SZ

Bio-Gärtnerei in Beddelhausen kommt ohne Chemie aus
Weltretter mit dem grünen Daumen

In der Bio-Gärtnerei von Justine Rosinski und Fabian Göttling in Beddelhausen wird Gemüse – ohne Chemieeinsatz – von „A“ wie Aubergine bis „Z“ wie Zwiebel angebaut.
  • In der Bio-Gärtnerei von Justine Rosinski und Fabian Göttling in Beddelhausen wird Gemüse – ohne Chemieeinsatz – von „A“ wie Aubergine bis „Z“ wie Zwiebel angebaut.
  • Foto: Alexander Kollek
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ako Beddelhausen. Durch die Pandemie sind Themen wie z. B. Klimaschutz aus dem Fokus geraten und in den Hintergrund gedrängt worden. Die SZ hat daher eine Interview-Reihe gestartet, in der die Themen Klimaschutz und Ressourcenverbrauch beleuchtet werden. Wir stellen Menschen aus Wittgenstein vor, die sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen. Nachdem zuletzt die Meeresbiologin Dr. Sophie Steinhagen im Mittelpunkt stand, folgen mit Justine Rosinski und Fabian Göttling die Inhaber der Bio-Gärtnerei am Leisebach in Beddelhausen, die beim Gemüseanbau auf den Einsatz von Chemikalien verzichten und in ihrer gesamten Lebensführung auf Nachhaltigkeit setzen.

ako Beddelhausen. Durch die Pandemie sind Themen wie z. B. Klimaschutz aus dem Fokus geraten und in den Hintergrund gedrängt worden. Die SZ hat daher eine Interview-Reihe gestartet, in der die Themen Klimaschutz und Ressourcenverbrauch beleuchtet werden. Wir stellen Menschen aus Wittgenstein vor, die sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen. Nachdem zuletzt die Meeresbiologin Dr. Sophie Steinhagen im Mittelpunkt stand, folgen mit Justine Rosinski und Fabian Göttling die Inhaber der Bio-Gärtnerei am Leisebach in Beddelhausen, die beim Gemüseanbau auf den Einsatz von Chemikalien verzichten und in ihrer gesamten Lebensführung auf Nachhaltigkeit setzen. Warum sich die 34-Jährige und der 36-Jährige gegen die konventionelle Landwirtschaft entschieden haben und welchen Traum sie auf ihrem Land verfolgen, erklären sie im SZ-Interview.
Frau Rosinski, Herr Göttling, Sie beide betreiben eine Bio-Gärtnerei. Was ist der Unterschied zum konventionellen Anbau?
Rosinski: Einfach gesagt, wir benutzen keine chemischen Düngemittel, keine Pestizide, keine Fungizide. Wir versuchen, den eigenen Kreislauf zu nähren und zu schließen – und auch mit dem eigenen Mist der Tiere zu düngen. Ich baue z. B. die Kartoffeln an, die ich habe, und bestelle dafür kein neues Pflanzgut.
Warum haben Sie sich für die biologische und nicht für die konventionelle Methode entschieden?
Rosinski: Ich war im Waldorfkindergarten und auf der Waldorfschule. Ich bin ziemlich biologisch groß geworden und aus ethischen und moralischen Gründe habe ich mich dazu entschieden.
Göttling: Also ich gehe da noch weiter mit der Permakultur. In der konventionellen Landwirtschaft wird leider kein Humusaufbau betrieben und das ist teilweise auch in der biologischen Landwirtschaft schwierig. Wie schafft man es Nahrung herzustellen und dabei die Böden aufzubauen und Humus zu bilden? Das ist das „A und O“.

Teich gegen die Erderwärmung

War das von Anfang an Ihr Wunsch, Gemüsepflanzen anzubauen?
Rosinski: Ja, das war schon immer mein Wunsch. Ich wollte immer Landwirtin werden. Das mit dem Gärtnern kam dann natürlich noch hinzu. Das war mein Kindheitstraum.
In Zeiten der Erderwärmung befinden sich die Landwirtschafts- und Agrarbetriebe im Wandel. Welche Auswirkungen hat das konkret für Ihren Betrieb?
Göttling: Ich hoffe, dass es leicht wird, einen großen Teich als Sammelbecken und ein Bewässerungsgraben anlegen zu dürfen. Permakulturisten haben immer wieder gezeigt, dass das ein effizienter Weg ist, um selbst Wüsten wiederzubeleben. Dafür braucht es Wasser, Humus, Biomasse und ein Sammelbecken. Und dann kann man selbst in trockenen Gegenden wie Portugal – da gibt es das Tamera und andere Modellprojekte – aus sehr öden, ausgedörrtem Land wieder fruchtbares Leben schaffen. Hierbei ist Sepp Holzer Vorreiter. Der hat das auf der Alm entwickelt. Er ist weltweit unterwegs und rettet die Welt, indem er riesige Seen und Sammelbecken anlegt. Dadurch trocknet die Gegend nicht aus. Es entstehen wieder Pflanzen, Bäume, Gras.
Herr Göttling, Sie möchten hier auch einen großen Teich anlegen?
Göttling: Ja, um für unser Gelände ein Klima zu erschaffen. Und das kann man mit einem Tümpel auf seinen Agrarflächen schaffen. Und das wird immer unterschätzt. Das heißt nämlich auch, den Mut zu haben, Obst- und Gemüseanbau zu kombinieren – weil dadurch mehr Schatten entsteht und mehr Biomasse anfällt. Und man mehr Feuchtigkeit speichern kann.

Mikroklima im Gewächshaus

Wir hatten drei Dürrejahre in Folge. Die jährliche Niederschlagsmenge sinkt. Bauen Sie künftig auch ganz neue und exotische Obst- und Gemüsearten an?
Göttling: Das ist für mich nicht vom Wetter abhängig. Ich kann durch Permakulturdesign ein Mikroklima erschaffen – und das werden wir in unseren Gewächshäusern auch tun. Aber es kann sein, dass es hier in 30 Jahren z. B. Feigen geben wird. Aber solange der Winter längere Minustemperaturen hat, ist man auf Gewächshäuser angewiesen. Orangen- oder Zitronenbäume, das sind mehrjährige Geschichten, und die müssen eben den Winter überleben. Es kann sich natürlich so entwickeln, dass man milde Winter hat und dass man mehr mediterrane Pflanzen anbauen kann.
Ihre Gärtnerei ist laut dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe die einzige Anlaufstelle in Wittgenstein für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Wie kam es dazu?
Rosinski: Wir hatten immer Praktikanten. Und ich fand das mit dem Freiwilligen gut. Ich hatte auch über das Freiwillige Soziale Jahr nachgedacht, also das noch zu integrieren. Ich biete gerne Menschen die Möglichkeit, hierherzukommen und gegen Mitarbeit mit zu lernen. Und so kamen wir auf das FÖJ. Wir wollen jungen Menschen die Möglichkeit geben, hier reinzugucken und zu sagen: „Hey, das ist was für mich. Das will ich ausweiten.“ Wenn ein junger Mensch was mit Gartenbau und Landwirtschaft sucht, kann er hierhin kommen.

Leben ohne Knopfdruck

Welche Voraussetzungen braucht man für die Arbeit – einen grünen Daumen?
Rosinski: Man braucht Interesse, Kraft und Ausdauer. Und den Fokus auf das Wesentliche. Denn was mich so beunruhigt, ist die Jugend nur noch permanent mit dem Handy, dem Tablet und digitalen Medien zu sehen. Und das ist tatsächlich in der jüngsten Vergangenheit auch immer wieder zum Problem geworden. Dass die Praktikanten gar nicht in der Lage waren, die Arbeit ohne ihr Handy zu verrichten. Mir persönlich ist es auch ein ganz dringendes Anliegen, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, was das wirkliche Leben bedeutet und wie das so funktioniert – ohne Knopfdruck.
Wie wichtig ist Ihnen im Alltag ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen?
Rosinski: Absolut wichtig, das ist unser Lebensinhalt. Das leben wir. Denn was wir brauchen, machen wir halt selber. Egal ob wir stricken, filzen, bauen, werkeln, recyclen – so kann man viele Sachen schaffen.
Würden Sie sich als „Ökos“ bezeichnen?
Rosinski: Ja, aber der Begriff ist so abgedroschen. Eigentlich sind wir ganz normal. Wir sind nicht dogmatisch, aber lebendig.
Göttling: Es geht um so viel mehr. In dem Begriff steckt die Entfremdung schon mit drin. Es geht um den Bezug zum Leben. zum Menschen, zur Pflanze, zum Tier, zur Natur. Wenn ich mich als etwas bezeichnen würde, dann als Freidenker.
Welchen Beitrag leisten Sie im Alltag für die Umwelt?
Göttling: Womit man viel erreichen kann, ist minimaler Fleischkonsum. Wir sind keine Veganer. Aber wenn die Menschheit ihren Fleischkonsum auf 20 Prozent reduzieren würde, dann hätten wir 80 Prozent der Umweltprobleme gelöst.

Neue Projekte geplant Die Gärtnerei am Leisebach in Beddelhausen gibt es bereits seit über 40 Jahren, genauer gesagt seit 1980. Der Betrieb, der im Ederbergland liegt, war von Beginn an Demeter-zertifiziert. Demeter steht für Öko-Landbau mit strengen Vorgaben. Im Jahr 2018 entschied sich Justine Rosinski, gelernte Landwirtin und Gärtnerin, aber dazu, den Betrieb aus Kostengründen auf Bio-Anbau umzustellen. Sie und ihr Partner Fabian Göttling bauen auf dem sieben Hektar umfassenden Land zahlreiche verschiedene Gemüsearten an. Der Anbau erfolgt nach biologisch-dynamischen Richtlinien, auf den Einsatz von Chemikalien wird verzichtet. Zur Gärtnerei gehören zwei große Gewächshäuser und drei Folientunnel. Die Erzeugnisse und Produkte werden vor Ort im eigenen Hofladen verkauft. „Es herrscht Selbstbedienung. Jeder ist willkommen“, betonte Justine Rosinski im Gespräch mit der SZ. Wenn die Verkaufssaison wieder losgeht, beliefert die Bio-Gärtnerei auch die Bio-Läden in Bad Berleburg und Frankenberg (Eder). Fabian Göttling will das Angebot der Gärtnerei künftig erweitern. Er plant unter anderem einen Waldkindergarten und möchte den Gartenbau um den Schwerpunkt Permakulturen und die damit einhergehende Diversität erweitern.
Autor:

Alexander Kollek

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