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Waldbisons und Wisente unter einem Dach
Artenschutz erfordert langen Atem

Die kanadischen Waldbisons im Feudinger Dernbach hatten in diesem Jahr doppelten Nachwuchs. Im Vergleich zu den Wisenten sind die Tiere pflegeleichter in der Haltung.
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  • Die kanadischen Waldbisons im Feudinger Dernbach hatten in diesem Jahr doppelten Nachwuchs. Im Vergleich zu den Wisenten sind die Tiere pflegeleichter in der Haltung.
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bw Feudingen. Während das Wisent-Projekt im Rothaargebirge die Gerichte und die Politik weiterhin beschäftigt, hält der Feudinger Achim Wickel sein eigenes kleines Artenschutzprojekt auf seinem Gelände beinahe geräuschlos am Laufen. Seit 2015 lebt oben im Dernbach die kleine Herde kanadischer Waldbisons, zwei Jahre später kamen dann die Wisente hinzu. Viele Erfahrungen hat Achim Wickel seitdem gesammelt. Er weiß inzwischen, dass die Wisente in der Gehegehaltung eine erheblich größere Herausforderung darstellen als kanadische Waldbisons. „Die Wisente üben viel größeren Druck auf eine Fläche aus, als es die Bisons tun“, erklärt Achim Wickel, der für die Wisente daher auch inzwischen ein zweites Gehege angelegt hat, um erwähnten Druck zu reduzieren.

bw Feudingen. Während das Wisent-Projekt im Rothaargebirge die Gerichte und die Politik weiterhin beschäftigt, hält der Feudinger Achim Wickel sein eigenes kleines Artenschutzprojekt auf seinem Gelände beinahe geräuschlos am Laufen. Seit 2015 lebt oben im Dernbach die kleine Herde kanadischer Waldbisons, zwei Jahre später kamen dann die Wisente hinzu. Viele Erfahrungen hat Achim Wickel seitdem gesammelt. Er weiß inzwischen, dass die Wisente in der Gehegehaltung eine erheblich größere Herausforderung darstellen als kanadische Waldbisons. „Die Wisente üben viel größeren Druck auf eine Fläche aus, als es die Bisons tun“, erklärt Achim Wickel, der für die Wisente daher auch inzwischen ein zweites Gehege angelegt hat, um erwähnten Druck zu reduzieren. Ein Blick genügt, um zu begreifen, was der Feudinger meint: Die Wisent-Fläche ist deutlich mehr beansprucht, die Bäume sind geschält. Wisente, so berichtet es Achim Wickel, werfen sogar kleinere Bäume in konzertierten Aktionen um, um sich ihre Nahrung zu holen.

Wisente sind in Gehegehaltung anfälliger

„Die Wisente sind viel komplizierter in der Gehegehaltung und leider auch anfälliger“, stellt der Feudinger fest, „die Tiere kommen im Gehege vor allem gegen Magen- und Darmparasiten nicht an. Sie werden massiv krank.“ Achim Wickel hat dies bereits erlebt: Einmal erkrankt, magert ein Wisent in kürzester Zeit stark ab und vermag auch nicht, sich noch einmal davon zu erholen. „Man kann ein Tier fast gar nicht mehr behandeln, wenn es einmal erkrankt ist“, konstatiert der Ein-Mann-Projektträger, „diese Fälle hatten wir.“

Die Wisent-Herde in Feudingen ist inzwischen auf sechs Tiere gewachsen, in diesem Jahr kamen zwei Kälbchen zur Welt.
  • Die Wisent-Herde in Feudingen ist inzwischen auf sechs Tiere gewachsen, in diesem Jahr kamen zwei Kälbchen zur Welt.
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Was aber hilft, ist eine prophylaktische Ernährung sowie Medikamente, sodass die Wisente besser vor Magen- und Darmparasiten geschützt sind. Sie benötigen auch Unmengen an Grünzeug, dazu gehört viel Salweide: „Sie brauchen deren Gerbstoffe, deshalb fressen die Wisente in der Freiheit die Rinde von Bäumen.“ Wichtig ist freilich auch, dass die Tiere nicht dort fressen, wo sie ihren Kot abgelassen haben. Alle Maßnahmen seien mit den Fachleuten in Hardehausen abgestimmt, betont Wickel: „Nur mit alledem können wir die Parasiten unter Kontrolle halten.“

Doppelter Nachwuchs bei Wisenten und Waldbisons 

Doch das zeigt Wirkung, denn die beiden Herden wachsen. In diesem Jahr hatten sowohl die Wisente als auch die Waldbisons doppelten Nachwuchs, mit den beiden Kälbchen sind beide Herden jetzt auf sechs Tiere gewachsen. Damit stößt allerdings Achim Wickel langsam an die Grenzen, er wird deswegen über kurz oder lang Kontakt mit Moskau aufnehmen. Dort sitzt das Institut für Ökologie und Evolution mit Dr. Taras Sipko, mit dem Achim Wickel eng zusammenarbeitet. „Wir müssen jetzt überlegen, ob wir die Tiere insgesamt abgeben oder erst nur einzelne Tiere entnehmen“, verrät Achim Wickel.

Achim Wickel füttert sie zur besseren Resistenz gegen Darmparasiten auch mit Salweide.
  • Achim Wickel füttert sie zur besseren Resistenz gegen Darmparasiten auch mit Salweide.
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Denn letztlich ist das Ziel, dass sowohl die Feudinger Wisente als auch die Waldbisons mittelfristig in Russland ein neues Zuhause bekommen und mit anderen Tieren ihrer Art zusammenkommen. Alle Artenschutzprojekte haben die Gemeinsamkeit, dass es ihnen um genetische Vielfalt geht. Die heutigen Wisente gehen auf eine Population von zwölf Ausgangstieren zurück, bei den kanadischen Waldbisons waren es um die 800 Tiere. Wenn die Feudinger Herden nach Russland umsiedeln, sollen sie zuerst in ein Großgehege kommen, um später in den weiten Steppen Sibiriens ausgewildert zu werden.

"Die Wisente üben viel größeren Druck auf eine Fläche aus,
als es die Waldbisons tun."
Achim Wickel
Artenschützer aus Feudingen

Für Achim Wickel wäre das eine Zäsur. Wenn er die Tiere allesamt abgibt, will der Feudinger den drei Gehegen mit ihren insgesamt 16 Hektar etwas Zeit zur Erholung geben – gerade den Flächen, auf denen die Wisente jetzt leben. Fest steht für ihn aber auch: „Ich würde dann wieder neu anfangen.“ Denn die Tiere sind ihm längst ans Herz gewachsen. Beim Artenschutz ist ein langer Atem gefragt – den hat Achim Wickel schon oft bewiesen.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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