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Vor 100 Jahren erfolgte die Enthüllung
Betender Soldat aktueller denn je

Über 100 Jahre alt ist dieses Foto, das den Beweis für die Erstellung des betenden Soldaten liefert: Rechts steht Bildhauer Johann Pfeiffer, links erkennt man auf einer Kiste die weiße Modellfigur von Ludwig Blöcher.
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  • Über 100 Jahre alt ist dieses Foto, das den Beweis für die Erstellung des betenden Soldaten liefert: Rechts steht Bildhauer Johann Pfeiffer, links erkennt man auf einer Kiste die weiße Modellfigur von Ludwig Blöcher.
  • Foto: Sammlung Hans-Armin Kohlberger
  • hochgeladen von Michael Sauer

howe Niederlaasphe. Hans-Armin Kohlberger ist jedes Mal regelrecht ergriffen, wenn er den betenden Soldaten anschaut. Hier oben am Niederlaaspher Ehrenmal hat er schon unzählige Stunden verbracht – in Kinder- und Jugendtagen ebenso heutzutage gemeinsam mit anderen rüstigen Rentnern, wenn es darum geht, das Ehrenmal in Schuss zu halten. Der betende Soldat: Die beeindruckende, lebensgroße Sandsteinskulptur thront über dem Ehrenmal der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Und das mit dem heutigen Tage seit genau 100 Jahren. Am 14. Mai 1922 wurde das Denkmal auf dem Hasselberg nämlich feierlich enthüllt – mit allen Ehren vom Kriegerverein und unter Beteiligung des Männergesangvereins 1880 Niederlaasphe, des Jungfrauenvereins und unzähliger Schulkinder.

howe Niederlaasphe. Hans-Armin Kohlberger ist jedes Mal regelrecht ergriffen, wenn er den betenden Soldaten anschaut. Hier oben am Niederlaaspher Ehrenmal hat er schon unzählige Stunden verbracht – in Kinder- und Jugendtagen ebenso heutzutage gemeinsam mit anderen rüstigen Rentnern, wenn es darum geht, das Ehrenmal in Schuss zu halten. Der betende Soldat: Die beeindruckende, lebensgroße Sandsteinskulptur thront über dem Ehrenmal der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Und das mit dem heutigen Tage seit genau 100 Jahren. Am 14. Mai 1922 wurde das Denkmal auf dem Hasselberg nämlich feierlich enthüllt – mit allen Ehren vom Kriegerverein und unter Beteiligung des Männergesangvereins 1880 Niederlaasphe, des Jungfrauenvereins und unzähliger Schulkinder.

„Die Besucherschar nahm auf den Holzbänken der Kapellenschule Platz“, weiß Hans-Armin Kohlberger, der sich mit dem Niederlaaspher Ehrenmal intensiv befasst und spannende Recherchen dazu angestellt hat. Ja, und heute: „Da bekommt dieser 100 Jahre alte, betende Soldat wieder eine besondere Bedeutung“, sagt Hans-Armin Kohlberger mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Wie sich die Bilder gleichen: Vor 100 Jahren erinnerte die Skulptur an die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Der Soldat betete für den Frieden, wünschte sich ein schnelles Ende der Kämpfe und des Tötens. Mit dem Gebet verband er natürlich auch die Hoffnung, selbst unversehrt heimkehren zu dürfen. „Ich denke, das fühlen die Soldaten in der Ukraine genauso“, so Hans-Armin Kohlberger. Insofern könnte die gleiche Skulptur heute an jedem Ort errichtet werden, wo Soldaten in den Krieg ziehen müssen.

Betender Soldat in Niederlaasphe: Mini-Modell als Vorlage

Ob sich das der bekannte Modelleur Ludwig Blöcher aus dem Niederlaaspher Nachbardorf Wallau auch so gedacht hat? Jedenfalls fertigte der 1862 geborene Künstler ein filigranes Gipsmodell im Mini-Format an, das wiederum diente dem Bildhauer Johann Pfeiffer aus Marburg als Vorlage für den großen Sandstein-Soldaten. Ludwig Blöcher erlebte so gerade noch die Einweihung seines Entwurfs in Niederlaasphe, wenige Monate später, am 15. Oktober 1922, starb der Hauptmodelleur, der als Angestellter bei den Hessen-Nassauischen Hüttenwerken tätig war. Zu denen zählte auch die Amalienhütte in Niederlaasphe, womit sich der Kreis schließt.

Das Niederlaaspher Ehrenmal wird heute noch von den Bürgern gepflegt. Vor 100 Jahren wurde hier der betende Soldat feierlich enthüllt.
  • Das Niederlaaspher Ehrenmal wird heute noch von den Bürgern gepflegt. Vor 100 Jahren wurde hier der betende Soldat feierlich enthüllt.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Michael Sauer

Ludwig Blöcher hatte eigentlich die Aufgabe, Dekore für Heizöfen zu entwerfen – die Verzierungen an den Türen und am Ofen selbst. Gleich zu Beginn der 1920er Jahre begann er aber, Modelle für Gebrauchsgegenstände, Porträt-Plaketten und Entwürfe für Denkmäler zu erstellen. Johann Pfeiffer zeichnete schließlich für die Ausführung verantwortlich. Er wurde am 28. März 1880 in Frankenau im Bezirk Asch in Böhmen (heute Tschechien) geboren, mit 14 Jahren begann er seine Ausbildung als Bildhauer. Johann Pfeiffer arbeitete unter anderem am Kieler Stadttheater, an der romanischen Brücke in Köln, am Heidelberger Schloss oder am Schloss Dillingen.

Der betende Soldat auf dem Ehrenmal von Niederlaasphe wurde am heutigen Tage vor genau 100 Jahren feierlich enthüllt.
  • Der betende Soldat auf dem Ehrenmal von Niederlaasphe wurde am heutigen Tage vor genau 100 Jahren feierlich enthüllt.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Michael Sauer

1911 kam der Bildhauer nach Marburg und richtete am Hauptfriedhof eine eigene Werkstatt ein. Johann Pfeiffer starb am 15. Juli 1961 in Marburg und wurde im Grab Nummer 97 auf dem Zentralfriedhof der Universitätsstadt als bedeutende Persönlichkeit der Stadt beigesetzt. Das Grab ist bis heute nicht eingeebnet, sondern wird von der Stadt Marburg weiterhin gepflegt. Für die Einweihung des Niederlaaspher Denkmals mit dem betenden Soldaten am 14. Mai 1922 brachte Chauffeur Karl Schreiber den Transport mit einem Vollgummi bereiften Lastkraftwagen der Amalienhütte hoch zum Hasselberg. Dort erfolgte die Enthüllung.

Die Festpredigt hielt damals Pfarrer Gustav Bauer. Noch heute kümmern sich die Niederlaaspher um die Pflege des Ehrenmals. Im August 1998 reinigten Freiwillige das Ehrenmal mit einem Hochdruckreiniger und zeichneten in mühevoller Kleinarbeit alle Inschriften nach. Im Oktober 2012 versahen Helfer des Tambourkorps Niederlaasphe das Gelände mit weißem Carrara-Kies.  Holger Weber

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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