Wasserwaage auf den Kopf: Laaspherin aus dem Lot

Fünf Monate auf Bewährung für zweifache Körperverletzung

JG Bad Berleburg. »Wollen sie unbedingt in den Knast?«, fragte gestern morgen Staatsanwalt Wolfgang Nau im Berleburger Amtsgericht. »Nein, da lege ich keinen Wert drauf!«, war die höfliche, aber bestimmte Antwort des Angeklagten. Und der wusste, wovon er sprach – denn das Gefängnis kennt er aus Erfahrung, der 54-Jährige aus der Laaspher Stockwiese.

Seit 1968 wird am Kerbholz geschnitzt

Seit dem ersten Eintrag 1968 hat sich einiges in seinem Sündenregister angesammelt. »Wir können das kaum erörtern«, blätterte Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek fassungslos in der Akte. Die Bandbreite der Einträge war dabei beeindruckend: Diebstahl, gemeinschaftlich oder allein, Trunkenheit, Ausweislosigkeit, Hausfriedensbruch, Betrug, fahrlässige Brandstiftung, Beleidigung, auch gern von Polizeibeamten. Und diesmal: Körperverletzung. Für zwei Übergriffe aus dieser Sparte musste sich der gelernte Maurer, der nach eigenen Angaben vor »zwölf Jahren oder so« zum letzten Mal gearbeitet hatte, gestern vorm Berleburger Amtsgericht verantworten. Opfer beide Male: seine damalige Nachbarin.

Nachbarin trug eine Platzwunde davon

Wolfgang Nau warf dem Laaspher vor, im April seiner Nachbarin eine Wasserwaage auf den Kopf gehauen zu haben, Resultat: eine Platzwunde. Im August sollte er der Frau dann abends um halb Neun eine mit der flachen Hand gelangt haben. Obwohl der Angeklagte, der gestern von einem Wachtmeister zuhause abgeholt worden war, bei seinem Auftritt klar machte, was jahrelange Alkoholsucht mit einem Menschen macht, konnte er sich an die Vorfälle sehr wohl erinnern.

»Da hab ich ihr eine geschossen«

Im April habe er sich nur gewehrt. Die Frau sei schließlich mit einem Messer und deren etwa zwölfjähriger Sohn mit einem Stock auf ihn los gegangen. Da habe er sich umgedreht und die Wasserwaage aus dem Duschbecken gefischt und der Frau damit aus Notwehr auf den Kopf gehauen. Zur Beschreibung der Waffe der Frau führte er aus: »Schlachtmesser kann man nicht sagen, vielleicht ein Brotmesser.« An die Sache im August erinnerte er sich folgendermaßen, die Frau habe ihn zunächst am Arm gefasst: »Da habe ich mich losgerissen und hab ihr eine geschossen.« Der Vergleich des Angeklagten dazu: »Das ist, wie einem Kind eine kleine Ohrfeige geben.« Er fand ohnehin, ganz großzügig mit sich selbst: »Das sind doch alles Kleinigkeiten.«

Geschädigte war hin und her gerissen

Jede Menge Kleinigkeiten, die – wenn man den Einsatzprotokollen der Polizei lauschte – dafür sorgen, dass die Beamten mindestens wöchentlich mit dem Laaspher zu tun haben. »Die sind im Dauereinsatz wegen des Angeklagten«, so Hans-Jürgen Niediek. Andererseits hatte die Polizei in Bezug auf die gestern angeklagten Nachbarschafts-Handgreiflichkeiten deutliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau geäußert. Auch vor Gericht war die 47-Jährige gestern hin und her gerissen zwischen Vorwurf und Vorsorge. Der Angeklagter sei ein »guter Nachbar«, wenn er nicht getrunken habe, und ein »armer Mann« ganz allgemein.

Warnung vor dem Knast: zu zerbrechlich

Weil die Frau inzwischen nicht mehr Nachbarin des Laasphers ist, sahen Richter und Staatsanwalt das Ganze nicht mehr so dramatisch. Doch eine Freiheitsstrafe musste es schon sein. Fünf Monate auf Bewährung kamen dabei für den Laaspher raus, der in einer anderen Sache noch eine dreimonatige Bewährungsstrafe laufen hat. Mit Engelszungen redete Hans-Jürgen Niediek auf ihn ein, damit sich der 54-Jährige seine prekäre Situation klar machte: »Das Gefängnis ist nichts für sie, sie sind zu zerbrechlich dafür.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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