Besucher spendete für die Bad Laaspher Stadtbücherei

Essener hofft, dass sein Beispiel in Zukunft Schule macht

JG Bad Laasphe. Mit Sigismund Rüstig fing alles an. So hieß das erste Buch, das der heute 66-jährige Hans Herbst gelesen hat und das damit den Anfang einer lebenslangen Liebesgeschichte mit der Literatur markierte. Bücher bescherten ihm Wissen über andere Zeiten, Länder und Menschen: »Ich finde heraus, wie man was woanders macht.« Der ehemalige Finanzbeamte und frühere Lehrer lebt eigentlich in Essen, verbringt aber die Hälfte des Jahres in Bad Laasphe. Und weil er hier auf seine heimatlichen 60 Meter Bücherregal verzichten muss, ist der Pensionär regelmäßiger Gast in der Stadtbücherei der Lahnstadt im Haus des Gastes: »Ich brauche diese Bibliothek.«

Aufruf an Privatleute und Institutionen

Genau aus diesem Grund hat Hans Herbst im vergangenen Jahr 150 e und im neuen Jahr schon 100 e für die Einrichtung gespendet. Zwischen dem Essener Tierheim, dem BUND, seiner Heimatstadt Tilsit und Greenpeace hat die Bücherei einen festen Platz in der jährlichen Spendenliste, wobei er folgenden Traum hat: »Wenn es hier noch zehn solcher Leute gebe, das wäre doch eine tolle Sache, dann wäre der Bibliothek geholfen.« Auch Institutionen – wie etwa Geldinstitute – könnten hier doch spenden.

Keine Kritik an der Seele des Ladens

Befragt nach den bisherigen Spendern sagt Elke Linke: »Der Herr Herbst und das war's.« Wobei sich die Bücherei-Chefin auch nicht über die finanzielle Ausstattung durch die Stadt beschweren möchte. 7000 e bekommt sie im Jahr, und durch ihre beliebten Schlussverkäufe erzielt sie regelmäßig zusätzliche Einnahmen. Damit kann sie ihren 13000-Bücher-Bestand auf der Höhe der Zeit halten. Hans Herbst sieht jedoch noch größeres Potenzial in der Einrichtung und findet außerdem, dass Menschen ihre Wertschätzung für so was Tolles wie Bücher auch finanziell ausdrücken könnten. Deshalb möchte er seinen Spendenaufruf keinesfalls als Kritik an Elke Linke verstanden wissen: »Die Bibliothek hier ist einfach in Ordnung.« Auch wegen ihrer Leiterinnen: Früher Waltraud Treude, heute Elke Linke – das seien doch »die Seelen des Ladens«. 1975 war Hans Herbst erstmals in Laasphe, Mitte der 80er Jahre folgte hier seine Bücherei-Premiere. Bis dahin habe er sich stets bei seinen Wittgensteiner Aufenthalten aus den eigenen Beständen versorgt.

»Es gibt viele wunderbare Schriftsteller«

Drei oder vier Mal sei er auch derzeit jede Woche im Laaspher Haus des Gastes, obwohl er eigentlich selbst einige Kilogramm Lesestoff dabei hat. Zu Weihnachten hat Hans Herbst von seiner Frau nämlich Walter Kempowskis dicke Echolot-Wälzer bekommen. Doch er müsse auch nebenbei immer noch etwas anderes zum Lesen haben, so der vielseitig interessierte Literaturfreund, der lediglich Science Fiction und Krimis ungelesen links liegen lässt. Wegen der großen Bandbreite fällt es ihm denn auch schwer, zu sagen, welchen Dichter und Denker er gern kennenlernen würde: »Es gibt so viele wunderbare Schriftsteller.« Doch dann denkt er noch mal an Walter Kempowski, den würde er schon gern treffen.

Kanon: »Ohne die Bibel geht es gar nicht«

Für den Mann – fast – ohne literarische Präferenzen wäre es deshalb auch schwierig, einen Kanon von Büchern, die man unbedingt gelesen haben muss, aufzustellen, doch eines steht für ihn hundertprozentig fest: »Ohne Bibel geht es gar nicht.« Doch nicht nur das Buch der Bücher, Romane und Sachliteratur, nein auch die Tageszeitung steht bei dem Lesehungrigen jeden Tag auf dem Speiseplan. Wobei ihm klar ist: »Es ist ungewöhnlich, dass jemand so viel liest.« Doch Hans Herbst wusste wenigstens einen Grund dafür: Seit 1989 hat er keinen Fernseher mehr, in seinem Essener Hochhaus seien er und seine Frau die einzigen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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