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Streit zwischen Wittgenstein und Hochsauerland
Wisent-Zaun: Bau ab Januar?

Leben die Wisente im Rothaargebirge auch im Winter noch in freier Wildbahn oder hinter dem zwei Meter hohen Zaun des Übergangs-Geheges? Eventuell starten im Januar die Bauarbeiten in der Nähe des Schmallenberger Ortsteils Latrop.
  • Leben die Wisente im Rothaargebirge auch im Winter noch in freier Wildbahn oder hinter dem zwei Meter hohen Zaun des Übergangs-Geheges? Eventuell starten im Januar die Bauarbeiten in der Nähe des Schmallenberger Ortsteils Latrop.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

vö Düsseldorf/Latrop. Es kommt Bewegung in den Wisent-Kompromiss: Das nordrhein-westfälische Umweltministerium hatte Anfang des Jahres vorgeschlagen, die freilebende Herde in einem Übergangs-Gehege unterzubringen, bis das wohl alles entscheidende Gutachten vorliegt, auf dessen Basis entschieden werden soll, ob das Wisent-Projekt im Rothaargebirge eine Zukunft hat oder nicht.
Befürworter und Gegner des Artenschutz-Projektes stehen sich nach wie vor in ziemlich festgefahrenen Fronten gegenüber. Kommunikation findet zwischen beiden Seiten nicht mehr statt – und dies nicht nur, weil in Zeiten von Corona Abstand eine große Rolle spielt.

Düsseldorf/Latrop. Es kommt Bewegung in den Wisent-Kompromiss: Das nordrhein-westfälische Umweltministerium hatte Anfang des Jahres vorgeschlagen, die freilebende Herde in einem Übergangs-Gehege unterzubringen, bis das wohl alles entscheidende Gutachten vorliegt, auf dessen Basis entschieden werden soll, ob das Wisent-Projekt im Rothaargebirge eine Zukunft hat oder nicht.
Befürworter und Gegner des Artenschutz-Projektes stehen sich nach wie vor in ziemlich festgefahrenen Fronten gegenüber. Kommunikation findet zwischen beiden Seiten nicht mehr statt – und dies nicht nur, weil in Zeiten von Corona Abstand eine große Rolle spielt. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung kündigte Hubert Kaiser, Leiter der Abteilung Forsten-Naturschutz im Düsseldorfer Umweltministerium, am Dienstagabend an, dass mit dem Bau des Zauns für das Gehege bei Latrop „frühestens im Januar“ gestartet werde. Der Zaunaufbau sei bei dem Projekt die kleinste Hürde, machte Kaiser deutlich: „Das ist eigentlich eine ziemlich schnelle Angelegenheit.“ Die Vorarbeit sei deutlich schwieriger gewesen. „Es ist deshalb so komplex, weil wir in FFH-Gebieten unterwegs und entsprechende Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich sind.“

Proteste aus Latrop führen zu kleinerem Wisent-Gehege

Die ursprünglichen Planungen beinhalteten, dass sich das Übergangs-Gehege auf einer Fläche von 840 Hektar erstrecken sollte – 700 Hektar auf Schmallenberger Seite und 140 Hektar auf Bad Berleburger Seite. Nach massiven Protesten aus dem Schmallenberger Ortsteil Latrop wurde das Areal auf rund 450 Hektar reduziert. Aktuell sei man dabei, so Hubert Kaiser, die Trasse für den Zaun festzulegen. Und dies solle möglichst naturschonend funktionieren. „Es sollen keine dicken Bäume gefällt werden. Die Bäume, die entfernt werden müssen, sind alle unter 20 Zentimeter im Durchmesser stark.“ Zielsetzung sei, bereits vorhandene Trassen zu nutzen. Das grüne Licht erteile letztlich die Bezirksregierung in Arnsberg.
NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser betonte im SZ-Exklusivinterview, „dass die Thematik nicht ganz so einfach ist, wie wir uns das wünschen würden“. Es handele sich um ein aufwändiges Verfahren, „aber wir sind auf einem guten Weg“. Und weiter: „Wir mussten alles unter einen Hut bringen. Das ist bei den unterschiedlichen Interessenlagen nicht ganz so einfach.“

Wisent-Gehege auf Wittgensteiner Seite als Übergangslösung

Sowohl die Ministerin, als auch Abteilungsleiter Hubert Kaiser nahmen Ende Februar – unmittelbar vor der Corona-Pandemie – an einer Informationsveranstaltung zum Wisent-Projekt in der Schmallenberger Stadthalle teil. Ursula Heinen-Esser erteilte seinerzeit den Forderungen auf Sauerländer Seite, das Wisent-Projekt sofort zu stoppen, eine klare Absage. Mit ihr sei entweder die jetzt favorisierte Übergangslösung zu machen oder es bleibe alles so, wie es momentan sei – bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Gutachten vorliege. Dann liefen die Wisente eben weiterhin frei in der Natur umher. Der Schmallenberger Bürgermeister Bernhard Halbe und Dr. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, konnten ihre Argumentation im Februar nicht ins Ziel bringen.
Sehr zur Enttäuschung der zahlreichen Latroper Bürger in der Stadthalle, die sprichwörtlich die ganze Ortschaft gegen das Projekt mobilisiert hatten. Zum bevorstehenden Baustart des Übergangs-Geheges äußerte sich Ulrich Lutter, 1. Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Latrop, am Mittwoch im SZ-Gespräch zurückhaltend: „Wir werden sehen, wie wir damit umgehen. Ganz so einfach ist das alles aus meiner Sicht nicht umzusetzen.“ Immerhin habe man aber Klarheit darüber, „dass wir mit Frau Heinen-Esser keine Veränderung der Entscheidung für ein Übergangs-Gehege im Bereich unserer Ortschaft hinbekommen werden“. Er habe die Ministerin noch einmal angeschrieben, so der Latroper, und die habe mit Datum vom 12. November eindeutig geantwortet. An der Übergangslösung werde festgehalten. Und sein Hinweis, dass der Erbrechtsstreit auf Schloss Berleburg ja jetzt beendet sei und damit wieder Bad Berleburger Flächen für das Übergangs-Gehege zur Verfügung stünden, habe keine Rolle gespielt. In Latrop verlasse man sich allerdings auf die Zusage der Verantwortlichen, dass das Übergangs-Gehege nicht größer als 450 Hektar sei und sich die Anzahl der Wisente auf 15 ausschließlich weibliche Tiere beschränke.
Der Wisent-Trägerverein sei bei dem Bau des Übergangs-Geheges und dem gefundenen Kompromiss nur einer von mehreren Beteiligten, erklärte Dr. Michael Emmrich, Sprecher des Wisent-Projektes: „Wir wurden schon dazugezogen, um unsere Expertise einzubringen. Aber das Zaun-Thema liegt ganz klar beim Umweltministerium.“

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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