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Entscheidung aus Düsseldorf
Wisente werden nicht eingezäunt

Die Wisente leben im Rothaargebirge weiterhin frei – so wie hier bei Kühhude. Die Zaun-Übergangslösung ist vom Tisch.
  • Die Wisente leben im Rothaargebirge weiterhin frei – so wie hier bei Kühhude. Die Zaun-Übergangslösung ist vom Tisch.
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vö Latrop/Düsseldorf. Rolle rückwärts im nordrhein-westfälischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz: Die Wisente werden definitiv nicht eingezäunt – auch nicht übergangsweise, bis eine Entscheidung über den Fortgang des Auswilderungsprojektes gefallen ist. Das berichtete das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben aktuell.

Den Bericht bestätigte Ministeriums-Sprecher Christian Fronczak auf Anfrage: „Zur Befriedung der unterschiedlichen Interessen im Wisent-Projekt hatte sich die begleitende Koordinierungsgruppe dafür ausgesprochen, die Wisentherde für eine zeitlich begrenzte Übergangsphase auf Flächen des Landes NRW und der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer einzufrieden.

Latrop/Düsseldorf. Rolle rückwärts im nordrhein-westfälischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz: Die Wisente werden definitiv nicht eingezäunt – auch nicht übergangsweise, bis eine Entscheidung über den Fortgang des Auswilderungsprojektes gefallen ist. Das berichtete das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben aktuell.

Den Bericht bestätigte Ministeriums-Sprecher Christian Fronczak auf Anfrage: „Zur Befriedung der unterschiedlichen Interessen im Wisent-Projekt hatte sich die begleitende Koordinierungsgruppe dafür ausgesprochen, die Wisentherde für eine zeitlich begrenzte Übergangsphase auf Flächen des Landes NRW und der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer einzufrieden. Mittlerweile ist allerdings deutlich geworden, dass sich die geplante Zaunlösung selbst für einen auf drei bis fünf Jahre begrenzten Zeitraum nicht im regionalen Konsens realisieren lassen wird. Vor diesem Hintergrund wurde sich darauf verständigt, die vorgeschlagene Zaunlösung nicht weiter zu verfolgen.“

Keine Zaun-Lösung für die Wisente: Diskussionen über Projekt

Zur Erinnerung: Bei einem Treffen der Wisent-Koordinierungsgruppe Ende März 2019 war der Kompromiss-Vorschlag angenommen worden, die Wisentherde in einer 1500 Hektar großen, eingegatterten Projektfläche – weitestgehend handelte es sich um eine Staatswaldfläche im Hochsauerlandkreis – zu halten. Diese Lösung hatte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auch bei einer Bürgerversammlung in der Stadthalle Schmallenberg präsentiert. Bei weiteren Besprechungen war die Gattergröße auf 500 Hektar begrenzt worden – nicht zuletzt nach erheblichen Protesten aus der stark betroffenen Schmallenberger Ortschaft Latrop.

Die grundsätzliche Rückkehr ehemals heimischer Arten sei erklärtes Ziel des Artenschutzes auf europäischer Ebene, heißt es aus dem Ministerium. Dazu zähle auch der europäische Wisent, er sei als streng geschützte Art in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union gelistet. Das hiesige Wisent-Freisetzungsprojekt, das insbesondere den Hochsauerlandkreis und den Kreis Siegen-Wittgenstein betreffe, sei unter anderem wegen verschiedener Auswirkungen auf den lokalen Privatwaldbesitz seit Längerem in der Diskussion.

Keine Zaun-Lösung für die Wisente: Deutliche Worte aus Düsseldorf

Christian Fronczak legt Wert auf die Feststellung, dass die abschließende Entscheidung über die zukünftige Entwicklung des Wisent-Projektes durch die Zaun-Entscheidung unberührt bleibe. Die gemeinsame Auswertung des Gesamtgutachtens der Tierärztlichen Hochschule Hannover, das vom Kreis Siegen-Wittgenstein in Auftrag gegebenen worden sei, „ist noch nicht abgeschlossen“. Eine öffentliche Vorstellung der Ergebnisse des Gutachtens sei für den Spätherbst des laufenden Jahres vorgesehen. Die Entscheidung müssten am Ende die Verantwortlichen vor Ort treffen.

Der Sprecher des Ministeriums findet durchaus deutliche Worte – an die Adresse der unterschiedlichen Parteien in der Wisent-Diskussion: „Rückblickend hätten von Beginn an alle Beteiligten an einem Tisch eine gemeinsame Grundlage für das Projekt erarbeiten sollen – bevor die ersten Tiere freigesetzt wurden. Dann hätten sich einige konträre Positionen erst gar nicht entwickelt und man müsste jetzt nicht eine Befriedung der Situation vor Ort herbeiführen und hätte sich eine Vielzahl von gerichtlichen Auseinandersetzungen erspart. Alle Beteiligten sind gut beraten, weiterhin konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten.“

Es ist eine konsequent richtige Entscheidung. Wir wollten die Wisente im Sauerland nie haben.
Ulrich Lutter
Dorfgemeinschaft Latrop

In Latrop jedenfalls ist man froh, dass das Zaun-Thema eben keines mehr ist. Die Entscheidung habe sich abgezeichnet, analysiert Ulrich Lutter, 1. Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Latrop: „Es ist eine konsequent richtige Entscheidung. Wir wollten die Wisente im Sauerland nie haben.“ Die Dorfgemeinschaft sei froh über die Kehrtwende. Alles weitere hätten jetzt die Gerichte zu entscheiden. Denn: Unabhängig vom mit Spannung erwarteten Gutachten zum Wisent-Projekt liegt der Ball im Rechtsstreit zwischen zwei Waldbauern aus Oberkirchen und dem Wisent-Trägerverein aktuell wieder beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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