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Vortrag machte in Berleburg Lust auf Literatur des heißen, oft unbefestigten Pflasters Russland

JG Bad Berleburg. Nach über zwei Stunden voller Dunkelheit, Dias und Dramatik saß man am Montagabend ein wenig atemlos in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Kein Wunder, hatten doch die rund 60 Zuhörer gerade nicht nur den Auftakt des Berleburger Literaturpflasters zum Thema »Russland« hinter sich gebracht, sondern auch eine Fahrt von rund 13000 Kilometern – quer durch das Riesenreich im Osten, das eigentlich fast schon wieder im Westen erst endet.

Mit Konstantin Abert hatte Organisatorin Rikarde Riedesel für die Audiovision einen echten Kenner gewonnen. Der Lehrbeauftragte des Fachbereichs »Politologie« an der Mainzer Universität ist seit 1990 immer wieder in Russland unterwegs. Und hat auf zahlreichen abenteuerlichen Fahrten nicht nur jeden Stock und jeden Stein, sondern all die verschiedenen Volksgruppen in der Russischen Föderation ins Herz geschlossen.

Und sein Herz wollte denn beim Vortrag auch stets überfließen: Öfters vorbei an jeder deutschen Grammatik, dafür aber mit den vielsilbigen Namen der russischen Städte elegant jonglierend, brachte er den Zuschauern zunächst einmal die beiden auch im übrigen Europa bekannten Metropolen westlich des Urals näher: Moskau und Sankt Petersburg. Mal mit der seelenvollen Melodie der »Moskauer Abende« unterlegte Dias, nur knapp am Kitsch vorbei, mal mit Portraits aus dem modernen Petersburg. Wenn man vergaß, dass ein Drittel seiner Bevölkerung unterm Existenzminimum vegetierte, dann schien die Stadt schon fast im Westen angekommen. Wie Moskau, wo inzwischen das Billy-Regal von Ikea auch in kyrillischen Buchstaben angeboten wird. Ein Dia diente als unumstößlicher Beweis.

Passend an dieser Stelle: ein kleiner Exkurs in die Politik. Konstantin Abert erzählte von Michail Gorbatschow, einem vielfach gehassten Mann, den in Russland heutzutage keiner zärtlich Gorbi nennen würde. Und der Politologe sprach über Vladimir Putin, janusköpfig wie das russische Staatswappen. Einerseits ein Garant für Stabilität und Verlässlichkeit, andererseits ein übermotivierter und wenig kluger Unterjocher anderer Regionen: »Denken Sie an Tschetschenien, da kriegt man das kalte Grausen.«

Dass Konstantin Abert wirklich ein Liebhaber Russlands ist, wurde klar, als er sogar an Kaliningrad Schönes fand. Denn eigentlich ist das alte Königsberg, seit der Selbstständigkeit der baltischen Staaten und Weißrusslands vom Rest Russlands abgetrennt, eine bedauernswerte Enklave, noch immer gezeichnet von den Wunden des Zweiten Weltkriegs. Dass dem 36-Jährigen die Krim im Süden der Ukraine gefiel, war hingegen mehr als einleuchtend, galt sie doch als die Adria der Sowjetunion. Als er hier allerdings in einem U-Boot ein Schild aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckte, das gegen den deutschen Feind – die Fritzen sollten versenkt werden – hetzte, wurde ihm mulmig. Dabei kam der wirklich gefährliche Teil der Reise doch erst noch. Denn Konstantin Abert wollte nach Wladiwostok. Zusammen mit der Mainzerin Silvia Wulf-Baldes von der Humanitären Hilfsaktion »Salve Hospes in Terra«. Genauere Informationen hierzu bietet Konstantin Aberts Homepage »www.faszination-russland.de«.

Durch x Länder der Russischen Föderation, die auf »-etien« enden und selbst in Weltspiegel und Auslandsjournal für hektisches Drehen am Globus sorgen würden, nahm der Referent seine Besucher mit. Es ging über Pisten, die den Namen »Waldweg« nicht verdient hätten. Am eindrucksvollsten war jedoch der Transport mit der Eisenbahn, die einzige Möglichkeit, einen komplett straßenfreien Teil der Reise zu absolvieren. Auf einem vier Meter langen Zug, bewegt von drei E-Lokomotiven ging es für Konstantin Abert und Silvia Wulf-Baldes Richtung Osten.

Sie standen mit ihrem Wohnmobil auf der letzten Wagen-Plattform: »Die Loks haben wir nie zu Gesicht bekommen.« Ihr eigenes Gefährt stammte aus der technischen Steinzeit, nicht ohne Grund: Da konnten wir den Bremszylinder auch mal selbst wechseln und hatten keine Probleme mit fehler-anfälliger Elektronik. Und trotzdem war bei aller technischer Versiertheit der Gemütszustand der Überlandfahrer wohl letztendlich nur als eine naive Unbekümmertheit zu fassen, die eigentlich eine sofortige Ehrenbürgerschaft im improvisations-freudigen Russland hätte nach sich ziehen müssen. Aber die gab es nicht, auch nicht als die beiden Deutschen in Wladiwostok ihre Spende wohlbehalten an die gebürtige Amerikanerin Rachel übergaben, die sich in der Stadt mit Goldgräber-Mentalität um die Straßenkinder kümmert.

Die Rückfahrt erlebten die Besucher der Multivisions-Schau dann im Zeitraffer. Konstantin Abert zeigte zahllose Bilder seiner Begleiter, die alle unterwegs mal auf seinem Beifahrersitz saßen: Menschen, deren Schicksale der Deutsche in nur wenigen Stichwörtern zusammenfasste. Und er kannte und nannte jeden Einzelnen bei seinem Namen.

Konstantin Abert illustrierte, dass die Russische Föderation nicht nur ein heißes Pflaster, sondern gleichermaßen ein ganzes Universum ist. Und so machte er Lust auf das Berleburger Literaturpflaster Russland, das heute Abend weitergeht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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