»Was ist eigentlich an der Tankstelle so verlockend?«

Prügelei in Bad Laasphe: Gestern gab es Freizeitarreste

Bad Berleburg. Berechtigte Frage von Richter Torsten Hoffmann: »Was ist eigentlich an der Tankstelle so verlockend?« Hochspannende Antwort des Angeklagten: »Der einzige beleuchtete Parkplatz am Wochenende.« Man habe etwas Bier und Wodka trinken wollen. Der Berleburger Strafrichter versuchte in der gestrigen Verhandlung im Sitzungssaal des Amtsgerichtes zu ergründen, wie es in einer März-Nacht 2006 eigentlich zu der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung auf dem Gelände der Laaspher Tankstelle kommen konnte.

Fünf junge Männer aus Laasphe, deren ursprüngliches Heimatland allerdings Kasachstan heißt, sollten gestern eigentlich auf der Anklagebank Platz nehmen. Gekommen waren drei, einer saß noch einen Arrest in Remscheid ab, der letzte fehlte unentschuldigt. Dem verbliebenen Trio – 19 und 21 Jahre alt – warf Staatsanwalt Wolfgang Nau vor, in der Nacht vom 19. März 2006 auf drei Personen eingeprügelt zu haben – ohne ersichtlichen Grund. Dabei sei unter anderem einem Mann ein Zahn ausgeschlagen worden.

Der Schlägerei seien Beleidigungen vorausgegangen, erklärte ein 19-jähriger Angeklagter. Zunächst habe es einen verbalen Schlagabtausch gegeben, später seien dann die Fäuste geflogen. Ob man an diesem Abend auf Ärger aus gewesen sei, wollte Richter Torsten Hoffmann von einem gleichaltrigen Mitangeklagten wissen. »Nein.« Der dritte im Bunde, ein 21-jähriger Arbeitsloser, betonte, dass er nicht in die Prügelei verwickelt gewesen sei, »ich wollte schlichten«. Die drei Betroffenen – ein 20-jähriger Auszubildender aus Bad Berleburg, ein gleichaltriger Student aus Schmallenberg und ein 21-jähriger Soldat aus einem Berleburger Stadtteil – bestätigten mit ihren Aussagen die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Sie seien von einer Geburtstagsfeier in Herbertshausen gekommen und hätten noch tanken müssen. An Provokationen könne er sich nicht erinnern, sagte der 21-jährige, plötzlich sei eine Gruppe von Leuten auf sie zu gekommen und habe die Schlägerei ausgelöst. Direkt bei dem ersten Schlag sei sein Zahn abgebrochen.

Für Staatsanwalt Wolfgang Nau stand fest, »dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat wie angeklagt«. An Provokationen, wie von den Angeklagten geschildert, glaube er nicht, »die Geschädigten hätten ja lebensmüde sein müssen, eine große Gruppe von Leuten so zu provozieren«. Nau forderte – auf der Basis von Jugendstrafrecht – für einen der 19-Jährigen zwei Freizeitarreste und 500 e Geldstrafe, für den gleichaltrigen Mittäter zwei Freizeitarreste und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der 21-jährige Mitangeklagte, der sich als Schlichter dargestellt hatte, sei mit einem Freizeitarrest und 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen.

Torsten Hoffmann verurteilte die beiden 19-Jährigen zu jeweils einem Freizeitarrest sowie 500 e Geldstrafe bzw. 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der 21-Jährige muss 60 Stunden gemeinnützig arbeiten. Der Richter stufte das Geschehen als »jugendtypische Taten« ein. Die Bestrafung sei ein Schuss vor den Bug. Selbst wenn es Provokationen gegeben habe, rechtfertige dies nicht die an den Tag gelegte körperliche Gewalt.

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