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Wertschätzung ist überlebenswichtig
Warum der Lockdown zur psychischen Belastung werden kann

Die sogenannte zweite Welle sowie die erneuten massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens können für die Psyche zur großen Belastung werden.
  • Die sogenannte zweite Welle sowie die erneuten massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens können für die Psyche zur großen Belastung werden.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ako Bad Berleburg. Der erste Corona-Lockdown löste bei vielen Menschen Stress, Ängste und Unsicherheiten aus – und schon jetzt ist klar: Je länger die Pandemie andauert, desto mehr rücken die seelischen Folgen für Mediziner in den Fokus. Denn die sogenannte zweite Welle sowie die erneuten massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens können für die Psyche zur großen Belastung werden.
Facharzt rät zu mehr AchtsamkeitDie Folge: Eine Zunahme an depressiven Verstimmungen. Davor warnt auch Rüdiger Saßmannshausen. Der Facharzt für Psychiatrie in Bad Berleburg hat schon nach dem ersten Stillstand des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens eine erhöhte Anzahl an Fällen festgestellt – und rät deshalb zu mehr Achtsamkeit. „Der Sommer ist für Psychiater eigentliche eine ruhige Zeit.

ako Bad Berleburg. Der erste Corona-Lockdown löste bei vielen Menschen Stress, Ängste und Unsicherheiten aus – und schon jetzt ist klar: Je länger die Pandemie andauert, desto mehr rücken die seelischen Folgen für Mediziner in den Fokus. Denn die sogenannte zweite Welle sowie die erneuten massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens können für die Psyche zur großen Belastung werden.

Facharzt rät zu mehr Achtsamkeit

Die Folge: Eine Zunahme an depressiven Verstimmungen. Davor warnt auch Rüdiger Saßmannshausen. Der Facharzt für Psychiatrie in Bad Berleburg hat schon nach dem ersten Stillstand des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens eine erhöhte Anzahl an Fällen festgestellt – und rät deshalb zu mehr Achtsamkeit. „Der Sommer ist für Psychiater eigentliche eine ruhige Zeit. Doch wir hatten 10 bis 15 Prozent mehr Patienten mit Depressionen als sonst. Das sind ganz klar die Folgen des ersten Lockdowns“, erklärte Rüdiger Saßmannshausen. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung machte der Facharzt für Psychiatrie jedoch darauf aufmerksam, dass die Pandemie nicht die Ursache, sondern lediglich der Auslöser von Depressionen sei. So können durch Corona hervorgerufene Probleme wie beispielsweise die Angst vor einer möglichen Ansteckung, finanzielle Engpässe, Einschränkungen sozialer Kontakte oder die Sorge um die eigene Gesundheit und die von Familie und Freunden die psychische Gesundheit von Menschen beeinträchtigen.

Angst vor Einsamkeit

„Wegen der Pandemie wird zum Beispiel die Angst vor Einsamkeit durch soziale Isolation gefördert.“ Auf die an Depressionen erkrankten Senioren kämen in der Corona-Krise außerdem besondere Belastungen zu. Weil sie aufgrund ihres hohen Alters und eventuellen Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, hätten ältere Menschen stark mit Ängsten zu kämpfen: „Um sich nicht anzustecken, müssen sie noch mehr als andere auf persönliche Kontakte verzichten“, betonte Rüdiger Saßmannshausen. Die Gründe für eine Altersdepressionen seien etwa traumatische Erlebnisse in früheren Zeiten – „ein 95-Jähriger hat noch das Dritte Reich mitbekommen“ –, eine Stigmatisierung innerhalb der Gesellschaft oder auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten, die psychische Leiden bedingen können.

Die "dunkle Jahreszeit" steht bevor

Allerdings können sich die Ursachen auch mischen und sind bei jedem Patienten individuell verschieden: „Depression ist nicht gleich Depression. Bei jedem Menschen ist die Mischung eine andere“, betonte der Facharzt für Psychiatrie. Dennoch seien ältere Menschen, deren Partner schon verstorben ist, kinderlose Männer, Mütter mit nur seltenem Kontakt zu ihren Kindern oder auch Senioren, die aufgrund von körperlichen Behinderungen, Krankheiten oder ungünstigen Wohnsituationen Einschränkungen in ihrer Mobilität hinnehmen müssen, besonders anfällig für Depressionen: „Ältere Menschen, die mit ihrem Partner leben, leiden mit Abstand am wenigsten unter Depressionen“, sagte Rüdiger Saßmannshausen, der gleichzeitig davor warnte, dass „uns“ der Winter – „die dunkle Jahreszeit“ – erst bevorstehe: „Die Pandemie wird uns noch länger begleiten. Mir gruselt es schon vor dem Winter. Dann nimmt das wieder Anlauf.“

Aufeinander achten

Deshalb appellierte der Facharzt daran, in Coronazeiten noch mehr aufeinander zu achten: „Habe ich meinen älteren Nachbarn lange nicht mehr gesehen? Kümmert sich die Nachbarin auf einmal nicht mehr um das Blumenbeet?“ Denn nur durch erhöhte Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Kommunikation könne man erkennen, ob ein Mensch unter Depressionen leidet. Als Warnzeichen nannte der Mediziner unter anderem zunehmendes Klagen über körperliche Beschwerden, Vernachlässigung von Mahlzeiten, erhöhter Konsum von Alkohol oder Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie sozialer Rückzug.
Weil persönliche Treffen derzeit kaum oder nur eingeschränkt möglich sind, machte Rüdiger Saßmannshausen deshalb auf andere Kommunikationswege wie das Telefon, Whatsapp oder Skype aufmerksam und appellierte an Familien und Freunde, die ältere Angehörige haben: „Haltet den Kontakt.“ Für Senioren sei es nämlich „überlebenswichtig“, Wertschätzung zu erfahren: „Man kann telefonieren, einen Blumengruß oder eine Postkarte schicken. Wichtig ist ein Lebenszeichen.“

Autor:

Alexander Kollek

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