SZ

Konstruktive Vorschläge fehlen
Wisent-Trägerverein kritisiert Gutachten

Das Gutachten über das Wisentprojekt stößt auf Kritik.
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howe Bad Berleburg. Das Gutachten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hat die Schwächen des Wisent-Auswilderungsprojekts deutlich gemacht: Die Dokumentationen seien „teilweise mangelhaft“ gewesen, das Herdenmanagement entspreche nicht den internationalen Schutzbestimmungen, außerdem sei die Sendertechnik veraltet. Auch scheiden nach Auffassung der Gutachter die derzeitigen Akteure vor Ort für das Konfliktmanagement aus. Hier müssten zum einen große Partner mit ins Boot geholt werden, zum anderen braucht es einen internationalen Expertenrat.
Das ist dem Gutachter offenbar entgangen.
Dr.

howe Bad Berleburg. Das Gutachten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hat die Schwächen des Wisent-Auswilderungsprojekts deutlich gemacht: Die Dokumentationen seien „teilweise mangelhaft“ gewesen, das Herdenmanagement entspreche nicht den internationalen Schutzbestimmungen, außerdem sei die Sendertechnik veraltet. Auch scheiden nach Auffassung der Gutachter die derzeitigen Akteure vor Ort für das Konfliktmanagement aus. Hier müssten zum einen große Partner mit ins Boot geholt werden, zum anderen braucht es einen internationalen Expertenrat.

Das ist dem Gutachter offenbar entgangen.
Dr. Michael Emmrich
Pressesprecher

Ein solches Projekt beinhaltet Risiken

Beim Pressegespräch mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser klang die Aussage von Trägervereinsvorstand Johannes Röhl eindeutig: „Wir werden uns den Schlussfolgerungen des Gutachtens stellen.“ Die SZ hakte dieser Tage noch mal nach und erfuhr, dass der Trägerverein mit den genannten Schlussfolgerungen nicht komplett einverstanden ist. „Ein Projekt ohne Vorbild in einem ehrenamtlichen Verein durchzuführen, ist eine Herausforderung und beinhaltet Risiken, dass auch manche Dinge nicht optimal laufen. Dies hinterher zu beurteilen ist wichtig und richtig, wir hätten uns da aber im Gutachten sehr viel konkretere Angaben, Hinweise und konstruktive Vorschläge gewünscht“, konstatiert Pressesprecher Dr. Michael Emmrich gegenüber der Siegener Zeitung.

Streit um Wisente: Waldbauern sehen Aufforstung in Gefahr

Ein Gutachten habe die Aufgabe, wissenschaftlich fundierte Beurteilungen vorzunehmen und damit die Grundlage für eine Optimierung oder aber einen Abbruch eines Vorhabens zu setzen. Daher sei konstruktive Kritik ein wesentlicher Bestandteil eines Gutachtens. „Es hätte aus unserer Sicht an einigen Stellen entsprechend konstruktiver sein können und auch auf saubereren Recherchen beruhen sollen.“ Und was soll nun ein „neues“ Expertengremium? Schon im bisherigen Verlauf sei das Projekt Teil des Europäischen Netzwerks zur Erhaltung des Wisents gewesen, mit ständigem Austausch. „Das ist dem Gutachter offenbar entgangen.“ Aus diesem Netzwerk ließe sich sicherlich das internationale Expertengremium zusammenstellen, „da bei vielen anerkannten Wisent- und Auswilderungs-Experten in Europa unser Projekt schon große Aufmerksamkeit erfährt.“

Arbeit zahlt sich auch für andere Artenschutzprojekte aus

Ohne den internationalen Austausch wäre der Trägerverein gar nicht so weit gekommen. „Unsere wissenschaftliche Koordinatorin hat keinen internationalen Workshop zum Thema ,Wisent und Auswilderung’ ausgelassen, das Projekt vorgestellt und natürlich auch konstruktive Kritik mitgenommen. Wir haben diese stets in unserem Projekt umgesetzt.“ Die Expertise sei auch in anderen bestehenden und entstehenden Projekten gefragt, was bestätige, dass sich die Arbeit vor Ort nicht nur für das Projekt im Rothaargebirge, sondern auch für weitere Artenschutzprojekte auszahle. Zu den einzelnen Kritikpunkten hätte sich der Trägerverein von den Gutachtern differenziertere Aussagen gewünscht. So passe das Wisent-Projekt eben in viele Vorgaben, die für Großprojekte vorliegen, gar nicht hinein.

Vermeintlich veraltete Sendertechnik

„Das Aussetzen von Wölfen im Yellowstone-Park ist da zum Beispiel eine etwas andere Hausnummer.“ Auch hinsichtlich der vermeintlich veralteten Sendertechnik seien für die wissenschaftlichen Fragestellungen die angewendeten Halsbänder „völlig ausreichend“. Dr. Michael Emmrich: „Wenn es etwas Geeigneteres gegeben hätte, hätte es der Wisent-Verein zur Anwendung gebracht. Der Gutachter gibt leider nicht an, welche telemetrischen Fragestellungen seines Erachtens offenbleiben und welche Technik dementsprechend geeigneter gewesen wäre. Da warten wir noch auf Vorschläge, inklusive Finanzierungsvorschläge.“

Kölner Zoo als neuer Partner

Zwei große Partner hat sich der Trägerverein inzwischen ins Boot geholt, wobei die Wisent-Verantwortlichen in Bad Berleburg hierzu in Kürze noch einmal Gespräche mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser führen werden. Ausgewählt wurden der Kölner Zoo und die Deutsche Wildtierstiftung. „Wegen ihrer Erfahrungen in der unideologischen, wissenschaftlich fundierten Herangehensweise an komplexe Erhaltungs- und Wiederansiedlungsprojekte“, weiß Dr. Michael Emmrich. „Der Kölner Zoo vertritt die moderne Auffassung der Aufgabe von Zoos, welche weit über das zur Schau stellen von Tieren hinausgeht und bei der die intensive Beschäftigung mit Fragen der Nachzucht und Auswilderung bedrohter Tierarten einen hohen Stellenwert haben.“

Die Deutsche Wildtierstiftung habe sich in den vergangenen Jahren als ein Institut herausgebildet, das aktiv und ohne ideologische Scheuklappen an Projekten zum Erhalt von Wildtieren in der Kulturlandschaft arbeitet. „Genau das, was wir brauchen.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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