»Wir haben den Mut, es zu versuchen«

Realschule Berleburg als »Schule ohne Rassismus und mit Courage« / Pate: Borussia Dortmund

JG Bad Berleburg. Bevor er in den 60er Jahren im deutschen Nationaltrikot das erste Mal gegen einen Schwarzen gekickt habe, so erinnerte sich die schwarz-gelbe Fußball-Legende Aki Schmidt gestern in Bad Berleburg, da habe er sich schon überlegt, ob der Marokkaner vielleicht doch anders sei als er. Aber spätestens nach dem Spiel, als er und sein Gegenspieler sich einem afrikanischen Brauch folgend gegenseitig gefüttert hätten, da habe er etwas begriffen. Beim gemeinsamen Essen von dem am Spieß rotierenden Bullen habe er verstanden: Alle Menschen seien prinzipiell erstmal gleich. Anlass für diese Erinnerung war gestern die Feierstunde zur offiziellen Verleihung des Titels »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« an die Berleburger Realschule. Und Aki Schmidt war dabei, weil sich die Wittgensteiner Realschule die Dortmunder Borussen als Paten für diese Aktion ausgesucht hatten.

Eine Entscheidung des Schülerrates, die auch Schulleiter Bernd Brömmeling so recht aus dem Herzen sprach. Schließlich hatte der gebürtige Dortmunder laut eigenen Angaben nach den Borussen-Erfolgen der 60er Jahre mehrfach den Borsig-Platz schwarz-gelb angestrichen. Die Anstrengungen seiner Schüler würdigte Bernd Brömmeling, wobei er einräumte, dass eine Schule ohne Rassismus ein kaum erreichbares Ziel sei: »Aber wir haben den Mut, es zu versuchen.« Angepeilt werde dabei die Integration von Minderheiten, ein angstfreier Lebensraum Schule und eine Streitkultur ohne Feindschaft.

Angeschoben worden war das Projekt vom Realschullehrer Günter Matthes. Der gab zu, dass seine Schüler – die heutige 8b – dem Ganzen anfangs sehr viel optimistischer gegenüber gestanden hätten als er. Durch deren Zuversicht angespornt und mit der großen Hilfe seines ehemaligen Kollegen Stefan Bahls sei es erst möglich geworden, dass die Realschule nun den Titel erhalten habe.

Dass auch die Schülerschaft das Projekt mitträgt, machten gestern drei Mädchen klar: Maren Breuer trug Rio Reisers »Mein Name ist Mensch« vor, Tanja Kolodziej las aus Max Frischs »Fremdenhass oder die Herausforderung zur Selbstprüfung« und Schülersprecherin Ivonne Karger kündigte an, dass es künftig freitags in der ersten großen Pause die Möglichkeit gebe, bei ihr oder ihren Vertretern vom Schülerrat Fälle von Diskriminierung – selbst erlebt oder auch nur beobachtet – vorzubringen.

Das Engagement der Schüler veranlasste Berleburgs Bürgermeister Hans-Werner Braun zu einem deutlichen Bekenntnis: Er freue sich und er sei stolz, dass die Berleburger Realschüler diesen Weg zur Zivilcourage eingeschlagen hätten. Es sei gut, dass sich die Jugendlichen auf dem Stöppel ein Herz fassten und die große schweigende Mehrheit aufrütteln wollten. Denn wenn man zulasse, dass anderen Würde und Freiheit genommen werde, dann stehe man irgendwann selbst ohne Freiheit und Würde da. Ein Anknüpfungspunkt für den Dortmunder Liedermacher Fred Ape, der gestern in Berleburg auch ein Stück von Georg Danzer sang, in dem es hieß: »Nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

Gisela Weissinger vom heimischen Arbeitskreis gegen Rechts zitierte einen anderen Sänger, nämlich Campino von den Toten Hosen, der selbst Pate von »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist. Es sei »cool«, dass die Schule nun das Schild an der Tür habe. Die Berleburgerin versicherte den Schülern: »Wir freuen uns riesig, weil es sicherlich kein einfacher Weg ist, auf den ihr euch gemacht habt.«

Michael Fröhling vom Anti-Rassismus-Info-Zentrum in Duisburg war deshalb auch als NRW-Koordinator des Projekts »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« begeistert von der Borussia-Wahl der Berleburger: »Ihr habt euch einen sehr guten Paten ausgesucht.« Auch Manuel Neukirchner, bei den Borussen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, wies gestern noch mal dezidiert auf das soziale und gesellschaftspolitische Engagement des Fußballvereins hin: Man habe schon früh dem Rassismus die Rote Karte gezeigt, die Mannschaft habe ihre nationalen oder internationalen Erfolge nur mit Spielern aus Brasilien, Argentinien und Tschechien erzielen können. Deshalb seine Aufforderung an die Schüler: »Steht weiter so engagiert im Leben.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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