Wildnis-Entwicklungsgebiet bei Heiligenborn
5000 Festmeter Käferholz geschlagen

Im Wildnis-Entwicklungsgebiet bei Heiligenborn soll in Zukunft ein vielfältiger und artenreicher Urwald entstehen.
  • Im Wildnis-Entwicklungsgebiet bei Heiligenborn soll in Zukunft ein vielfältiger und artenreicher Urwald entstehen.
  • Foto: Alexander Kollek
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ako Heiligenborn. Der verstorbene Unternehmer und Naturschützer Dieter Mennekes hat seine Stiftung als Alleinerbin eingesetzt. Die Dieter-Mennekes-Umweltstiftung finanziert sich aus der Bewirtschaftung des Vermögens. Es handelt sich um eine gemeinnützige Stiftung, die laut Satzung hauptsächlich drei Förderschwerpunkte verfolgt: Natur und Umweltschutz, Bildung/Begabtenförderung sowie Heimatpflege. Die Stiftung wird von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet: Christopher Mennekes (Neffe des Stifters) als Vorstandsvorsitzender, Diplom-Biologe Peter Schauerte als stellv. Vorsitzender und hauptamtlicher Geschäftsführer sowie Sebastian Braun (Diplom-Holzwirt) als weiteres Vorstandsmitglied.

"Es gibt keine proaktiven Kontrollen"

Direkt bei der Stiftung angestellt ist aktuell nur der Geschäftsführer. Hauptsitz der Stiftung ist das ehemalige Wohnhaus des Stifters in Würdinghausen (Kirchhundem). Den Fachwerkhof Heiligenborn hat Dieter Mennekes im Jahr 1999 käuflich erworben. Das Haus soll künftig als Begegnungsstätte dienen. Anfang August will die Stiftung die Räume das erste Mal offiziell nutzen. Dann soll ein Waldjägerlehrgang zum Thema „ökologisches Jagen“ durchgeführt werden. Kontrolliert wird die Stiftung von der zuständigen Stiftungsaufsicht in Arnsberg: „Es gibt keine proaktiven Kontrollen. Wir müssen jedes Jahr einen Finanzbericht und einen Wortbericht vorlegen“, erklärt Peter Schauerte im Gespräch mit der SZ.

Bei der Vertragsunterzeichnung im Jahr 2014 waren von der 338 Hektar großen Wildnisfläche in Heiligenborn ca. 190 Hektar mit Fichten bedeckt. 2020 wurden rund 5000 Festmeter Käferholz in der Wildnis geschlagen. Der geschlossene Vertrag mit dem Land Nordrhein-Westfalen erlaubt die Entnahme der standortuntypischen Fichten über 30 Jahre ab Vertragsunterschrift – also bis 2044.
„Aktuell beginnt der Käfer weitere Bestände anzugreifen“, berichtet Peter Schauerte. Ob die Stiftung die befallenen Bäume weiterhin fällen wird oder der Natur freien Lauf lässt, werde den Verantworlichen zufolge gegenwärtig diskutiert. „Der bisherige Verlauf der Käferkalamität lässt vermuten, dass die Entnahme befallener Fichten die Kalamität im besten Falle etwas verzögern, nicht aber aufhalten kann. Es wird immer deutlicher, dass die Fichte in Monokultur ausgedient hat. Das Beispiel des bayrischen Waldes zeigt aber, dass im Schutz der abgestorbenen Fichten der Urwald von morgen entstehen kann“, so der Diplom-Biologe.

Landschaft bei Heiligenborn hat "eigenen Reiz"

In die Buchenbestände der Wildnis werden durch den Menschen keine Eingriffe mehr vorgenommen. Einige Wege sind in der Folge mittlerweile durch umgestürzte Bäume unpassierbar geworden, Totholz bleibt stehen bzw. liegen – und bietet der darauf angewiesenen Flora und Fauna entsprechende Lebensräume. Auch den kahlen Flächen sieht man an, dass kein menschliches Eingreifen mehr stattfindet: „Normalerweise würden hier nun Gatter stehen, um die vom Mensch in Reih und Glied gepflanzten Forstpflanzen zu schützen“, betont Peter Schauerte.

Die Landschaft entwickelt dem Biologen zufolge einen „eigenen Reiz“, auch wenn sich noch kein Wald entwickelt hat. Schuld daran seien die vielen Rehe und Rothirsche, die in dem Gebiet vorkommen. Bis zu 50 Tiere seien bereits gesichtet worden. Laut Frank Christian Heute kommen auf einer 100 Hektar großen Fläche unter natürlichen Bedingungen nur zwei bis drei Tiere vor. Und eigentlich sei der Hirsch auch gar kein Waldtier. Um die Bestände anzupassen, darf laut Vertrag deshalb 99 Jahre lang gejagt werden, erklärt der Wildökologe.

„Sollte der Wildbestand nicht angepasst werden, ist zu befürchten, dass kein Wald mehr entstehen wird“, erklärt Peter Schauerte die Problematik im Hinblick auf das hauptsächliche Ziel der Stiftung: in naher Zukunft einen vielfältigen und artenreichen Urwald in der Wildnis Heiligenborn vorzufinden.

Autor:

Alexander Kollek

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen