Zwischen Ei- und Seitensprung

Schüler des Berleburger Berufskollegs beschäftigten sich gestern mit Liebe, Sexualität und Aids

JG Bad Berleburg. Wie viel Flüssigkeit passt eigentlich in ein handelsübliches Kondom? 18 bis 20 Liter! Ungewöhnliche Fragen wurden gestern Morgen im Berleburger Berufskolleg Wittgenstein gestellt – und noch besser: danach sogar beantwortet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hatte nämlich ihren Mitmach-Parcours zu Aids, Liebe und Sexualität in Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- und dem Jugendamt des Kreises in Wittgenstein aufgestellt.

300 Leute auf dem Parcours unterwegs

Über den Daumen waren 300 junge Männer und Frauen gestern auf diesem Parcours unterwegs, wobei trotz Mitmach-Aufforderung im Sportraum am Breitenbach alles äußerst wohlgesittet ablief. Denn die Hosen wurden hier nur im übertragenen Sinne runtergelassen. Etwa wenn jemand fünf andere Wörter für die Vokabel »Kondom« finden musste oder wenn man pantomimisch scheinbar Unaussprechliches darstellen sollte, wie etwa lesbische Liebe.

Berufsschüler drehten am Glücksrad

Die Teenager und Twens ––von der Höheren Handelsschülerin über den Kfz-Mechaniker bis hin zu Einzelhandels-Kaufleuten – hatten fünf Stationen zu absolvieren. An einem Glücksrad drehten sich die Wittgensteiner Fragen und Aufgaben zum Thema »Liebe, Sexualität und Schutz vor HIV«, quasi durch die Hintertür wurden dir Jugendlichen aufmerksam gemacht auf Ansteckungsrisiken und die Möglichkeiten des eigenen Schutzes.

Verhütungsmittel aus dem Beutel

Ähnlich ein kleiner Beutel, aus dem die Schüler an einer anderen Station Verhütungsmittel ziehen konnten. Denn wenn auch die Verhinderung von einer HIV-Infektion bei diesem Mitmach-Parcours im Vordergrund stand, so ging es doch auch um die Verhinderung von Schwangerschaften ganz allgemein.

Gefahr durch Mücke oder Tätowierung?

Auf wie wenigen Wegen ein hohes Risiko besteht, dass sich das HI-Virus als Auslöser einer späteren Aids-Erkrankung in einem Körper einnistet, das lernten die Schüler an einer Schauwand mit lustigen kleinen Cartoons. Vom Mückenstich über die Tätowierung bis zu verschiednen Versionen des Geschlechtsverkehrs reichten die Szenarien, die auf ihr Aids-Ansteckungs-Gefährdungs-Potenzial überprüft wurden. Hier wurden die jungen Leuten ebenfalls eingebunden, mussten zunächst einmal selbst angeben, wie hoch sie das Risiko einschätzten. Noch größer war der Einsatz an der Pantomime-Station, hier wurden Begriffe in der Riesenbandbreite vom Ei- bis zum Seitensprung ohne Worte dargestellt. Auch damit baute der Parcours spielerisch und fast unbemerkt Hemmschwellen ab. Setzten durften sich die Schüler nur an der fünften Station.

Wichtige Botschaft: »Habe Mitgefühl«

Nachdem sie zunächst völlig frei und liebevoll eine Persönlichkeit erfunden hatten, kam der Holzhammer: Dieses Geschöpf bekam von einer Sekunde auf die andere eine HIV-Infektion. Dass es trotzdem weiterleben konnte, wenn man es ließ, sogar gut weiterleben konnte, das vermittelten die Moderatoren an dieser Station. Die erste und wichtigste Botschaft hier: »Habe Mitgefühl.«

Fünf Stationen à 15 Minuten

Das fasste jedenfalls Joachim Walbert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gestern in einem Pressegespräch so zusammen. Er skizzierte auch kurz den Entstehungsweg des Parcours, der sich vor allem an einem orientierte: Das Thema sei zu wichtig, lebenswichtig, um es allein gut gemeinten, aber wenig gelesenen Broschüren zu überlassen. Konzentriert und erlebnis-orientiert ermutige der Parcours zum Fragenstellen, die würden übrigens dann nicht alle sofort oder erschöpfend beantwortet. Das ginge auch gar nicht in der Viertelstunde, die pro Station vorgesehen sei. Hier setze man darauf, dass die Schüler selbst weiter denken oder andere Ansprechpartner vor Ort kontaktieren würden. Das falle leichter, wenn man jemanden schon einmal gesehen habe. Gemeint waren dabei Thomas Wüst von der Aids-Beratung im Kreisgesundheitsamts und Judith Reifenrath, beim Kreisjugendamt für den Kinder- und Jugendschutz zuständig. Beide betreuten gestern Stationen und sind für die heimischen Jugendlichen auch Ansprechpartner in Siegen. Für den unglücklichsten Fall der Fälle wies Thomas Wüst darauf hin, dass zu den üblichen Öffnungszeiten auch in der Berleburger Geschäftsstelle des Kreisgesundheitsamtes für jeden anonym und kostenlos einen Aids-Test gebe.

»Mit neuen Kenntnissen nach Hause«

Gesundheits- und Jugendamt arbeiten derzeit übrigens mit der Siegener Uni zusammen, um einen eigenen Liebes-Parcours für Siegen-Wittgenstein zu entwerfen. Dieser soll ab dem kommenden Winter allen Kreisschulen zur Verfügung stehen. Der Berleburger Schulleiter Werner Gölzer würde sich über einen weiteren Besuch freuen, denn gestern stand für ihn fest: »Heute Abend sind für einige Schüler bestimmt einige Probleme gelöst. Sie gehen mit neuen Kenntnissen nach Hause.« Und dafür ist eine Schule doch auch da.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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