SZ-Interview mit Poetry-Slamer Tobias Beitzel
Zwischen Arfeld und Aachen

Tobias Beitzel ist auf den großen Bühnen Deutschlands unterwegs.
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sabe Bad Berleburg. Comedy-Auftritte hatte Tobias Beitzel quasi schon mit elf: Weihnachts- oder Geburtstagsfeiern, ein Treffen mit Freunden. „Ich konnte mir schon damals immer wahnsinnig gut Texte merken.“ Mittlerweile haben dieses Talent und eine deftige Portion Charisma den 22-jährigen Arfelder auf die großen Bühnen Deutschlands gebracht: Der Poetry-Slam ist seine große Leidenschaft. Deutschsprachige Meisterschaften, NRW-Meisterschaften – erst Aachen, dann zwei Wochen später Berlin. 2019 war für den „Slamer“ und selbstständigen Autor ein aufregendes Jahr.
Auch jetzt hat er wieder Termine, die bereits ins kommende Jahr hineinreichen. Seiner Wittgensteiner Heimat, alias „Bad Bällebach“ („So wird Bad Berleburg von meinen Kollegen immer genannt, weil sich niemand den richtigen Namen merken kann“), will er aber vorerst trotzdem treu bleiben. Wie sein Leben zwischen Autobahn und Arbeitsplatz so aussieht, was für Potenzial der duale Student im Poetry-Slam sieht und warum er das Format unbedingt auch „aufs Land“ holen will, darüber hat er in Bad Berleburg mit der Siegener Zeitung gesprochen.

Eine Beschreibung deiner Person in einem Satz?
Tobias Beitzel: Ich bin sehr extrovertiert und habe immer ein großes Mitteilungsbedürfnis.
Wieso Poetry-Slam?
Tobias Beitzel: Die Bühnen bieten Raum für Meinungen. Davon habe ich viele. Ich rede viel und gerne und da hören mir die Menschen zu. Im Poetry-Slam geht alles, die Abende stecken voller Überraschungen. Ob der kleine Slam in der Kneipe oder der vor dem großen Publikum. Man hat eine unglaubliche Vielfalt. Der Poetry-Slam bietet dafür den Rahmen, den Inhalt können die Künstler selber füllen. Gedichte, Analysen, Reden – politisches, emotionales, humorvolles. Vom Blatt oder ohne Blatt, es geht alles.
Worüber schreibst und sprichst du am liebsten – das gehört ja im Poetry-Slam zusammen, oder?
Tobias Beitzel: Ja. Ich habe auch immer ein kleines Notizbuch dabei oder speichere mir Dinge schnell in meinem Handy ab. Sachen, die mir durch den Kopf gehen, die ich im Alltäglichen bemerke. Oder auch einfach Quatschgespräche. Ich denke immer, vielleicht kannst du das nochmal gebrauchen. Eigentlich sind die meisten meiner Texte Beobachtungsanalysen. Und so sind viele dann auch aufgebaut, in einer gespielten Analyse-Sprache. Oft schreibe ich über Dinge, die mich einfach aufregen. Je wütender ich bin, umso schneller schreiben sich die Texte, oft politisches. In den letzten drei Monaten versuche ich mich aber auch vermehrt an Comedy, quasi Beobachtungscomedy.
Wie der Text im Apollo-Theater über das Leben auf dem Dorf (hier werden Sitten und Bräuche humoristisch auf den Arm genommen)?
Tobias Beitzel: Genau. Das ist ja auch irgendwo ein Stück Selbstsatire. Ich bin ja schließlich selbst in einer Burschenschaft und spiele Kreisliga-Fußball, bin also Vereinsmensch und ich genieße das auch, lebe das selbst. Aber ich finde, man darf sich manchmal auch ruhig mit einem Augenzwinkern betrachten. Das würde der Comedy in Deutschland allgemein mal ganz gut tun. Nicht nur über andere zu lachen, sondern über sich selbst.
Gehört der Slam nur dem Urbanen?
Tobias Beitzel: Auf keinen Fall. Ich selbst hatte einen meiner ersten öffentlichen (Spontan-) „Auftritte“ auf unserer Kirmes. Da hat jemand ein Video gemacht und das ging viral. Ich glaube, das Format hat sehr viel Potenzial, trifft einen Nerv, gerade auch bei jungen Leuten, da haben wir hier eine große Lücke im kulturellen Angebot.

Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Bad Berleburg

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