Corona bremst Arbeitsalltag aus
Bei Inka Seibel geht alles vor die Hunde

Corona legt die Arbeit von Hundetrainerin Inka Seibel lahm.
  • Corona legt die Arbeit von Hundetrainerin Inka Seibel lahm.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

howe Bad Laasphe. Dass der kleine Jack Russel „Flip“ leidet, merkt man dem Terrier an. Das Tier ist fachlich ausgebildet, es wird eigentlich häufig als Assistenzhund gebucht, leistet aber auch hervorragende Arbeit als Diabetikerwarnhund, Behindertenbegleithund oder etwa bei der Arbeit in der Grundschul-AG, im Seniorenzentrum oder wo auch immer. Flip und Frauchen Inka Seibel sind absolute Fachfrau und pfiffiger Fach-Vierbeiner, wenn es darum geht, alte Menschen, Kinder, kranke Leute oder Behinderte zu unterstützen, ihnen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu schenken. Dann kommt das Bad Laaspher Team von Hundetrainerin und Hund zum Zug.

Nur nicht jetzt. Die Pandemie hat alle Arbeit mit den Hunden und für die Menschen vernichtet. „Wir haben den Baseballschläger sozusagen vor den Kopf bekommen“, sagt Inka Seibel, während Flip doch recht unruhig zwischen Körbchen und Tisch herläuft. „Ja, du willst wieder bei den alten Leuten und den Kindern sein“, redet Inka Seibel ihrem treuen Gefährten zu. „Flip will arbeiten. Er mag behinderte Menschen“, verrät die Hundetrainerin und erzählt von dem geistig und körperlich behinderten Mädchen im Rollstuhl. Da sei Flip hingelaufen und habe mit seiner Schnauze die Hand des Kindes angeschubst. Das Mädchen habe die Hand daraufhin geöffnet, seine Mutter habe sich bei Inka Seibel bedankt. Der Lockdown hat alles verändert. „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit den Hunden und der Ausbildung“, sagt Inka Seibel.

Duch Corona Arbeit von heute auf morgen lahmgelegt

Im März vorigen Jahres wäre sie eigentlich in der Hessenschau zu sehen gewesen. Das hätte der Branche im Bereich der tiergestützten Intervention sicher einen Schub gegeben. Doch dann kam „Corona“ und Inka Seibels Arbeit wurde von heute auf morgen lahmgelegt. „Die Hunde arbeiten gar nicht mehr.“ Und dabei wären ihr antrainiertes Know-How, ihr einfühlsames Wesen und ihre soziale Komponente so sehr gefragt: in den Schulen, in der AG der Grundschule, in der Tagespflege der Diakonie, bei der MS-Selbsthilfegruppe oder im Altenheim, um nur wenige Beispiele zu nennen. Im März/April vorigen Jahres ging Inka Seibel mit den Ausbildungen an den Start, mit großen Beschränkungen wurde alles nach draußen verlegt.

Im September startete eine neue Gruppe, „die hängen alle noch in der Luft.“ Die sind noch nicht fertig ausgebildet. Zurzeit liegt alles so gut wie auf Eis. „Ich kann keine Hospitanzen geben“, der zweite Hund Nelson sei für das DRK in Biedenkopf leider auch noch gesperrt. „Neue Leute für die Ausbildung zu gewinnen, ist zurzeit schwer. Man kriecht ganz unten, um wieder Fuß zu fassen“, so die Bad Laaspherin. Wenn man sich überlegt, wie wichtig die tiergestützten Hilfen sind, scheint ein weiterer Berufszweig in der Krise tatsächlich vergessen worden zu sein. Solche Hunde sind als Therapie- und Assistenzhunde unglaublich wichtig. Sie arbeiten mit Senioren, mit Kindern, sie fördern Bewegung und Sozialverhalten und sie leisten gezielt Hilfe. Die Hunde begleiten nicht nur, sie können auch warnen – als Epilepsie- oder Diabetes-Warnhund. Und sie sind wichtige Helfer bei Demenz, Autismus oder bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Spektrum der Ausbildung und des Angebots, das Inka Seibel da unterbreitet, ist sehr groß.

Kompromisse und Lockerungen nutzen nicht viel

„Wir sind in jeder Beziehung lahmgelegt“, klagt Inka Seibel. „Wenn ich meine Familie nicht im Rücken hätte, säße ich manches Mal weinend in der Ecke.“ Die Kompromisse und Lockerungen, die aktuell für die Hundetrainerin und ihre Tiere greifen, nutzen ihr nicht sehr viel. Zwar würde etwa die Tagespflege den kleinen Flip und sein Frauchen mit Test wieder begrüßen. Doch die Arbeit müsste in der Distanz und mit Maske stattfinden. „Der Hund darf alleine ran, eine Stunde lang. Aber das ist für ihn sehr anstrengend.“ Online-Training ist unter Erschwernissen möglich, allerdings muss sich auch hier Inka Seibel immerzu Gedanken darüber machen, wie sie die Qualität ihrer Arbeit halten kann. Sie kann Übungen mit dem Hund vormachen per Video. Was aber online sicher nicht funktioniert, das sind Nähe, Empathie und Emotionen. Auch die Erste Hilfe online ist schwierig, weil das Miteinander in der Gruppe fehlt.

Aktuell sind immerhin wieder die sogenannten Einzel-Settings mit älteren Menschen oder Kindern erlaubt – mit Maske, draußen und mit Abstand. Wobei die Maske insofern hinderlich ist, als der Hund ja auch auf Mimik reagiert und den Gesichtsausdruck zu deuten weiß. Auch die Eignungsprüfung für Therapiebegleithunde soll stattfinden. Ebenso ist das Assistenzhundetraining in Einzel-Settings möglich. „Meine Ideen sind da“, sagt Inka Seibel. „Umso schlimmer, dass ich sie zurzeit nicht umsetzen kann.“ Gerne hätte sie ein Format mit Hund und Kindern angeboten, das in die Richtung Bewegung und Ernährung geht. Gerne hätte sie auch den Kontakt zur Förderschule geknüpft, um hier entsprechende Angebote vorzuhalten.

Wer an einer Ausbildung mit Hund oder an den Angeboten der Hundetrainerin interessiert ist, erhält von ihr alle Informationen unter Tel. (01 72) 6 27 74 68 oder per E-Mail unter inka-seibel@gmx.de

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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