Antworten auf kritische Fragen der SPD in Laasphe

jg Bad Laasphe. Dass die energetische Aufrüstung des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe in den vergangenen Wochen einige Fragen aufgeworfen hat, stand schon in der Siegener Zeitung. Zehn Stück hatte die Laaspher SPD-Ratsfraktion formuliert und vor 14 Tagen im Rathaus zur Beantwortung eingereicht. Die von Prof. Dr. Horst Höfler gegebenen Antworten wurden allen Ratsmitgliedern vorgestern Abend in die Hand gedrückt.

Als Erstes stand die Dauerbrenner-Frage nach der Reinigung. Laut Horst Höfler muss weder die südliche Glasfassade noch das Absorber-Kollektoren-Doppeldach gereinigt werden: „Wenn trotzdem eine Reinigung vorsorglich wünschenswert erscheinen sollte, empfehlen wir eine Reinigung alle fünf Jahre durch ein Fassaden-Reinigungs-Unternehmen.“ Nach heutigem Stand der Dinge koste diese für die 1200-Quadratmeter-Südfassade 2160 Euro.

Die Frage, ob der „zur Kühlung notwendige Regenwasserspeicher“ in der Kostenkalkulation enthalten sei, relativierte der Siegener Professor gleich einmal: Für die Klassenraum-Kühlung sei kein Regenwasserspeicher erforderlich. Die Regenwasserspeicherung finde in Rinnen, die das Gebäude umliefen, statt.

Die nächste Frage nach dem Regenwasserpeicher bei anhaltender Trockenheit, ließ den Siegener Experten auch nicht schwitzen. Anhand seiner Zahlen stand für ihn fest, „dass bei einem Gesamtvolumen der Rinnenanlage von circa 8300 Litern diese erst nach 107 Sonnenschein-Tagen entleert ist.“ Drei Monate ohne Regen schienen ihm unwahrscheinlich. „Sollte durch andere Umstände die Wassermenge rapide abnehmen, so würde eine vollständige Füllung, beim augenblicklichen Wasserpreis von 1,18 Euro pro Kubikmeter, 10 Euro kosten.“

Die SPD-Frage nach Berücksichtigung der nicht-verdunkelnden Rollos in der Kostenkalkulation bekam quasi ein Lob vom Professor. „Diese Frage ist begründet, da die zur Aufrechterhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes nicht verdunkelnden Rollos einen nicht unbedeutenden Kostenfaktor darstellen.“ Hier habe man güsntige Systeme angenommen, wo die 180 benötigten Rollos 18 000 bis 20 000 Euro kosten, Rollo-System der Spitzenklasse kosteten wohl 63 000 Euro.In der fünften Frage wollen die Sozialdemokraten wissen, welche Alternativen es gebe, da man die Fenster der Südfassade im Brandfall nun nicht mehr als Fluchtwege nutzen könne. „Im Schulbau dürfen Fenster der Außenfassade grundsätzlich nicht als Fluchtweg durch Anleiterung benützt werden.“ Für den speziellen Fall des Bad Laaspher Gymnasiums sei die Rettungswege-Frage bereits im Sommer letzten Jahres bei der Kreis-Brandschutzbehörde geklärt worden. Die Frage nach Größe und Gewicht der Einzelscheiben in der Südfassade sowie nach erhöhten Versicherungskosten durch die Glasfassade konnte Horst Höfler nur zum Teil beantworten. Die Scheiben seien 1,20 Meter mal 1 Meter oder 1,20 Meter mal 1,50 Meter und wögen dann entweder 16 oder 24 Kilogramm. „Zu erhöhten Versicherungskosten durch die Zweite-Haut-Fassade können derzeit keine konkreten Aussagen gemacht werden.“Zu dem in Attendorn gesehenen notwendigen Schließen von Klappen unter der Glasfassade wollten die Laaspher wissen, wann deren Nutzung nötig sei. „Diese Regelungsvorgänge sind normalerweise zweimal im Jahr notwendig, gegen Ende der Sommerperiode und gegen Ende der Heizperiode. Erforderlich können sie aber auch in den Übergangszeiten März, April beziehungsweise September, Oktober werden.“ Weil eine Überhitzung der Auladecke technisch ausgeschlossen sei, wollten die Fragesteller wissen, mit welchem energetischen Aufwand die Temperaturen in den ungefährlichen Bereich reduziert würden. „Der dazu notwendige Stromverbrauch für Ventilatoren zum Absaugen der erwärmten Prozessluft und zum Wiederzuführen der entwärmten Luft ist relativ gering. Er beläuft sich auf circa 1200 Kilowattstunden Strom pro Jahr, das bedeute bei einem für das Jahr 2009 fortgeschriebenen Strompreis einen jährlichen Betrag von 276 Euro. Bei einem Eintrag von circa 300 000 Kilowattstunden pro Jahr an regenerativ erzeugter Wärmeenergie, die bei einem für das Jahr 2009 fortgeschriebenen Gaspreis von 0,07 Euro einen Einsparungsbetrag von circa 21 000 Euro im Jahr ausmacht, ist das eine zu vernachlässigende Kostengröße.“Für die beiden abschließenden Fragen hatte die Laaspher Stadtverwaltung noch mal Kontakt mit der Arnsberger Bezirksregierung aufgenommen. Dabei ging es zunächst einmal um die großen bewilligten Zuschüsse: Würden diese auch gewährt bei konventionellen Maßnahmen wie Fassaden-Dämmung, Fenster-Erneuerung und Heizungs-Modernisierung? Die Arnsberger Antwort laut Stadtverwaltung: „Die Durchführung konventioneller Energiesparmaßnahmen stellt eine wesentliche Änderung gegenüber dem Förderantrag dar und bedarf deshalb der Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg. Der innovative Charakter der Maßnahme, der bei der Auswahl der Maßnahme eine entscheidende Rolle gespielt habe, gehe dabei verloren. Inwieweit es zu Kürzungen der Fördermittel kommen würde, müsse aufgrund des konkreten Änderungsantrags beurteilt werden.“Die letzte Frage der Genossen: „Wer kommt für die entstehenden Mehrkosten auf, wenn sich die Berechnungen im Höflerschen Konzept als nicht tragfähig erweisen?“ Dazu wusste die Mitteilung der Laaspher Stadtverwaltung, dass nach dem Zuwendungsbescheid vom November die energetische Erneuerung des Gymansiums mit der Bewilligung abschließend gefördert sei. „Falls bei der Ausführung unabweisbare und nicht von der Stadt zu vertretende Mehrkosten entstehen, bestehen nur geringe Chancen auf eine Nachfinanzierung.“Alle Ratsmitlieder bekamen diese Antworten und wahrscheinlich werden die Osterferien in nicht wenigen Fraktionen genutzt, um über das Ganze noch einmal etwas genauer nachzudenken.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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