Bei Andreas Steinhöfel hörten auch viele Erwachsene zu

Autor gab seine Vistenkarte erneut in Bad Laasphe ab

awe Bad Laasphe. Froschmaul-Geschichten liest Andreas Steinhöfel vor. So heißt nämlich sein neues Buch, drin sind versammelt einige bereits anderswo erschienene Geschichten und einige neue. Bei den »Froschmaul-Geschichten« handelt es sich um Kurzgeschichten und die eignen sich hervorragend für eine Lesung: Die Zuhörer erhielten so am Leseabend bei Monika Klaffki, die am Freitag zusammen mit der Volkshochschule in die Bücherinsel zum Wieder-Treffen mit dem Autor eingeladen hatte, drei komplette Geschichten. Draußen ist der ungemütliche November und drin auf der Bücherinsel gibt es für die Leute, die gekommen sind, Geschichten aus dem Kinderleben, fast sind es Märchen.

Märchen zu erzählen, ist auch eine Absicht des Autors, der an diesem Abend beweist, dass er sich nicht nur formidabel auf die Fabulier- und Formulierkunst versteht, sondern der auch ein hervorragender Vorleser ist, mit dem es sich recht angenehm ins Gespräch kommen lässt.

Märchen findet er prima, erklärt Andreas Steinhöfel. In seinen Geschichten gibt es moderne Varianten von Grimm und Co. Einer seiner Helden, ein kleiner Junge, dessen Name die großen Leute so ziemlich vergessen haben und den sie schlicht »Duda« nennen, bekommt selbst Märchen vorgelesen. Wenn seine Großmutter aber an der Formulierung anlangt: »Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende«, fügt sie hinzu: »Aber am Schluss, ganz am Schluss, waren sie dann doch alle mausetot.«

So ist die – kalte – Welt der Erwachsenen, in der die jungen Helden von Andreas Steinhöfel unterwegs sind: Die Kinder kämpfen mit großen Leuten, die ihnen meist keine, viel zu wenig oder wenig positive Aufmerksamkeit schenken. Märchenhafte Superhelden lässt Andreas Steinhöfel aber in seinen Froschmaul-Geschichten nicht auftreten: Seine Helden sind oft »kleine, verlorene Wesen auf dem Ozean der Zeit«, wie es in einer Pippi-Langstrumpf-Geschichte heißt. Und selbst die starke »Inger«, die Pippi in dieser Geschichte, ist zwar das stärkste Mädchen der Welt, aber man ahnt, dass diese Tapferkeit auch mit Schwäche zu tun hat. Der Gedanke, dass Pippi Langstrumpfs Mutter verstorben und ihr Vater öfter auf den Weltmeeren als bei seiner Tochter anzutreffen sei, habe ihn als Kind sehr nachdenklich gestimmt, erzählt Andreas Steinhöfel zu dieser Geschichte.

Ein wenig befremdlich finde er es, wenn er immerzu gefragt werde, ob seine Bücher autobiografisch seien: »Denken die Leute, ich hätte keine Fantasie?« Die dritte Geschichte, die es für die Laaspher zu hören gab, knüpfte dann aber tatsächlich an ein Ereignis an, das Andreas Steinhöfel als Junge erlebt hat: Ein Kind fiel neben ihm in einen See und erst nach einem langen Augenblick habe er, der Nichtschwimmer, losgeschrien, um Hilfe zu holen. Dieser lange Augenblick habe ihn danach ebenso beschäftigt wie das Paddel, das er als Belohnung für seinen Anteil an der Rettung erhielt. Er brauchte nämlich noch ein zweites Paddel und überlegte, wie er denn nun zum zweiten Mal eine Rettungssituation mit Paddel als Belohnung herbeiführen könnte.

Solche Gedanken existierten in einem Kinderleben nebeneinander, meinte der Autor. Dass er sich mit Beschreiben von Kinderleben auskennt, beweisen seine vielen Kinderbücher. Fürs Fernsehen arbeite er auch, berichtet er, aber das mache nicht so viel Spaß. Auch einen Roman für Erwachsene hat der Autor des Bestsellers »Die Mitte der Welt« jetzt in Arbeit. Der spielt ganz nah in der Nachbarschaft, aus der Andreas Steinhöfel stammt: Der gebürtige Battenberger besuchte das Gymnasium in Biedenkopf und studierte in Marburg. Anlass für seine Roman-Idee lieferte ihm eine kleine Plakette an der Edersee-Staumauer, auf der auf die Zwangsarbeiter verwiesen wird, die nach der Bombardierung während des Zweiten Weltkriegs die Mauer wieder aufbauen mussten. Beschäftigt habe ihn dabei die Frage: Gibt es eine objektive Geschichte? Aber bei der Recherche sei er schon auf unterschiedliche Darstellungen und Angaben simpler Fakten gestoßen, erklärte der Autor. Verwirrung endet offensichtlich nicht mit dem Kinderleben, gut ist es, wenn es Autoren gibt, die einen daran erinnern können.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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