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Pogrom-Gedenken
Wittgensteiner erinnern an 9. November 1938

Nachdem sie ein Gesteck und drei Kerzen beim Mahnmal am Berlebach abgelegt hatten, verlasen Schüler der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein die Namen der 54 jüdischen Nazi-Opfer aus Berleburg.
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  • Nachdem sie ein Gesteck und drei Kerzen beim Mahnmal am Berlebach abgelegt hatten, verlasen Schüler der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein die Namen der 54 jüdischen Nazi-Opfer aus Berleburg.
  • Foto: Kirchenkreis
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Auch wenn die Corona-Pandemie das Pogrom-Gedenken in diesem Jahr deutlich komplizierter als gewohnt machte, fanden in allen drei Wittgensteiner Kommunen am Montag dennoch Veranstaltungen statt, um vor Ort an die Vorgänge vor 82 Jahren – am 9. November 1938 – zu erinnern. Der Rahmen war durch die notwendigen Beschränkungen kleiner, aber den Anfang machte wie immer Erndtebrück. Grundschule und Realschule wechseln sich in der Gestaltung des Gedenkens ab, diesmal war die Realschule am Zug.
Mobile und zehn KerzenNicht im großen Klassenverband kamen die Jugendlichen an die Bergstraße zur Gedenktafel für die zehn jüdischen Erndtebrücker, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

sz Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Auch wenn die Corona-Pandemie das Pogrom-Gedenken in diesem Jahr deutlich komplizierter als gewohnt machte, fanden in allen drei Wittgensteiner Kommunen am Montag dennoch Veranstaltungen statt, um vor Ort an die Vorgänge vor 82 Jahren – am 9. November 1938 – zu erinnern. Der Rahmen war durch die notwendigen Beschränkungen kleiner, aber den Anfang machte wie immer Erndtebrück. Grundschule und Realschule wechseln sich in der Gestaltung des Gedenkens ab, diesmal war die Realschule am Zug.

Mobile und zehn Kerzen

Nicht im großen Klassenverband kamen die Jugendlichen an die Bergstraße zur Gedenktafel für die zehn jüdischen Erndtebrücker, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Die Schüler der Klasse 10 b hatten sich vorher für den Tag mit dem Thema „Erinnern“ beschäftigt. Nur Schulleiterin und Religionslehrerin Darjana Sorg und Schülersprecherin Julia Schmidt waren vor Ort, sie hatten ein Mobile mit unterschiedlichen Erinnerungs-Gedanken der Schüler und zehn Kerzen in Gläsern mit den Namen der Opfer dabei. Diese sind nun für kurze Zeit, wie es das Wetter zulässt, hier zu sehen, um Vorbeifahrende und Vorbeigehende auf den besonderen Tag hinzuweisen.

Frieden für alle

Mit den beiden Vertreterinnen der Realschule waren Bürgermeister Henning Gronau und Pfarrerin Kerstin Grünert zum Gedenken an der Bergstraße. Die kleine Veranstaltung endete mit dem abgespielten israelischen Volkslied „Hevenu Shalom Alechem“, der Bitte um Frieden für alle. Zu dieser Zeit war in Bad Berleburg schon die Klasse 10 a der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule mit ihrer Klassen- und Religionslehrerin Katharina Grebe vom Schulgebäude zu Fuß unterwegs zum Berlebach und dem Mahnmal zur Erinnerung an die Berleburger Juden. Nicht als große öffentliche Veranstaltung, aber in einem würdigen Rahmen legten die Hauptschüler ein Gesteck ab und stellten drei Kerzen auf, bevor andere von ihnen die Namen der 54 jüdischen Nazi-Opfer aus Berleburg verlasen.

„Schule für Toleranz und Zivilcourage“

In „normalen“ Jahren findet die Veranstaltung abends statt. dann mit musikalischer Unterstützung des Chores „Singsation“. Das ist in Zeiten von Corona eben nicht möglich. Die frisch gegründete Arbeitsgruppe „Schule für Toleranz und Zivilcourage“ der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule hat die Veranstalter-Aufgabe vom Arbeitskreis für Toleranz und Zivilcourage übernommen, der sich vergangenes Jahr aufgelöst hat.

Geschichte ist nicht nur Schulfach

Religionslehrerin Ines Weller von der Arbeitsgruppe dachte mit der Klasse kurz darüber nach, dass Geschichte nicht nur ein Schulfach ist, sondern auch mit dem Hier und Jetzt in Wittgenstein zu tun hat. Und während das Gedenken in Bad Berleburg lief, begannen in Bad Laasphe die Vorbereitungen. In sieben kleinen Gruppen zogen die Schüler aus der Klasse 9 a mittags vom Gymnasium Schloss Wittgenstein los, um ebenso viele Stationen mit Plakaten zu bestücken, die im Unterricht mit ihrem Religionslehrer Wolfgang Henkel und Silke van Doorn, Schulreferentin des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, entstanden waren.

Plakate regen zu Gesprächen an

Eigentlich wollten die Jugendlichen an den Stationen mit Besuchern in kleinen Gruppen ins Gespräch kommen. Das konnte so nicht stattfinden. Doch am Ende sprachen die Plakate für sich selbst und regten in den kleinen Gruppen, die nachmittags individuell auf dem Stationen-Weg unterwegs waren, zu Gesprächen an: von der ehemaligen Synagoge bis zum alten jüdischen Friedhof. Zuvor hatte der neue Bad Laaspher Bürgermeister Dirk Terlinden im Beisein von Rainer Becker, dem Vorsitzenden des Christlich-Jüdischen Freundeskreises Bad Laasphe, eine weiße Rose an den Stolpersteinen für die Familie Präger abgelegt: Max Präger war der letzte Vorsteher der Synagogen-Gemeinde in Laasphe. Auch an den übrigen Stolpersteinen auf dem Stadtgebiet legten Freundeskreis-Vorstands-Mitglieder solche Blumen zur Erinnerung ab.

Schüler gestalten Gedenken mit

Und in kleinen Gruppen machten sich zahlreiche Menschen auf den Stationen-Weg. Darunter auch Christian Tang und Dr. Bettina Kramer, der Schulleiter des Gymnasiums Schloss Wittgenstein und seine Stellvertreterin. „Ist es einerseits schon sehr gut, dass in allen drei Wittgensteiner Kommunen der Reichspogromnacht und der unmenschlichen Aktionen gegen Nachbarn damals gedacht wird, so ist es andererseits noch besser, dass überall Schüler dieses Gedenken mitgestalten“, formulierte es Jens Gesper, Pressesprecher des Kirchenkreises Wittgenstein, in einer Pressemitteilung abschließend.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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