Oberlandesgericht Hamm entscheidet über die Klagen
Wisent-Projekt vor wegweisenden Wochen

Dürfen sich Wisente auch in Zukunft in freier Natur – wie hier in Kühhude – ausleben? Die Zukunft der Herde hängt zum einen vom Gerichtsurteil am Donnerstag und zum anderen vom Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover ab.
  • Dürfen sich Wisente auch in Zukunft in freier Natur – wie hier in Kühhude – ausleben? Die Zukunft der Herde hängt zum einen vom Gerichtsurteil am Donnerstag und zum anderen vom Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover ab.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

Bad Berleburg. Es besteht kein Zweifel: Nach zähen Jahren mit Diskussionen, Kritik, juristischen Auseinandersetzungen und intensivem Ringen steht das Wittgensteiner Wisent-Projekt vor wegweisenden Entscheidungen: Zunächst hat das Oberlandesgericht (OLG) für Donnerstag, 15. Juli, eine Entscheidung über die Klagen der beiden Waldbauern Georg Feldmann-Schütte und Hubertus Dohle angekündigt. Die Oberkirchener wollen juristisch erreichen, dass die frei lebenden Wisente im Rothaargebirge ihre Wälder nicht mehr betreten dürfen. Das Verfahren war vom Bundesgerichtshof (BGH) nach Hamm zurückverwiesen worden.

Ziele der Freisetzungsphase erreicht

Zur Erinnerung: In der Anhörung vor dem OLG Hamm hatten die Waldbauern zumindest einen Punktsieg erreicht. Die Richter kritisierten vor Wochen, dass mittlerweile acht Jahre seit dem Freisetzen der Tiere verstrichen seien. „Das erscheint als eine zu lange Phase.“ Inhaltlich spreche viel dafür, dass die Ziele der Freisetzungsphase erreicht seien – „formal ist sie aber nicht beendet“. Aus Sicht der OLG-Richter hat das Projekt nur dann auf Dauer eine Chance, wenn ein Vertrag über die finale Phase der Herrenlosigkeit der Wisente geschlossen werde. Unabhängig von der OLG-Entscheidung dürfte die ausschlaggebende Weichenstellung vom Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover ausgehen. Das Papier, dem auch NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Schlüsselrolle zukommen lässt, soll in seiner Endfassung im August veröffentlicht werden, dies kündigte der Kreis Siegen-Wittgenstein in einer Pressemitteilung an. Über den vorläufigen Entwurf des Gutachtens hatte die Siegener Zeitung – neben einer weiteren Tageszeitung – zuerst berichtet.

Trägerverein setzt sich gegen "Westfalenpost" zur Wehr

Der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein setzt sich derweil in seinem Newsletter ungewohnt deutlich gegen die Art und Weise der Berichterstattung der „Westfalenpost“ (WP) zur Wehr, die sich in der Vergangenheit mehrfach in klarer Art und Weise gegen das Projekt positioniert hatte. Nach einer Umfrage der WP unter ihren Lesern hätten sich zum Stichtag 30. Juni 62 Prozent der Teilnehmer für die Fortsetzung des Artenschutzprojektes im Rothaargebirge mit der frei lebenden Herde und gegen eine Zaunlösung, das Umsiedeln oder gar das Töten der Tiere ausgesprochen, erklärt der Verein – mit Verweis auf das Ergebnis.

Das Votum der WP-Leser ist auch deshalb besonders erfreulich, weil die WP im Sauerland dem Projekt in der Tendenz eher kritisch bis ablehnend gegenübersteht.
Michael Emmrich
Pressesprecher Wisent-Projekt

Bei den rund 2800 Teilnehmern an der Online-Umfrage sei die Fortsetzung des Projektes – so wie es derzeit praktisch erfolge – damit ganz klarer Favorit. Weit abgeschlagen seien die anderen Varianten mit 22 Prozent (Einfangen und Umsiedlung), 8 Prozent (Töten der Tiere) und 7 Prozent (Einzäunung in einem Gatter). „Das Votum der WP-Leser ist auch deshalb besonders erfreulich“, wird der Pressesprecher des Wisent-Vereins, Michael Emmrich zitiert, „weil die WP im Sauerland dem Projekt in der Tendenz eher kritisch bis ablehnend gegenübersteht. Die Abstimmung zeigt damit auch eine große Differenz zwischen der veröffentlichten Meinung der Redaktion und ihrer Leserschaft. Das lässt uns davon ausgehen, dass die Zustimmung außerhalb der WP-Leserschaft in der Region wahrscheinlich noch sehr viel größer sein wird.“

Tötung der Tiere nicht gewünscht

Diese Einschätzung wird auch dadurch gestützt, dass in der Aufmachung der besagten Umfrage – gleich mehrfach – die Tötung der Tiere in den Vordergrund gerückt worden war. Und dies, obwohl in dem Entwurf des Gutachtens unmissverständlich nachzulesen ist, dass eine Tötung der Wisente von keiner Seite gewünscht sein könne. Vielmehr geht die Meinung der Gutachter klar in die Richtung, dass das Projekt das Potenzial habe, um fortgesetzt und weiterentwickelt zu werden. Allerdings wird auch die Fragestellung aufgeworfen, ob der Trägerverein in seiner Struktur dazu allein in der Lage sei – aus Hannover wird eine Trägerschaft auf internationaler Basis ins Gespräch gebracht.
Der Blick von Befürwortern und Gegnern des Wisent-Projektes geht demnach in den nächsten Tagen nach Hamm und Hannover.

Zukunft der Wisente hängt wohl vom Gutachten ab
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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