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Wer pflanzt 1,1 Millionen Bäume?
Wiederbewaldung in der Region

Regionalforstamt-Chef Manfred Gertz zeichnete jetzt im Finanzausschuss ein düsteres Waldbild für Bad Berleburg. Es fehlen die Fachkräfte für die Wiederaufforstung.
  • Regionalforstamt-Chef Manfred Gertz zeichnete jetzt im Finanzausschuss ein düsteres Waldbild für Bad Berleburg. Es fehlen die Fachkräfte für die Wiederaufforstung.
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  • hochgeladen von Dominik Jung

howe Bad Berleburg. „Wir haben noch traurigere Zahlen als vor einem Jahr. Die Situation hat sich dramatisch verändert.“ Manfred Gertz, Leiter des Regionalforstamts Siegen-Wittgenstein hatte jetzt im Bad Berleburger Haupt- und Finanzausschuss keine gute Nachrichten für die Kommunalpolitik. Die Klimadürre wirke sich massiv auf die Heimat aus, dem ganzen voraus gehe bekanntlich der Borkenkäfer. Der hat ganze Arbeit geleistet, in der Region sind seit Juni 2018 sage und schreibe 42 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Mit 20.000 Hektar sei man hier vor Ort Spitzenreiter in Nordrhein-Westfalen.
Es gibt eine Wiederbewaldungsstrategie
Die Prognose für dieses Jahr fällt düster aus: „Wir hatten die Hoffnung, dass wir einigermaßen glimpflich davonkommen.

howe Bad Berleburg. „Wir haben noch traurigere Zahlen als vor einem Jahr. Die Situation hat sich dramatisch verändert.“ Manfred Gertz, Leiter des Regionalforstamts Siegen-Wittgenstein hatte jetzt im Bad Berleburger Haupt- und Finanzausschuss keine gute Nachrichten für die Kommunalpolitik. Die Klimadürre wirke sich massiv auf die Heimat aus, dem ganzen voraus gehe bekanntlich der Borkenkäfer. Der hat ganze Arbeit geleistet, in der Region sind seit Juni 2018 sage und schreibe 42 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Mit 20.000 Hektar sei man hier vor Ort Spitzenreiter in Nordrhein-Westfalen.

Es gibt eine Wiederbewaldungsstrategie

Die Prognose für dieses Jahr fällt düster aus: „Wir hatten die Hoffnung, dass wir einigermaßen glimpflich davonkommen.“ Aber nach der letzten Befliegung mit der Drohne sehe man eine weitere Durchsetzung der Kalamitätsflächen. Die schreite weiter voran. 3000 Käfer finden die Forstleute für gewöhnlich pro Woche in einer Falle. „In Bad Berleburg waren es jetzt 12.000 Käfer. Hier ist in den kommenden Wochen mit einem ausgeprägten Stehendbefall zu rechnen.“

Aktuell sind die Forstfachleute dabei, den Wald in Wittgenstein komplett umzubauen. „Die Aussichten für die Baumart Fichte sind düster.“ Allerdings habe man eine Wiederbewaldungsstrategie. „Wir wollen einen klimastabilen Wald und uns mit vielen Baumarten möglichst breit aufstellen.“ Wenn gemischt werde, könne man das Risiko verteilen. „Meistens haben wir sogar eine höhere Ertragskraft“, so Manfred Gertz.

Ein neuer Waldpakt sei nötig

Auf ein praktisches Problem machte Forstamtmann Klaus Daum aufmerksam. Der Pflanzbedarf liegt bei 1,1 Millionen Stück Pflanzen. „Das ist nicht zu machen. Die gibt es nicht, die müssen erst produziert werden“, wusste Klaus Daum. Und nicht nur das: Auch finanziert werden muss die Wiederbewaldung. Je Hektar Kahlfläche rechnet man mit Kosten von rund 5000 Euro plus Kosten für den Zaun. Das können schon mal locker 300.000 Euro werden. Manfred Gertz präsentierte sogar eine eigene Schätzung, die von Gesamtkosten für die vollständige Wiederbewaldung in Siegen-Wittgenstein von rund 100 bis sogar 200 Millionen Euro ausgeht. „Ich glaube nicht, dass die Landesregierung in der Lage sein wird, das alles zu finanzieren. Deshalb ist eine neuer Waldpakt nötig. Wie schmieden daran“, so Gertz.

Kosten, Kosten und Kosten

Klaus Daum konstatierte, dass eine Pflanzung ohne qualifiziertes Personal nicht möglich sei. „Wir haben keine Fachleute, die pflanzen können.“ Ziel müsse sein, Fachkräfte für den Forst zu qualifizieren. „Außerdem müssen wir Träger finden, die das finanzieren.“ Eine Idee könnte sein, eine Arbeitsgemeinschaft aus Waldbesitzervereinigung und den Kommunen zu gründen. „Wir müssen junge Leute für den Beruf begeistern. Wir brauchen fünf bis zehn Jahre, um die Flächen zu bearbeiten, da rechnet sich das allemal bei einer dreijährigen Ausbildung.

Die Politik zeigte sich geschockt über die Aussichten. Martin Schneider (CDU) begrüßte die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft und schlug vor, darüber nachzudenken, womöglich einen Leader-Antrag zu prüfen. Bernd Weide (SPD) sah in den Ausführungen „Kosten für Fachkräfte, Kosten für die Wiederbewaldung, Kosten und Kosten“. Jahrelang gebe es aber für die Waldbesitzer keine Erträge. Insofern könne er die verstehen, wenn die so schnell wie möglich handeln wollten. Klaus Daum hatte zuvor vor Schnellschüssen gewarnt und für Geduld geworben. „Alles, was man im Wald schnell macht, kostet unnötig Geld“, so Klaus Daum.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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