthias Dickhaus, der in den letzten Jahren 1200 Stunden unterwegs war – und das ehrenamtlich“, betonte Prof. Dr. Michael Baales. Der Heimatforscher ging den Berg von 2018 bis 2020 mit seiner Metallsonde ab – immer im Auftrag der LWL-Archäologie für Westfalen und mit der Genehmigung des Hochsauerlandkreises. „Ich habe auch Münzen, Kronkorken und körbeweise Granat- und Bombensplitter gefunden“, berichtete der Sauerländer. Aber das er so einen Fund machen würde, hätte er nie gedacht.

Professor Baales bezeichnete die vielen anderen Metallfunde am Wilzenberg als Glücksfall, die verhindert hätten, dass andere illegale Metallsonden-Gänger erfolgreich gewesen seien. Interessant sei, dass es vor allem Eisenfunde waren. „Es gibt ganz wenige Buntmetallfunde, wie etwas Bronze als Schmuck. Dabei waren in den letzten Jahrzehnten vermutlich Leute mit Sonden unterwegs, die das nicht durften.“

Die Bedeutung der archäologischen Funde für seine Stadt schätzte der Bürgermeister der Stadt Schmallenberg, Burkhard König, sehr hoch ein: „Der Wilzenberg mit seiner langen bewegten Historie ist aus der Entwicklung der Stadt Schmallenberg nicht wegzudenken. Neben vielen sichtbaren, aber auch vielen im verborgenen Artefakten unterstreicht der Waffenfund erneut seine Bedeutung.“ Er bedankte sich bei Matthias Dickhaus und dem LWL für ihre Mühen. Die LWL-Archäologen machten der Stadt Schmallenberg Hoffnung, dass die Fundstücke im kommenden Jahr ihren Weg – zeitlich begrenzt - nach Schmallenberg finden würden.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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