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Eva Luise Roth stammt aus Bad Laasphe und ist u.a. Referentin für Amateurmusik
Landesmusikrat NRW ein "Gatekeeper" im positiven Sinn

Singen im Chor tut gut – der Gemeinschaft und dem Einzelnen. Der Landesmusikrat will Amateurmusiker und -musikerinnen bei ihren Unternehmungen unterstützen, ist aber auch für Profis da. Er ist „die Stimme der Musik in NRW“.
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  • Singen im Chor tut gut – der Gemeinschaft und dem Einzelnen. Der Landesmusikrat will Amateurmusiker und -musikerinnen bei ihren Unternehmungen unterstützen, ist aber auch für Profis da. Er ist „die Stimme der Musik in NRW“.
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zel Düsseldorf/Köln/Bad Laasphe. Das Wort „Lobbyarbeit“ liebt sie nicht – „das klingt so nach Hinterzimmer“, sagt Eva Luise Roth, „wir flüstern niemandem ein“. Sie beschreibt den Verein, bei dem sie seit rund 20 Jahren arbeitet, lieber so: „Der Landesmusikrat ist die Stimme der Musik in NRW, und die soll laut klingen.“ Roth, die in Siegen geboren wurde und in Bad Laasphe aufgewachsen ist, ist beim LMR Referentin für Amateurmusik und Berufsmusik. Die Geschäftsstelle des Landesmusikrats ist in Düsseldorf, das liegt nahe. Hier arbeiten 14 festangestellte Mitarbeiter/-innen, dazu kommen Externe, die für bestimmte Projekte zuständig sind. Eva Luise Roth wohnt in Köln, das liegt auch nahe.

zel Düsseldorf/Köln/Bad Laasphe. Das Wort „Lobbyarbeit“ liebt sie nicht – „das klingt so nach Hinterzimmer“, sagt Eva Luise Roth, „wir flüstern niemandem ein“. Sie beschreibt den Verein, bei dem sie seit rund 20 Jahren arbeitet, lieber so: „Der Landesmusikrat ist die Stimme der Musik in NRW, und die soll laut klingen.“ Roth, die in Siegen geboren wurde und in Bad Laasphe aufgewachsen ist, ist beim LMR Referentin für Amateurmusik und Berufsmusik. Die Geschäftsstelle des Landesmusikrats ist in Düsseldorf, das liegt nahe. Hier arbeiten 14 festangestellte Mitarbeiter/-innen, dazu kommen Externe, die für bestimmte Projekte zuständig sind. Eva Luise Roth wohnt in Köln, das liegt auch nahe. Die Aufgaben der Juristin sind mannigfaltig – im Telefongespräch nennt sie sich selbst „eierlegende Wollmilchsau“ und lacht. Dann mal los …

Eva Luise Roth ist Referentin für Amateurmusik und Berufsmusik. Die Juristin ist in Bad Laasphe aufgewachsen.
  • Eva Luise Roth ist Referentin für Amateurmusik und Berufsmusik. Die Juristin ist in Bad Laasphe aufgewachsen.
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Was ist eigentlich der Landesmusikrat?
Der Landesmusikrat (LMR) ist ein Verein, in dem die meisten Musikverbände in NRW Mitglied sind: von den größten wie dem Chorverband und dem Volksmusikerbund NRW bis zu den kleineren wie dem Landesverband des Deutschen Harmonikaverbands. Der Landesverband der Musikschulen ist ebenso Mitglied wie mediamusic NRW, ein Berufsverband von Musikschaffenden der Bereiche Film, TV, Werbung, die Deutsche Orchestervereinigung, der Deutsche Komponistenverband oder die Gesellschaft für Neue Musik usw.

Jedes Bundesland hat einen

Einen Landesmusikrat gebe es in jedem Bundesland, informiert Eva Luise Roth, in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stecke jeweils eine Riesen-Szene dahinter, andere, etwa im Saarland oder in Hamburg, sind natürlich kleiner. In NRW gibt es vier Arbeitsgemeinschaften: Musik in Erziehung, Ausbildung und Forschung, Musik in der Jugend, Musik im Laienbereich (heute lieber „Amateurbereich“ genannt) und Musik in Beruf, Medien und Wirtschaft. Der LMR selbst ist Mitglied im Kulturrat NRW und im Deutschen Musikrat. Der Landesmusikrat finanziere sich im Wesentlichen aus Landesmitteln, erklärt Roth.
Was macht der Landesmusikrat?
Als Dachverband vertritt der LMR die Interessen von Amateur- und Profimusiker gegenüber Politik und Medien. Zum Beispiel könne das Musikreferat der Landesregierung nicht mit allen Beteiligten einzeln sprechen, sagt die LMR-Referentin, „wir sind da die ,Gatekeeper‘ im positiven Sinn“. Ein ganz großes Thema zuletzt in der Arbeitsgemeinschaft Musik in Beruf Medien und Wirtschaft sei das Urheberrecht gewesen, sagt Eva Luise Roth. Es geht darum, Vergütungsansprüche geltend zu machen, denn: „Das Brot des Künstlers ist das Brot, nicht der Applaus.“

Corona-Nothilfe organisiert

Und beides fehlte den Musikern – Profis wie Amateuren – in der Hochzeit der Corona-Pandemie. Der Landesmusikrat hat in kurzer Zeit eine Corona-Nothilfe mit der Amateurmusikszene organisiert. In Eva Luise Roths Zuständigkeitsbereich fielen Fragen wie: Wie mit bestehenden Verträgen umgehen? Mit Chorleitern? Mit gebuchten Fortbildungen? Mit gemieteten Hallen? Wie setzen wir die neue Coronaschutzverordnung um? „Das Land hat sich erfreulicherweise sehr beweglich gezeigt“, sagt Roth. Auf das Geleistete sei sie „ziemlich stolz“ – und prophezeit, dass der Neustart nach der Corona-Pandemie den Landesmusikrat mal mindestens noch bis 2025 beschäftigen wird: „So ein Volksmusiker-Landesfest plant man nicht von heute auf morgen.“

Zelter- und Pro-Musica-Plaketten

Weitere Aufgaben des LMR sind u. a. die Ausrichtung des Landes-Chorwettbewerbs und des Landes-Orchesterwettbewerbs, „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“. Es gibt Musikprojekte mit Geflüchteten, den Wettbewerb Creole (Globale Musik aus NRW), die Trägerschaft zahlreicher Landesjugendensembles, die Programme „Brückenklang“ und „popNRW“ … Eva Luise Roth organisiert zudem – jeweils mit einem der Mitgliedsverbände – die jährliche Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plaketten für Vereine, die ihr 100-Jähriges feiern. „Wir verschwinden aber hinter diesen Veranstaltungen“, sagt die Referentin, „denn wir haben ein großes Interesse daran, andere gut aussehen zu lassen.“ Auch beim NRW-Tag oder Landesgartenschauen ist der Landesmusikrat NRW mit einer Bühne präsent, und das muss alles organisiert werden.

Auch die Vergabe der Zelter- und Pro Muisca-Plakette 2021 im RWE-Pavillon der Philhrmonie Essen hat Eva Luise Roth organisiert. Auf dem Foto zu sehen sind der Aalto Kinderchor und der Junge Chor NRW.
  • Auch die Vergabe der Zelter- und Pro Muisca-Plakette 2021 im RWE-Pavillon der Philhrmonie Essen hat Eva Luise Roth organisiert. Auf dem Foto zu sehen sind der Aalto Kinderchor und der Junge Chor NRW.
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Wie geht’s dem Chor?
So wie die Chöre hat sich auch deren Wahrnehmung und Förderung in 20 Jahren verändert. „Dieses Männerhonoratiorending“ – also der Männerchor, in den man ging, weil der Bürgermeister und der Doktor da auch drin waren –, oder heimkehrende Meisterchöre, die mit Blasmusik empfangen werden – das gebe es heute so nicht mehr, sagt Eva Luise Roth. Zusätzlich zum gesellschaftlichen und sozialen Aspekt (Stichwort: Ehrenamt) komme heute das Wohlbefinden jedes Einzelnen (denn Singen tut gut, Roth tut es selbst gelegentlich), „und der Qualitätsanspruch, also gut zu singen, ist wieder hoch“.

Bildungsarbeit ermöglichen

Hier kann der Landesmusikrat unterstützend tätig werden. Er nimmt Anträge auf Förderung von Bildungsarbeit entgegen – etwa in Sachen neue Musik-, Spiel- und Gesangstechniken, erweitertes Repertoire – und kann, wie die Amateurmusikverbände auch, selbst Zuschüsse des Landes vergeben. Weitere Infos dazu gibt es auf der Homepage lmr-nrw.de. Einen Blick wert ist für Interessierte auch die Seite lma-nrw.de. Hier stellt sich die Landesmusikakademie in Heek im Münsterland vor – ein eigenständiger Verein, in dessen Trägerverein der Landesmusikrat aber Mitglied ist.
Was sind Herausforderungen für die Zukunft?
„Der Landesmusikrat gibt sich jeweils Themen, die über zwei oder vier Jahre laufen“, erläutert Eva Luise Roth. „Musik und Alter“ war so ein Thema („Musizieren tut fürs Gehirn 1000 Dinge“), daraus haben sich u. a. beim Chorverband die German Silver Singers entwickelt. Aktuell beschäftigt man sich mit Fragen rund um „Von Musik leben“. „Bei den Themen geht es uns nicht um Hipness“, sagt Roth, „wir sehen uns da als Vorreiter aus aktuellem Anlass, im Sinne von ,Was braucht es jetzt?‘“. Und was jetzt kommt, ist u. a. das Thema Diversität – oder Vielfältigkeit, das Wort gefällt Roth besser. „Wir müssen da nichts anstoßen oder initiieren. In den meisten Ensembles gibt es schon ganz viel Diversität. Die Zeit des typischen Männerchors ist einfach vorbei.“

Verein als "demokratisches Konstrukt"

Auch vorbei zu sein scheint, so Roth, die Zeit von verbindlichen Ensembles im Amateurmusikbereich. „Da gibt es einen Umbruch hin zum Projektensemble“, hat sie festgestellt. Aber damit fallen gleichzeitig auch Strukturen weg. Die LMR-Referentin ist ein Fan der Organisation Verein. „Das ist ein demokratisches Konstrukt, es wird mitbestimmt und eine repräsentative Führung gewählt.“
Um die Arbeit der Ehrenamtler, die Verantwortung im Verein übernehmen, zu erleichtern, werde es in Zukunft viel um Digitalisierung gehen. Gar nicht so sehr um digitale Chorproben, wie sie Corona-bedingt im Lockdown stattgefunden haben, sondern um Plattformen, auf denen sich Ehrenamtler austauschen, ihren (Gesangs- oder Musik-)Verein verwalten können, sodass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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