Renate Hahn mit "Mahnung" in Zitadelle von Spandau
Eindrückliche Mahnung

Die Bad Laaspher Künstlerin Renate Hahn war beim 1. Bildhauersymposium in der Spandauer Zitadelle mit einer Installation und Performance vertreten, die unter die Haut ging. Eine Mahnung!
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  • Die Bad Laaspher Künstlerin Renate Hahn war beim 1. Bildhauersymposium in der Spandauer Zitadelle mit einer Installation und Performance vertreten, die unter die Haut ging. Eine Mahnung!
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sz Bad Laasphe/Spandau. Noch nie ist es Renate Hahn so dringlich gewesen, ein künstlerisches Statement zum immer stärker werdenden Rechtsruck abzugeben, der mit Hassreden und Leugnung der deutschen Geschichte einhergeht. Die in Bad Laasphe lebende Künstlerin hat, wie sie mitteilt, sechs Jahre lang Ahnenforschung betrieben, um herauszufinden, in welcher Weise ihre Vorfahren im Nationalsozialismus in die Vernichtung von jüdischen Menschen, Zeugen Jehovas und/oder politischen Gegnern des damaligen Regimes verwickelt waren. Anlass zu dieser Forschung war die Entdeckung, dass der vom Vater geerbte Schreibtisch und Schreibtischstuhl aneiner sehr versteckten Stelle einen Wehrmachtsstempel mit Hakenkreuz trugen. Diese Entdeckung rief pures Entsetzen bei ihr hervor, denn seit sie denken kann, ist sie gegen jede Form von rechtsradikalem Denken aufgestanden.

Als Vertreterin von ASK und Stadt Siegen dabei

Die Bereitschaft, auf Einladung der Stadt Siegen und als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK) am 1. Bildhauersymposium auf der Zitadelle Spandau (unter Leitung der Künstlerin Danit) teilzunehmen, war an die Zusage geknüpft, dass Räume für ihre geplante Installation und Performance genutzt werden könnten mit einem unmittelbaren Bezug zur Geschichte der Möbel. Die weiteren beteiligten Kunstschaffenden mit je eigenen Positionen waren Vladimir Seryakov (Wolgograd), Guido von Martens (Havelland), Danièle Taulin-Hommel (Asnières sur Seine), Wladimir Rudolf (Faßberg) und Danit (Berlin).

Den Hass auf alles Fremde beenden!

Renate Hahn entwickelte mit „Mahnung“ eine Installation und Performance, die zugleich ein Rückblick als Täter-Enkelin in die Geschichte ist, ein Blick auf den Holocaust und zugleich eine Mahnung für Gegenwart und Zukunft, den Hass gegen Juden und Fremde zu beenden und ihm entschlossen entgegenzutreten (ihre eigene Initiative ist es auch, sich seit 2015 als Leiterin einer Flüchtlingsinitiative zu engagieren).

Installation im Gewölbe der Zitadelle von Spandau

Der Schreibtisch und der Schreibtischstuhl – Symbole für Macht und Machtmissbrauch – wurden in ein Gewölbe auf der Zitadelle in Berlin-Spandau verbracht, in dem die Entwicklung von Giftgasen durch die Nazis stattgefunden hatte. In den Schreibtisch wurden hundert Namen von deportierten Menschen eingeritzt, die in Spandau gelebt haben und deren Geschichte Renate Hahn während ihres Aufenthalts kennengelernt hat. Als Symbol für Vernichtung, aber gleichzeitig auch für Heilung ist der Schreibtisch mit einem Kegel aus Asche bedeckt und von Asche umgeben. Ein ein Nest aus Asche – in Anlehnung an den alttestamentlichen Hiob – ist Ort für die Deklamation des Volksliedes „Kommt ein Vogel geflogen“, das die in Zwangsarbeit arbeitenden Häftlinge singen mussten, wenn sie zu Tode erschöpft und hungrig abends ins Konzentrationslager zurückkehrten. Sie nutzten dieses Lied als Widerstandslied. Eine Gasmaske aus dem Zweiten Weltkrieg diente ebenso als Requisit wie ein Rock, den Renate Hahn aus Sackleinen vor Ort genäht hat. Ein weiteres Objekt dieser Installation ist eine verrostete Asche-Kiste, auf der mit Hilfe einer Timeline die Kriege aufgeführt werden, die seit dem Zweiten Weltkrieg die Welt erschüttert haben.

Sonny Thet begleitete Performance

„It’s time for action“, ein Zitat von Yoko Ono, unterstreicht die Dringlichkeit, aufgrund deren die Menschheit verstärkt nach Frieden suchen sollte. Die Performance selbst wurde von Sonny Thet, einem in Berlin bekannten Musiker, am Violoncello begleitet und von Kerstin Brandt gefilmt.
Die Ausstellung „Sprung – 6 Künstler, 6 Positionen“ wird noch bis zum 8. November in Spandau gezeigt und soll dann in die Partnerstädte der Stadt wandern. Renate Hahn hofft, dass die Schau auch in Siegen oder im Kreis Siegen-Wittgenstein zu sehen sein wird.

Autor:

Redaktion Kultur aus Siegen

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