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Barrierefreiheit: Kopfsteinpflaster ist Hindernis
Wittgensteiner Orte über Wheelmap bewerten

Der Bahnhof in Erndtebrück ist ein Paradebeispiel für eine Weiterentwicklung mit Blick auf die Barrierefreiheit. Die Übergänge zwischen den Bahnsteigen sind per Aufzug erreichbar, der Zugang erfolgt ohne Treppen.
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  • Der Bahnhof in Erndtebrück ist ein Paradebeispiel für eine Weiterentwicklung mit Blick auf die Barrierefreiheit. Die Übergänge zwischen den Bahnsteigen sind per Aufzug erreichbar, der Zugang erfolgt ohne Treppen.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

tika Bad Berleburg. Schon ein kleiner Bordstein kann für Rollstuhlfahrer zum ernsthaften Hindernis avancieren. Und bedeutet eine massive Einschränkung mit Blick auf Teilhabe und die allgemeine Bewältigung des Alltags. Eine fehlende Rampe am Eingang zum Café, zur Apotheke oder ein anderes Geschäft allerdings stellt nicht nur Menschen mit Behinderung vor Probleme. Einen Kinderwagen darüber in ein Gebäude zu befördern, birgt ebenso Schwierigkeiten. Eine Fragebogen-Aktion in Bad Laasphe soll Potenziale zur Verbesserung eruieren und die Stadt auf eine breitere Basis stellen (SZ berichtete). Unabhängig davon besteht zu einer entsprechenden Bewertung auch online die Möglichkeit. Im Internet unter www.wheelmap.

tika Bad Berleburg. Schon ein kleiner Bordstein kann für Rollstuhlfahrer zum ernsthaften Hindernis avancieren. Und bedeutet eine massive Einschränkung mit Blick auf Teilhabe und die allgemeine Bewältigung des Alltags. Eine fehlende Rampe am Eingang zum Café, zur Apotheke oder ein anderes Geschäft allerdings stellt nicht nur Menschen mit Behinderung vor Probleme. Einen Kinderwagen darüber in ein Gebäude zu befördern, birgt ebenso Schwierigkeiten. Eine Fragebogen-Aktion in Bad Laasphe soll Potenziale zur Verbesserung eruieren und die Stadt auf eine breitere Basis stellen (SZ berichtete). Unabhängig davon besteht zu einer entsprechenden Bewertung auch online die Möglichkeit. Im Internet unter www.wheelmap.org haben Nutzer – egal ob mit oder ohne körperlicher Einschränkung – die Möglichkeit, verschiedene Orte zu bewerten.

Wittgensteiner Orte bewerten

Die gemeinnützige Organisation der „Sozialhelden“ hat eine Karte für Rollstuhlfahrer online gestellt, die die gesamte Bundesrepublik Deutschland umfasst. Die Organisation gegründet hat der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen. Die Karte bietet auch die Möglichkeit, Orte in den drei Wittgensteiner Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück zu bewerten. Allerdings sind diese Bewertungen vor allem in den beiden letztgenannten Kommunen noch ausbaufähig – allein in Bad Laasphe etwa ist es noch möglich, 190 Orte erstmals hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit zu bewerten. Andere Bewertungen können stets aktualisiert werden, wenn sich hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit etwas verändert – egal ob im positiven oder negativen Sinne. „Wir wollen bundesweit – und auch international – immer bekannter werden, um mehr und mehr Rollstuhlfahrern einen aktiven und abwechslungsreichen Lebensstil zu ermöglichen. Nach und nach sollen immer mehr Städte mit möglichst vielen markierten Orten dazukommen“, wird Raúl Krauthausen auf der Internetseite von Wheelmap zitiert. Insgesamt drei Kategorien stehen zur Bewertung zur Verfügung: „voll rollstuhlgerecht“, „teilweise rollstuhlgerecht“ und „nicht rollstuhlgerecht“.
Die Siegener Zeitung schaut einmal genauer in die drei Wittgensteiner Kommunen:

Teilweise falsche Angaben

Am vergleichsweise umfassendsten bewertet sind Einrichtungen, Gaststätten und Händler in Bad Berleburg. Nur wenige Stellen sind noch unberücksichtigt – allerdings nur in der Kernstadt. Die insgesamt 23 Dörfer hingegen haben bislang nur selten eine Bewertung erfahren. Bei genauerer Recherche wird allerdings auch klar, dass nicht alle Bewertungen tatsächlich der Realität entsprechen. Einige gastronomische Betriebe etwa haben eine Bewertung mit dem Siegel „Nicht rollstuhlgerecht“ erhalten, weil der Eingang „eine hohe oder mehrere Stufen“ haben sollen. Dabei haben die entsprechenden Lokale keinerlei derartige Stufen an ihren Gebäuden verbaut. Für andere Einrichtungen wiederum ist die Bewertung deutlich realitätsnäher vorgenommen. Eine Anpassung wäre stellenweise zwingend erforderlich. Zudem besteht die Möglichkeit, gerade für ortsfremde Besucher einige Bilder zu hinterlegen, die einen fotografischen Einblick vorab liefern.

Kopfsteinpflaster ein Hindernis

In Bad Laasphe warten noch zahlreiche Orte auf eine Bewertung. Bislang haben Nutzer 24 Orte in Bad Laasphe bewertet, das Gros ist damit noch nicht berücksichtigt. Sechs Orte sind demnach „voll rollstuhlgerecht“, 15 Orte sind „teilweise rollstuhlgerecht“ und drei Orte „nicht rollstuhlgerecht“. Gerade mit Blick auf die Altstadt wäre eine Bewertung der Passagen und vor allem Alternativen zu den Kopfsteinpassagen sinnvoll – bislang sind aber nur konkrete Einrichtungen berücksichtigt, nicht etwa ganze Straßenpassagen. In der Königstraße etwa ist vollständig Kopfsteinpflaster verlegt, Fahrzeuge sollen maximal Schritttempo fahren. Für Rollstuhlfahrer ist dieser Belag aber ein echtes Hindernis. Immerhin gibt es die – etwas umständliche – Möglichkeit, den mit konventionellen Pflastersteinen verlegten Lachsweg zu befahren.

Barrierefreiheit am Bahnhof

Dass die Wheelmap tatsächlich genutzt wird, hat der Mittwoch demonstriert. Noch am Morgen war der Bahnhof in Erndtebrück als „Nicht rollstuhlgerecht“ klassifiziert, am Mittag hatte ein Nutzer diese Bewertung – anonym – geändert. Die Korrektur geschah mit Verspätung, ist nun aber richtig. Denn die Zugstation gilt durchaus als Paradebeispiel der Umsetzung von Barrierefreiheit. Seit der Sanierung und dem Umbau sind die Bahnsteige beidseitig stufenlos erreichbar, eine direkte Verbindung ist einerseits über Treppenstufen, andererseits aber durch einen neuen Aufzug hergestellt. Aber: Neben der Anlage rund um den Bahnhof ist lediglich das in der warmen Jahreszeit geöffnete Eiscafé bewertet. Ansonsten sind sämtliche öffentliche Einrichtungen und Geschäfte sowie Gastronomiebetriebe unbewertet. Die Edergemeinde hat ergo durchaus Nachholbedarf bei der Bewertung einzelner Orte.

Der Bahnhof in Erndtebrück ist ein Paradebeispiel für eine Weiterentwicklung mit Blick auf die Barrierefreiheit. Die Übergänge zwischen den Bahnsteigen sind per Aufzug erreichbar, der Zugang erfolgt ohne Treppen.
Das Kopfsteinpflaster der Königstraße in Bad Laasphe ist alles andere als rollstuhlfreundlich. Ein schwacher Trost ist  der gepflasterte „Lachsweg“.
Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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