Bad Berleburg fühlt sich vom Regionalplan-Entwurf überrumpelt
Windkraftanlagen, wohin das Auge reicht

Die Stadt Bad Berleburg sieht im Gewerbegebiet Weidenhausen Erweiterungspotenzial – und stellt sich eine Anbindung an die Bundesstraße 480 vor. Im Regionalplan-Entwurf fehlt die Fläche völlig.
  • Die Stadt Bad Berleburg sieht im Gewerbegebiet Weidenhausen Erweiterungspotenzial – und stellt sich eine Anbindung an die Bundesstraße 480 vor. Im Regionalplan-Entwurf fehlt die Fläche völlig.
  • Foto: ako
  • hochgeladen von Marc Thomas

Bad Berleburg. Dieses 5200 Seite starke Papier könnte Bad Berleburg grundlegend verändern: Der Regionalplan-Entwurf aus Arnsberg, der nur noch bis einschließlich 30. Juni auf Stellungnahmen von Kommunen, Bürgern und Initiativen wartet, sorgt für jede Menge Zündstoff. Vereinfacht ausgedrückt muss die Odebornstadt demnach mit einer wahren Flut an Windkraftanlagen rechnen, dafür allerdings Abstriche bei Gewerbegebieten und Wohnbauflächen machen. Zudem könnten Naturschutzgebiete künftig bis an einzelne Ortschaften heranreichen. Noch gibt es diese Planungen nur als Entwurf, allerdings wies Tobias Feige, Abteilungsleiter Wohnen, Stadt und Dorfentwicklung, am Dienstag im Ausschuss für Bauen, Planen, Wohnen und Umwelt darauf hin, dass ein verabschiedeter Regionalplan „direkte Auswirkungen auf den Flächennutzungsplan der Stadt hat, in vielen Bereichen“.

Die Kritik in Richtung Arnsberg war deutlich vernehmbar – auch wenn sich Baudezernent Christoph Koch noch zurückhielt: „In Teilen waren wir überrascht von diesem Entwurf.“ Konkret ging es am Dienstag um vier Bausteine des vorliegenden Entwurfs:

Windenergie

Die Zahl, die hier sprichwörtlich im Raum steht, scheint schwer zu verdauen. Der Regionalplan-Entwurf weist Potenzialflächen für Windenergie in einer Größenordnung von über 1150 Hektar aus. Bei realistischer Betrachtung, so Tobias Feige, könnten daraus 150 bis 180 Anlagen entstehen, „die aktuellen Vorgaben von Land und Bund sind dabei bereits berücksichtigt“. Martin Schneider (CDU) machte die Rechnung noch ganz anders auf:

„20 Prozent aller Potenzialflächen für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe sowie den Märkischen Kreis liegen in Bad Berleburg.“ Wenn es nach ihm gehe, müsse der Entwurf für Bad Berleburg gar keine weiteren Potenzialflächen enthalten – das verstehe er unter kommunaler Selbstverwaltung. Werner Wegener (CDU) befürchtete eine komplette Zerstörung des Landschaftsbildes und Horst-Günter Linde (UWG) sah eine „Umzingelung, die niemand will“. Dagegen argumentierte Bernd Weide (SPD), dass das Thema Windkraft auch mit dieser Vehemenz nicht vom Himmel falle. Bad Berleburg sei mit 276 Quadratkilometern die zweitgrößte Flächenkommune in NRW – bei nur 19 000 Einwohnern. Irgendwo müsse die Energiewende umgesetzt werden. Und Susanne Bald (Grüne) sah – einmal abgesehen von einigen Naturschutzgebieten – „schlüssige Begründungen“ aus Arnsberg. Ihre Partei trete durchaus ein für die Notwendigkeit von Windkraftanlagen: „Wir können gut damit leben.“

Gewerbeflächen

Der Regionalplan-Entwurf konzentriere sich auf die Kernstadt, wenn es um gewerbliche Erweiterungsmöglichkeiten gehe, sagte Tobias Feige. Zudem würden interkommunale Gewerbegebiete favorisiert. Nicht Bestandteil des Entwurfs sei das Gewerbegebiet Weidenhausen, „wegen der vermeintlichen schleppenden Vermarktung“. Das sehe die Stadt Bad Berleburg völlig anders und plane statt dessen eine Anbindung des Areals an die Bundesstraße 480. „Und das werden wir in unserer Stellungnahme deutlich machen.

Wohnbauflächen

Bad Berleburg habe laut Entwurf einen Überhang von 17 Hektar, machte Tobias Feige deutlich. Die Kommune benötige mittelfristig ein Bauland-Management: „Wir werden sicherlich Wohnbauflächen zurückführen müssen, um an anderer Stelle Möglichkeiten zu schaffen.“ Die Thematik komme nicht von ungefähr und sei durchaus seit einigen Jahren bekannt, erkannte Bernd Weide (SPD). Allerdings sei dieses heiße Eisen nie angepackt worden.

Naturschutzgebiete

Flächen rückten teilweise sehr nah an die Bebauungsgrenzen heran, erklärte Tobias Feige: „Sollte das so kommen, schränkt uns das in der zukünftigen Entwicklung ein, dann würden Wohnbauflächen im Flächennutzungsplan wegfallen.“

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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