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Sattelzüge rasen mit hohem Tempo
Ärger wegen Käferholz-Abfuhr

Nikolai Schäfer aus Fischelbach wohnt direkt an der Kreisstraße 36. Er beobachtet, dass ständig voll beladene Holz-Lkw vom Sohl die Straße hinunter fahren – allerdings mit zu hohem Tempo. Die Abfuhr sei eine Belastung.
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  • Nikolai Schäfer aus Fischelbach wohnt direkt an der Kreisstraße 36. Er beobachtet, dass ständig voll beladene Holz-Lkw vom Sohl die Straße hinunter fahren – allerdings mit zu hohem Tempo. Die Abfuhr sei eine Belastung.
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howe Fischelbach. Im Sommer vorigen Jahres hatte der Landesbetrieb Straßenbau NRW die Kreisstraße 36 auf 700 Meter in der Ortsdurchfahrt Fischelbach gerade fertiggestellt, da bröckelte der Glanz der neuen Trasse bereits. Denn mit den enormen Käferkalamitäten im Banfetal – vornehmlich zwischen Fischelbach und der Siedlung Sohl – stieg auch das Aufkommen der schweren Holz-Sattelzüge, die tonnenschwer beladen die Straße belasteten.

Dabei ging es den Anwohnern, die sich durchaus lautstark beschwerten, nicht zuvorderst darum, dagegen zu stänkern, dass die Lkw die frisch sanierte Straße wieder kaputtfahren könnten. Vielmehr wetterte man gegen das „Benehmen“ der Abfuhrunternehmen. Die führen sich in den kleinen Nebenstraßen fest, weil sie eben nicht ortskundig seien.

howe Fischelbach. Im Sommer vorigen Jahres hatte der Landesbetrieb Straßenbau NRW die Kreisstraße 36 auf 700 Meter in der Ortsdurchfahrt Fischelbach gerade fertiggestellt, da bröckelte der Glanz der neuen Trasse bereits. Denn mit den enormen Käferkalamitäten im Banfetal – vornehmlich zwischen Fischelbach und der Siedlung Sohl – stieg auch das Aufkommen der schweren Holz-Sattelzüge, die tonnenschwer beladen die Straße belasteten.

Dabei ging es den Anwohnern, die sich durchaus lautstark beschwerten, nicht zuvorderst darum, dagegen zu stänkern, dass die Lkw die frisch sanierte Straße wieder kaputtfahren könnten. Vielmehr wetterte man gegen das „Benehmen“ der Abfuhrunternehmen. Die führen sich in den kleinen Nebenstraßen fest, weil sie eben nicht ortskundig seien. Sie versuchten, an den unmöglichsten Stellen zu drehen oder sie bretterten mit überhöhtem Tempo die „Alte Eisenstraße“ hinunter. Das ist die Kreisstraße 36 vom Sohl kommend bis in die Dorfmitte.

Waldbesitzer geloben Besserung

Die Fürst Wittgenstein’sche Waldbesitzergesellschaft reagierte, entschuldigte sich bei den Bürgern umgehend. In einem an alle Haushalte verteilten Brief baten die Waldbesitzer um Verzeihung und gelobten Besserung. Die Fahrer seien ab sofort angehalten, langsam zu fahren. Außerdem solle die Problematik dadurch entschärft werden, dass man die Holzabfuhr über einen Waldweg abfahre, der schließlich unten auf der Hauptstraße Richtung Hesselbach/Banfe münde. Inzwischen hat sich die Situation des Waldes nicht verbessert.

Im Gegenteil: Unzählige Holz-Lkw fahren die abgesägten Bäume ab – was sich oberhalb von Fischelbach abspielt, gleicht einem Trauerspiel. Leider haben die ständigen Lkw-Fahrten über die neue „Alte Eisenstraße“ nicht abgenommen. „Für uns Bürger ist das eine massive Belastung“, sagt Anwohner Nikolai Schäfer, der gleich vorweg schickt: „Ich weiß doch auch, dass das ganze Holz abgefahren werden muss. Ich will niemanden anschwärzen, aber das kann doch den Beteiligten nicht egal sein, was das passiert.“

Fahrlässige Gefährdung durch hohes Tempo

Die anhaltende Holzabfuhr sei tatsächlich eine Belästigung, weil sie mehrfach am Tag, zum Teil auch samstags und sonntags erfolge. „Die Beeinträchtigungen sind auch schon sichtbar. Wenn man von oben genau drauf schaut, deuten sich auf der Straße Spurrinnen an“, glaubt Nikolai Schäfer. Ganz zu schweigen von den abgefahrenen Randstreifen. Die Bankette ist sichtlich vertieft. Viel schlimmer sei die „fahrlässige Gefährdung durch deutlich erhöhtes Tempo der Lkw“. Belgische Containerzüge habe er ebenso beobachtet wie Sattelzüge mit HSK- und KB-Kennzeichen. Vom Sohl von oben kommend lade die neue Strecke geradezu ein, in hohem Tempo in die Ortschaft hinein zu brummen. „Gerne hätte ich hier mal einen Blitzer gehabt“, so Nikolai Schäfer im SZ-Gespräch. Wegen des Einsatzes eines Blitzers habe er nach über zwei Wochen keine Rückmeldung erhalten.

Abgesehen von vermeintlich zu schnell fahrenden Lkw sorgen die verdreckten Bereiche für Unmut in Fischelbach.
  • Abgesehen von vermeintlich zu schnell fahrenden Lkw sorgen die verdreckten Bereiche für Unmut in Fischelbach.
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Jetzt, wo offenbar die Anfrage der Zeitung beim Kreis gestellt worden sei, habe sich ein „Blitzer“ in seine Einfahrt gestellt. „Verflixt, wie das dann so ist, kam genau in dem Moment kein Lkw vorbei“, berichtet Nikolai Schäfer. Einiges in Bewegung hat der Fischelbacher gesetzt, jedoch bislang ohne Erfolg. Beim Kreis habe man ihm von einem Erlass des Landes NRW berichtet, wonach solche Abfuhrunternehmen wegen der Käferkalamitäten Sonderrechte genössen. „Keine Handhabe“ sei ihm geantwortet worden. Und bei der Stadt Bad Laasphe hätte er erst gar nicht fragen müssen. Die Antwort: „Das ist nicht unser Bereich, weil es sich um eine Kreisstraße handelt“, wurde dem Fischelbacher Bürger gesagt. Noch nicht einmal die völlig verdreckte Straße sei richtig gereinigt worden.

Schlamm nur auf der Gasse verteilt

Zwar habe die Stadt eine ein Meter breite Kehrmaschine raufgeschickt, die habe den vier Zentimeter dicken Schlamm aber nur auf der „Gasse“ verteilt. Als er sich beschwert und bei der Stadt nachgefragt habe, habe eine Mitarbeiterin gefragt, ob er sich denn das Nummernschild der Kehrmaschine gemerkt habe. „Das waren nur so Kalauer, die ich zu hören bekam. Bei der Stadt und beim Kreis.“

Kreis Siegen-Wittgenstein bezieht Stellung zur Problematik der Holzabfuhr Die Siegener Zeitung fragte wegen der Holzabfuhr Belastungen für die Fischelbacher Bürger beim Kreis Siegen-Wittgenstein nach. Der antwortete umfangreich und detailliert. Derzeit würden überall in Siegen-Wittgenstein in großer Zahl Fichten gefällt, die vom Borkenkäfer befallen seien. Der Abtransport geschehe über öffentliche Straßen und bringe an vielen Stellen Belastungen für Anwohner und Verkehrswege mit sich“, weiß Pressesprecher Torsten Manges. „Für den Abtransport von Kalamitätsholz gibt es die grundsätzliche Ausnahmegenehmigung, dass Lkw anstatt mit 40 Tonnen mit 44 Tonnen Gesamtgewicht bewegt werden dürfen. Das ist mit Blick auf die Fahrzeuge unproblematisch, weil diese auf über 60 Tonnen ausgelegt sind. Im Ausland sind solche Gesamtgewichte zulässig, in Deutschland nicht.“ Die vorhandene Gewichtsbeschränkung auf 7,5 Tonnen im Bereich der K 36 gelte nicht für Anlieger. Deshalb sei auch die Nutzung der Kreisstraße 36 für 44-Tonnen-Lkw zur Holzabfuhr zulässig. Was mögliche Straßenschäden anbetreffe, so seien aktuell im Bereich des Straßenkörpers der K 36 weder in der neu hergestellten Ortsdurchfahrt in Fischelbach noch auf der freien Strecke zwischen Fischelbach und Sohl durch die allgemeine Straßenbenutzung Straßenschäden zu erkennen. „Schäden an der K 36 und an vielen anderen schmalen Kreisstraßen sind jedoch durch die partielle Mitbenutzung von Banketten beim Begegnungsverkehr erkennbar.“ Die Behebung dieser kreisweit erkennbaren Schäden erfolge in Abhängigkeit von der jeweiligen Priorität im Laufe der kommenden Wochen, Monate oder Jahre, heißt es weiter. Einzelne Schäden an der K 36 seien im Zuge von Ladevorgängen entstanden, wenn die Fahrer sogenannte Kranstempel ohne Lastverteilplatten benutzt hätten. „Diese Schäden stellen aktuell jedoch keine Verkehrsgefährdung dar.“ Soweit Schäden durch die erlaubte Nutzung eintreten würden, müsse der Kreis Siegen-Wittgenstein als Straßenbaulastträger der Kreisstraße notwendige Reparaturen durchführen und finanzieren. Im Falle einer unzulässigen Straßenbenutzung (etwa wenn die maximal 44 Tonnen Gesamtgewicht überschritten wären), sei eine Haftung des Fahrzeuglenkers bzw. -halters theoretisch möglich, wenn die Ursache für Schäden einem konkreten Fahrzeug zugeordnet werden können. „Rein praktisch wird dies jedoch kaum möglich sein, falls überhaupt eine unerlaubte Nutzung vorliegen würde.“ Und zum Thema Verschmutzung der kompletten Straße: „Zur Reduzierung der aktuellen Straßenverschmutzung ist vorgesehen, bei geeigneter Witterung betroffene Straßen durch ein Kehrfahrzeug reinigen zu lassen.“ Zu den Geschwindigkeitsüberschreitungen: „Wir haben in Fischelbach auf der K 36 gemessen – ohne Auffälligkeiten. In den zweieinhalb Stunden sind drei Fahrzeuge über die K 36 gefahren, ein Pkw, zwei „Holzlaster“, beide mit 25 km/h.“ Wenn die Anwohner eine Messung an einer anderen oder weiteren Stelle wünschten, so Torsten Manges, könnten sie dem Kreis Siegen-Wittgenstein gerne einen Ort vorschlagen. „Wenn dort ein Messgerät aufgestellt werden kann, wird unser Ordnungsamt gerne noch einmal die Geschwindigkeit messen und Verstöße auch ahnden.“
Nikolai Schäfer aus Fischelbach wohnt direkt an der Kreisstraße 36. Er beobachtet, dass ständig voll beladene Holz-Lkw vom Sohl die Straße hinunter fahren – allerdings mit zu hohem Tempo. Die Abfuhr sei eine Belastung.
Abgesehen von vermeintlich zu schnell fahrenden Lkw sorgen die verdreckten Bereiche für Unmut in Fischelbach.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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