Wirtschaftskriminalität im Lahntal?

35-Jähriger Laaspher musste sich gestern wegen Betruges verantworten / Verhandlung vertagt

Bad Berleburg. Staatsanwalt Wolfgang Nau, ansonsten ein eher ruhiger Vertreter und nur schwer aus der Ruhe zu bringen, platzte der Kragen: »Ich werde nunmehr sämtliche Pfändungsüberweisungsbeschlüsse neu aufarbeiten. Wenn ich bilanziere, wie sich der Angeklagte hier vor Gericht eingelassen hat, weiß ich, was ich von solchen Geschäftsleuten zu halten habe. Das sind meines Erachtens die echten Wirtschaftskriminellen.«

Starker Tobak. Wegen Betruges musste sich gestern Morgen ein 35-jähriger Bad Laaspher vor dem Berleburger Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte dem früheren Geschäftsführer eines Unternehmens zur Last, von einem Handwerksbetrieb aus dem Oberen Lahntal Waren im Wert von 15000 e bezogen zu haben, ohne jedoch die fällige Rechnung beglichen zu haben. Der schwere Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte habe vorher gewusst, dass er seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr habe nachkommen können.

Außerdem sei das überfällige Insolvenzverfahren nicht beantragt worden. Indes unterstrich der Angeklagte, »dass keine Zahlungsunfähigkeit bestand«. Er habe die Rechnung deshalb nicht beglichen, weil die Ware fehlerhaft gewesen sei und ganz erheblich nachgebessert worden sei. Der Kunde in Shanghai, für den die Produkte bestimmt gewesen seien, habe die Qualität moniert und danach von weiteren Bestellungen Abstand genommen. »Ich habe dem Lieferanten angeboten, für die Materialkosten aufzukommen. Auf diesen Kompromissvorschlag hat er nur mit verbalen Entgleisungen reagiert«, schilderte der Laaspher die Dinge aus seiner Sicht. Zudem sei die Lieferung nicht fristgerecht erfolgt.

Aus dem Blickwinkel des angesprochenen Handwerkers aus dem Oberen Lahntal stellte sich die Sachlage in wesentlichen Punkten anders da. Die Lieferung, so der Zeuge, sei sehr wohl zeitnah erfolgt, »wir haben sogar ein ganzes Wochenende durchgearbeitet, um dem Geschäftspartner unter die Arme zu greifen«. Abgesehen von einer minimalen Abweichung an einem Produkt sei die Ware absolut in Ordnung gewesen. »Das hat alles hundertprozentig gepasst«, so der Handwerksmeister. Noch dazu sei es sehr merkwürdig, dass der Angeklagte von den angeblichen Fehlern jetzt erstmals vor Gericht gesprochen habe. Die Verteidigerin Kirsten Klöer-Wahle ging den den Zeugen in ihrer Befragung hart an, doch der blieb bei seiner Darstellung. Die Produkte seien nicht beanstandet worden. Ganz im Gegenteil. Er habe nachher mit eigenen Augen beobachtet, wie die Produkte von dem Nachfolgeunternehmen des Angeklagten verarbeitet und anschließend veräußert worden seien.

Eine Aussage, die sowohl die Verteidigerin als auch den Staatsanwalt auf den Plan rief. Rechtsanwältin Kerstin Klöer-Wahle beantragte, den Zeugen unter Eid zu stellen. Und Staatsanwalt Wolfgang Nau sah sich dazu veranlasst, »noch einmal intensive Ermittlungen« anzustrengen. Noch im Gerichtssaal berichtete ein Beobachter der Verhandlung, dass ihm Ähnliches passiert sei wie dem Handwerker aus dem Oberen Lahntal. Er habe den Angeklagten mit Ware beliefert, von dem Geld habe er jedoch keinen Cent gesehen. Die Verhandlung wurde auf einen späteren Termin vertagt – wenn die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft vorliegen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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