Was tun, wenn sich ein neuer Grippe-Virus verbreitet?

Info-Gespräch in der Kur-Apotheke stimmte nachdenklich

vg Bad Berleburg. »Es geht hier nicht um Panikmache«, sagte Karsten Wolter, »wir möchten die Bevölkerung einfach nur informieren.« Und doch hatte es die Informationsveranstaltung, zu der der stellvertretende Kreisvertrauensapotheker und Leiter der Bad Berleburger Kur-Apotheke gestern zeitgleich mit seinen Kollegen aus Siegen eingeladen hatte, in sich: »Die nächste Grippe-Pandemie kommt«, sagte er, »es ist nur noch die Frage, wann sie kommt.« Pandemie bedeute eine weltweite Ausbreitung eines neuen Grippe-Virus' – im Gegensatz zur Epidemie, die örtlich begrenzt sei. »Die letzten Pandemien hatten wir 1918, 1957 und 1968 - mit Opferzahlen in Millionen-Höhe«, so Karsten Wolter. Nach Expertenmeinung sei der Ausbruch einer weiteren »großen« Grippewelle längst überfällig.

»Wir sprechen hier aber nicht von dem normalen menschlichen Grippe-Erreger, sondern von einem ganz neuen Virus«, fügte Andreas Hitzegrad, Apotheker für Klinische Pharmazie, hinzu. Für den Fall, dass sich möglicherweise aus dem bekannten H5N1 und dem menschlichen Grippevirus ein neues Grippevirus entwickelt, das dann eine Pandemie herbeiführen kann, bereiten sich die Apotheken derzeit bundesweit vor.

Anfang 2005 legte das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung den nationalen Influenza-Plan vor, der aufzeigt, welche Maßnahmen im Falle einer Pandemie eingeleitet werden müssen. »Wir sind also ausreichend vorbereitet«, so Karsten Wolter. Komme es schließlich zur Pandemie, werde der antivirale Wirkstoff, der derzeit an geheimen Stellen gelagert wird, den Apotheken umgehend zugeliefert. »Die Apotheken stellen dann den Arzneistoff mit diesem Wirkstoff augenblicklich selbst her.«

Man gehe davon aus, dass im Pandemiefall etwa 30 Prozent der Bevölkerung erkranken werden, so Andreas Hitzegrad. Es sei jedoch bereits abzusehen, dass man nur für die Erkrankten die notwendigen Arzneimittel zur Verfügung stellen könne,–»eine Vorbeugung der Grippe ist aus finanziellen Gründen einfach nicht möglich«. Trete die Pandemie auf, werde man umgehend den Virus isolieren und sich um die Herstellung eines Impfstoffes bemühen. Die Vorlaufzeit, bis jedoch ein adäquater Impfschutz in der Bevölkerung aufgebaut sei, betrage unter optimalen Voraussetzungen mindestens drei Monate.

Eine »normale« Grippeimpfung im Voraus könne die »Schwere« einer Pandemie möglicherweise herabmindern, so Karsten Wolter, »deshalb sagen wir den Leuten: Lasst euch jetzt gegen Grippe impfen.« Eine Impfung gegen die »normale« in jedem Herbst wiederkehrende Influenza verhindere, dass man sich gleichzeitig mit menschlichen Grippeviren und dem Vogelgrippe-Virus anstecke und auf diese Weise das gefürchtete neue Pandemie-Virus entstehe. »Man kann also etwas tun«, so Karsten Wolter abschließend.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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