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Zu viele fahren zu schnell durch den Ort
„Zugereister“ bringt viel Schwung nach Hemslar

Der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt bereitet Ortsvorsteher Helmut Janner größere Sorgen. Viel zu viele Verkehrsteilnehmer sind hier in Hemschlar zu schnell unterwegs.
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  • Der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt bereitet Ortsvorsteher Helmut Janner größere Sorgen. Viel zu viele Verkehrsteilnehmer sind hier in Hemschlar zu schnell unterwegs.

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vc Hemschlar. Die 300 Einwohner in Hemschlar setzen seit 2014 auf einen neuen Ortsvorsteher – einen „Zugereisten“, der mit einer seiner ersten Amtshandlungen anregte, einen Dorfverein zu gründen. Das Amt kam für Helmut Janner recht überraschend: Eines Tages habe ihm seine Ehefrau Esther erzählt, der Mann von Arbeitskollegin Hildegard Kaiser suche noch einen Ortsvorsteher für Hemschlar. „Wäre das nicht was für Helmut?“, habe die Ehefrau von CDU-Urgestein Hermann Kaiser gefragt. „Auf einer Fahrt von Bad Berleburg nach Hemschlar habe ich mich gefragt, ob das wirklich ernst gemeint war“, erinnert sich der Ortsvorsteher. Klarheit brachte schließlich ein Telefonat mit Hermann Kaiser.
Hemschlar will bei Dorfwettbewerb antreten
Und Hemschlar hatte wenig später seinen neuen Ortsvorsteher.

vc Hemschlar. Die 300 Einwohner in Hemschlar setzen seit 2014 auf einen neuen Ortsvorsteher – einen „Zugereisten“, der mit einer seiner ersten Amtshandlungen anregte, einen Dorfverein zu gründen. Das Amt kam für Helmut Janner recht überraschend: Eines Tages habe ihm seine Ehefrau Esther erzählt, der Mann von Arbeitskollegin Hildegard Kaiser suche noch einen Ortsvorsteher für Hemschlar. „Wäre das nicht was für Helmut?“, habe die Ehefrau von CDU-Urgestein Hermann Kaiser gefragt. „Auf einer Fahrt von Bad Berleburg nach Hemschlar habe ich mich gefragt, ob das wirklich ernst gemeint war“, erinnert sich der Ortsvorsteher. Klarheit brachte schließlich ein Telefonat mit Hermann Kaiser.

Hemschlar will bei Dorfwettbewerb antreten

Und Hemschlar hatte wenig später seinen neuen Ortsvorsteher. „Ich hatte mir aus meiner Zeit aus Alsfeld und Niederlaasphe eigentlich geschworen, keine Ämter mehr anzunehmen“, berichtet Helmut Janner. Dieser Vorsatz hat in Hemschlar aber nicht allzu lang gehalten – schließlich wurde der Neu-Wittgensteiner nicht nur Ortsvorsteher, er ist seit 2014 auch Vorsitzender des Dorfvereins, der sich um alle Belange kümmert, die sich um das Dorfgemeinschaftshaus in der alten Schule drehen. Die Arbeit im Dorfverein mit einer stattlichen Anzahl an aktiven Mitgliedern bereite ihm wirklich Spaß, sagt er und verweist auf Aktionen wie das Dorffrühstück in Corona-Zeiten. „Wir haben einfach gefragt, wer beim Dorffrühstück mitmachen möchte, und dann kleine Körbchen mit allem gepackt, was ein Frühstück ausmacht. Mit einigen Wagen haben wir die Körbchen ausgefahren, direkt vor die Haustür. Das machte einfach Spaß“, berichtete der Ortsvorsteher, der schon ein neues Dorffrühstück im Hinterkopf hat. „Ich hoffe, dass wir aufgrund der niedrigen Inzidenzzahlen mehr machen können. Jeder sehnt sich nach Geselligkeit.“ Im kommenden Jahr will Hemschlar beim Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ antreten.

Die Kinder beleben Dorfjugendhütte wieder

Es freut den Ortsvorsteher aber vor allem, dass das Dorf etwas für Kinder bieten kann. Das fängt mit dem Spielplatz an, der direkt bei der alten Schule, dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus, zu finden ist. Hier sei der Besuch gut, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Platz gepflegt und seit 2015 mit einem neuen Spielgerät ausgestattet sei. „Bei diesem Projekt haben der Schießverein und die Löschgruppe großartig mitgeholfen“, berichtet Helmut Janner zufrieden. Auch die durch die Kinder wiederbelebte Dorfjugendhütte macht viel Freude. Eines Tages hätten Kinder den Schlüssel dafür eingefordert und seitdem die Hütte geputzt und genutzt.

Ein Bienenhotel hängt dort erst seit vier Wochen und schon summt und brummt es in dem kleinen Kasten. „Ich hoffe, noch Bienenfutterautomaten aufstellen zu können. In den umgebauten alten Kaugummiautomaten lagern kleine Tüten mit Wiesenblumensamen. Ich hoffe, dass die Genehmigung dafür bald kommt. Es sind diese nachhaltigen Kleinprojekte, mit denen man gut vorwärts kommt“, betont der Koordinator für Krankenfahrten.

Ungebremster Durchgangsverkehr ist ein Problem

Dazu gehört auch ein erfolgreicher Förderantrag bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Damit konnten im vergangenen Jahr sechs Laptops, ein Drucker und Bluetooth-Lautsprecher erworben werden. „Die Technik war eigentlich für Fortbildungen gedacht. Wir haben die Laptops aber in Zeiten von Homeschooling im Dorf ausgeliehen – das wurde gerne angenommen.“
Neben all dem Positiven, das die Hütte der Dorfjugend und der Bienenkasten darstellen, gibt es nur zwei Meter weiter ein Problem in Hemschlar: der ungebremste Durchgangsverkehr. „Ich habe Sorge, dass hier Kinder auf die Straße laufen. Daher haben wir tatsächlich über die Versetzung der Hütte nachgedacht“, sagt Helmut Janner, während ein Lkw von oben kommt, den Zebrastreifen überfährt und erst an der Einmündung zur B 480 bremst. „Wie soll so ein Lkw rechtzeitig bremsen? Selbst bei 50 km/h – unmöglich. Und hier fahren die Wagen oftmals fast 90 km/h bis 50 Meter vor dem Zebrastreifen. Und diese Raser stammen auch aus Wittgenstein.“ Er habe Messgeräte von der Stadt angefordert, auch wenn er keine Hoffnung hat, dass sich schnell etwas ändert.

Der Zugezogene Helmut Janner ist seid 2014 Ortsvorsteher von Hemschlar.
  • Der Zugezogene Helmut Janner ist seid 2014 Ortsvorsteher von Hemschlar.
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Einige Sorgen bereitet die demografische Entwicklung in Hemschlar. „Wir haben aktuell 30 Schulkinder. Aber es fehlt Zuwachs, gerade an jungen Familien“, betont Helmut Janner. Man habe keine Möglichkeit, weitere Bauplätze anzubieten, obwohl Hemschlar durchaus gefragt sei bei jungen Familien. Er sehe die Gefahr, falls sich nichts ändere, dass das Dorf langfristig weiter an Bevölkerung verliere.

Das Engagement im Dorf ist mit Geld nicht zu bezahlen

Die alte Schule ist den Bürgern in Hemschlar lieb und teuer. Neben dem Spielplatz und einem Grillplatz befindet sich hier auch das Dorfgemeinschaftshaus samt Garage für die Feuerwehr. Helmut Janner führt durch das Dorfgemeinschaftshaus, das sich frisch renoviert präsentiert: „Ohne einen Trupp rüstiger Rentner wäre das unmöglich gewesen. Die Pandemie hat die Arbeiten zwar ausgebremst, aber nicht gestoppt.“

Das Dorfgemeinschaftshaus ist in Hemschlar der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Dorflebens.
  • Das Dorfgemeinschaftshaus ist in Hemschlar der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Dorflebens.
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Das alte Klassenzimmer verwandelte sich in einen Multifunktionsraum für Feste und Vorträge für bis zu 60 Personen gleichermaßen. Moderne Technik wie Beamer und WLAN gehören im Dorfgemeinschaftshaus dazu. „Die Fenster sind neu, die Wände wurden gedämmt, der Fußboden ist neu – ich denke, das kann sich sehen lassen“, sagt Helmut Janner und zeigt einen Raum weiter eine Küche, in der sich selbst Gastronomen wohlfühlen würden – Zapfanlage inklusive. Die Küche wie auch die Multimediaausrüstung im großen Saal wurden durch Heimatschecks finanziert – in Sachen Förderprogramme ist die Stadt Bad Berleburg eben ganz weit vorne.

An einer Wand hängen übrigens Fahndungsplakate von einigen Mitgliedern des Bautrupps. Die haben nicht gegen die Bauvorschriften verstoßen, sondern sind mit ihrem Ortsvorsteher in einer Westernstadt bei Alsfeld gewesen. Die Stimmung im Ehrenamt muss halt passen, denn was da von den Bürgern an Stunden geleistet wurde und wird, wäre sonst kaum zu bezahlen. Ein Beweis für die nicht allzu steile These finden die Besucher im Keller des Dorfgemeinschaftshauses. Hier findet sich eine zweite Küche, die auf Höhe des Grillplatzes liegt und genutzt werden kann, wenn Mais und Wurst beim Dorfgemeinschaftshaus geröstet werden.

Rabenvögel suchen Nähe zu Wisenten und Bisons

Weiterer Förderantrag für Kleinprojekte

„Ein Highlight ist die Damentoilette“, betont der Ortsvorsteher und lacht. Die befindet sich im Gewölbekeller und ist mit allem Notwendigen ausgestattet – und noch mit ein wenig mehr. Denn in den Wandnischen wurden LED-Lichterketten entlang gezogen, Halter für Teelichter warten darauf, befüllt zu werden, und für Handtaschen oder Oberbekleidung steht ein sogenannter „stummer Diener“ in der Raummitte. „Bei der Sanierung kam es auch auf die Kommunikation mit der Stadtverwaltung an. Mit Tanja Daus vom Immobilienmanagement der Stadt und Kämmerer Gerd Schneider hat das super geklappt.“

Ein weiterer Förderantrag für nachhaltige Kleinprojekte ermöglicht nun auch die nächste Sanierung am Dorfgemeinschaftshaus. „Die Handwerker kommen im Juli. Es geht um einen neuen Fassadenanstrich und um einen Teil der Dachfläche“, berichtet der Ortsvorsteher im SZ-Gespräch. „Das Dorfgemeinschaftshaus ist danach kernsaniert. Wir müssen noch eine Eigenbeteiligung von 20 Prozent stemmen, aber wir haben einen guten Kassenwart.“ Der Vorstand des Dorfvereins sei eine tolle Truppe, die ganz harmonisch zusammenarbeite: „Hier in Hemschlar macht es richtig Spaß, etwas auf die Beine zu stellen!“

Das Engagement macht übrigens nicht beim Dorfgemeinschaftshaus Halt. Einige städtische Flächen werden ebenfalls vom Dorfverein betreut. Da ist etwa Thomas Simon, der ehrenamtlich den Friedhof mäht. Auch Karl-Georg Dreisbach ist regelmäßig mit dem Freischneider am Friedhof unterwegs und sorgt für freie Ränder und ein gepflegtes Ehrenmal – und das mit 83 Jahren. Oft gefragt ist auch Fritz Treude, der für alles rund um die Ortshistorie immer ein hervorragender Ratgeber ist. Helmut Janner: „Wenn man solche Menschen, und dabei will ich den harten Kern beim Dorfgemeinschaftshaus sicher nicht vergessen, hinter sich hat, kann es nur klappen.“

Autor:

Christian Völkel

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