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SZ hat Einblick in Gutachten
Wisent-Projekt: Tendenz zur Fortsetzung erkennbar

Das Gutachten vergrößert die Chancen auf einen Verbleib der Wisente.

vö Bad Berleburg. Dieses Papier hat das Zeug dazu, das Wittgensteiner Wisent-Projekt über die Freisetzungsphase hinaus langfristig zu sichern. Allerdings unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen. „Das Projekt hat großes Potenzial, dem Arterhalt zu dienen“, heißt es in dem mit Spannung erwarteten Gutachten zum Artenschutz-Projekt „Wisente im Rothaargebirge“.
Besagtem Gutachten, das der Kreis Siegen-Wittgenstein in Auftrag gegeben hat, kommt eine Schlüsselfunktion zu, ob die Wisente im Rothaargebirge eine Zukunft haben oder nicht. Der SZ-Redaktion liegt der vorläufige Entwurf des Institutes für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vor, die Leitung der Analyse liegt bei Prof. Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert.

Bad Berleburg. Dieses Papier hat das Zeug dazu, das Wittgensteiner Wisent-Projekt über die Freisetzungsphase hinaus langfristig zu sichern. Allerdings unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen. „Das Projekt hat großes Potenzial, dem Arterhalt zu dienen“, heißt es in dem mit Spannung erwarteten Gutachten zum Artenschutz-Projekt „Wisente im Rothaargebirge“.
Besagtem Gutachten, das der Kreis Siegen-Wittgenstein in Auftrag gegeben hat, kommt eine Schlüsselfunktion zu, ob die Wisente im Rothaargebirge eine Zukunft haben oder nicht. Der SZ-Redaktion liegt der vorläufige Entwurf des Institutes für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vor, die Leitung der Analyse liegt bei Prof. Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert. Obwohl es noch keine Endfassung gibt, wird aus dem Papier bereits eifrig zitiert – jüngst erst seitens der Schmallenberger Waldbauern bei der gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Wisent-Trägerverein vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm.

Begrenzung der Anzahl oder Umsiedlung

Die Gutachter-Mannschaft zeigt zum weiteren Projektverlauf drei Szenarien auf. Variante 1 ist demnach die Überführung in eine Freisetzungsphase der Tiere mit Herrenlosigkeit. Entweder lebten die Tiere frei – mit einer Begrenzung der Populationsgröße auf 20 Tiere. Gebe es indes keine Begrenzung, müssten über das bisherige Projektgebiet hinaus „andere Gebiete besiedelt werden dürfen sowie das Monitoring und die Betreuung entsprechend angepasst werden“. Das permanente Management der Population diene auch der Konfliktminimierung. Und die trauen die Gutachter offenbar nicht dem Trägerverein zu: „Die derzeitigen Akteure vor Ort scheiden für dieses Konfliktmanagement aus.“ Eine von mehreren kernigen Ohrfeigen für den ehrenamtlich geführten Trägerverein. Kosten an dieser Stelle „Minimum 500.000 Euro im Jahr“.

Projekt abbrechen

Szenario 2 wäre der Abbruch des Projekts – allerdings gibt es hier nach Auffassung der Gutachter mehrere Möglichkeiten. „International abgelehnt“ werde eine Tötung der Tiere. Der Idealfall bei einer Beendigung sei der Wechsel der gesamten Herde in ein anderes Auswilderungsgebiet im In- oder Ausland.

Wisente einzäunen

Szenario 3 sei ein Großgatter mit einer Fläche von mindestens 5000 Hektar. Die Kosten für den Zaunbau beziffern die Gutachter auf mindestens 2,5 Millionen Euro, hinzu kämen jährliche Folgekosten von rund 300.000 Euro.
Wer den vorläufigen Entwurf genau liest, kommt nicht an der Einschätzung vorbei, dass die Wissenschaftler zur Fortsetzung des Projektes tendieren. Allerdings sollen die Rahmenbedingungen andere sein: Neben einem internationalen wissenschaftlichen Beirat wird ein „professioneller großer Projektträger“ ins Gespräch gebracht. Denn: Ein kleiner Verein könne der Verantwortung kaum gerecht werden. Auf der anderen Seite werden einige Argumente der Gegner des Projekts deutlich entkräftet: Wisente verhielten sich Menschen gegenüber nicht aggressiv. Risikobegegnungen ließen sich durch Abstand halten vermeiden. Und weiter: „Aktive Aufklärungsarbeit ist nötig.“ Auch die Gefahr von Verkehrsunfällen lasse sich minimieren. Dagegen seien die forstwirtschaftlichen Schäden stärker als erwartet.

Beteiligte warten mit Stellungnahme

Und was sagen Projekt-Beteiligte? In der Steuerungsgruppe sei vereinbart worden, dass man sich zum vorläufigen Entwurf nicht äußern werde, erklärte Torsten Manges, Pressesprecher des Kreises: „Wir warten auf die Endfassung. Wenn die vorliegt, wird sie umgehend öffentlich gemacht.“ Ähnlich die Einschätzung von Dr. Michael Emmrich, Sprecher des Wisent-Projektes. Erstens sei auch der vorliegende Entwurf nicht-öffentlich, zweitens sei der Trägerverein nicht Auftraggeber des Gutachtens. Da gebiete es allein der Anstand, dass man sich erst dann äußere, wenn man von verantwortlicher Stelle gefragt werde: „Es ist kein guter Stil, wenn schon jetzt öffentlich daraus zitiert wird.“

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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