Zwei Vikare auf dem langen Weg ins Pfarramt

Zuvor gab es ein »brutales Ausleseverfahren«

howe Raumland. Man mochte gestern erstaunt sein ob der Tatsache, dass in Wittgenstein seit 1. November zwei Vikare ihren Dienst angetreten haben. Schließlich sind die Voraussetzungen für die Stellvertreter zweier Pfarrer in zweierlei Hinsicht nicht gerade einladend: Zum Einen vermeldet die Synode des Kirchenkreises Wittgenstein seit Jahren nichts anderes als Stellenkürzung und Mittelknappheit, zum Anderen gehen zur Zeit die jungen Christen auf die Barrikaden. Sie befürchten, dass der Jugendarbeit ein jähes Ende gesetzt werden könnte. Und dann kommen zwei Vikare nach Wittgenstein?

Bad Laasphes Pfarrer Dieter Kuhli, einer der Mentoren, stimmte der kritischen Nachfrage gestern beim Pressegespräch in Raumland zu. Es würden in der Tat in allen Bereichen Stellen abgebaut, auch Pfarrstellen. Allerdings müsse man eine Zukunftsperspektive entwickeln. »Klar ist, wir brauchen Nachwuchs«. Raumlands Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer sprach von einer »Verrentungswelle«, die komme. Auf einen Schlag gingen sehr viele Leute in den Ruhestand, da sei es wichtig, die Jungen für den Beruf zu begeistern. Begeistert sind Kerstin Grünert und Sven Henner Stieghorst, sonst hätten sich die beiden Vikare nicht dazu entschlossen, nach ihrem ersten Examen des Theologiestudiums den kirchlichen Berufsweg einzuschlagen. Ob am Ende eine Pfarrerin oder ein Pfarrer dabei herauskommen, das steht freilich noch in den Sternen. Kerstin Grünert, 28-jährige Hilchenbacherin, hat studiert, »weil es mich interessiert hat«. Sie wisse, dass die Vikariatsplätze heiß umkämpft seien. Ihr gehe es darum, einen Abschluss zu erreichen. Sven Henner Stieghorst, 34 Jahre, aus Bielefeld, arbeitet seit seinem Abitur in und für die Kirche. Ob er Pfarrer werde, sei nicht sicher. Man müsse einfach schauen, wie sich die Lage entwickle. Zweieinhalb Jahre dauert die zweite Phase des Examens.

Kerstin Grünert durchläuft gemeinsam mit ihrem Mentor Dieter Kuhli das kirchengemeindliche Leben in Bad Laasphe, Sven Henner Stieghorst wird von Dr. Dirk Spornhauer in Raumland begleitet. Die beiden Vikare freuen sich jetzt auf die Arbeit mit den Menschen in den Gemeinden. Schließlich haben sie mit dem Ende der Studienzeit ein »brutales Ausleseverfahren« mitmachen müssen, wie Dieter Kuhli feststellte. Von den Examensabsolventen würden nämlich nicht einmal die Hälfte übernommen.

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