Weniger für Jugend und Gemeinden

Wittgensteins Synode beschloss Kürzungen für 2004 und brachte Strukturausschuss auf Weg

JG Arfeld. Sparsynode – schon früh hatte die Zusammenkunft der Abstimmungs-Berechtigten des Kirchenkreises Wittgenstein ihren Namen weg. Und in der um sich greifenden Angst vorm Weniger gab der Eröffnungs-Gottesdienst gestern ein entgegenlaufendes, scheinbar paradoxes Leitmotiv in der Arfelder Kirche aus: »Es muss doch mehr als alles geben.«

In Erinnerung an Dorothee Sölle gestalteten fünf Klinik- und Kurseelsorger des Kirchenkreises den Abendmahls-Gottesdienst am frühen Morgen. Wobei es neben Stefanie Eyter-Teuchert, Detlev Schnell, Gisela und Johannes Weissinger Andreas Kroh war, der mit einem Schlaglicht den Wittgensteiner Christen ihre Nöte in den Maßstab setzte. Er sprach von den afrikanischen Freunden in Tansania – ein Pfarrer verdient hier 15 e im Monat, seine Gemeinde leidet teilweise Hunger, 20 Prozent der Menschen unter AIDS – und er fragte: »Müssen wir nicht lediglich vom Überfluss abgeben?« Wobei die Kur- und Klinik-Seelsorger in der glücklichen Situation waren, dass in Zeiten heftigen Sparens diesmal ihre Funktionsstellen nicht zur Debatte standen. Im Mittelpunkt stattdessen: Jugendarbeit, Diakonisches Werk und die Gemeinden selbst.

In drei Gruppen wurde über die Sparmöglichkeiten diskutiert, wobei alle immer wieder in der gleichen Sackgasse endeten: Einsparungen ändern Eckpunkte. Auch für die Schwarzenauer Pfarrerin Krimhild Ochse stand fest: »Mit diesen Zahlen setzen wir Prioritäten.« Damit die inhaltliche Debatte, die eigentlich noch aussteht, nicht komplett in vorbestimmte Bahnen gelenkt wurde, ging es den 64 Synodalen im Gemeindehaus gestern erst mal ausschließlich um den Haushalt 2004.

Eine große Zahl von jungen Zuhörern bei der Veranstaltung machte deutlich, dass gerade sie sich viele Gedanken um die Kürzungen machten. Der 20-jährige Laaspher Sebastian Grunwald und die drei Jahr jüngere Marie-Kathrin Wagner aus Banfe richteten sich als Jugenddelegierte von Kreissynode und Landesjugendvertretung an die Zuhörer. Sie befürchteten, dass eine über die 120000 e hinaus gehende, ebenfalls angedachte Kürzung ein großer Schaden sei: »Im Bereich Jugendarbeit wird eine flächendeckende und vernetzte Arbeit zugrunde gespart und somit eine Arbeit über die Gemeindegrenzen hinaus unmöglich gemacht. Aber auch die Reduzierung auf vier Jugendreferenten für den ganzen Kirchenkreis wird selbst die gewünschte gemeindebezogene Jugendarbeit nicht aufrechterhalten.« Der Arfelder Pfarrer Horst Spillmann verlas zudem einen Brief von etwa 20 Schülern des Johannes-Althusius-Gymnasiums, die vor einer Verringerung der Jugendreferenten warnten. Am Ende stimmte die Versammlung der 120000-e-Kürzung im Jugendbereich zu, damit kann eine freie Stelle im Jugendbereich besetzt werden – wenn auch nur mit zeitlich befristetem Vertrag. Die Erndtebrücker, die sehnlich auf die Ausschreibung einer vakanten Stelle warten, kündigten schon gestern eine sofortige Anfrage beim Kreissynodalvorstand – der den Wiederbesetzungs-Stopp verhängt hatte – an, auch im Edertal und im Banfetal fehlt eine Kraft in der Jugendarbeit.

Bei den Kürzungen in den Gemeinden stimmten die meisten für eine Minderung von 50 Cent pro Kopf; das Diakonische Werk bekommt 110000 e weniger; Nordhelle muss ein Jahr lang ohne Wittgensteiner Geld auskommen, wobei man sich nicht aus der Trägerschaft verabschieden möchte; das Wemlighäuser Freizeitzentrum soll zum Abschied auf Renovierungs-Bedürftigkeit untersucht werden und 5000 e dafür bekommen; die Gemeindeschwester Dorlar wird auf 50 Prozent gesetzt, und selbst wenn man Geld in der Ökumene Geld einsparen will, so soll Tansania doch wenigstens 5000 e als zinsloses Darlehn bekommen. Auch wennn sich Pfarrer Johannes Weissinger nicht vorstellen mochte, wie man das Geld von den Afrikaner zurückverlangt.

Damit es vielleicht gar nicht soweit kommt, brachte die Versammlung mal wieder einen synodalen Strukturausschuss auf den Weg. Der soll bis Dezember 2004 arbeiten und strukturell klären, wie man Ausgaben und Aufgaben unter einen Hut bringen kann. Den im Vorfeld zur gestrigen Sitzung eingegangenen Spar-Anregungsstapel aus den Gemeinden bekommt der Ausschuss zur Konstituierung nach der Herbstsynode 2003. Und er wird sich wohl auch mit der mehrfach aufgeworfenen Frage beschäftigen, weshalb beim Kirchenkreis-Sparen nicht an Mediothek oder Schulreferat gedacht wurde.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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