Betreuung in Feudingen und Kernstadt scheint gesichert

Neue Arbeit Siegerland und AWo wollen Aufgabe übernehmen

Bad Laasphe. Gestern Abend tagte der Bad Laaspher Schulausschuss, zum drittenmal in der laufenden Wahlzeit. Er ist also kein Ereignis, das der Lahnstadt oft widerfährt, und ist damit an sich schon etwas Besonderes. Und dann sollte das Gremium gestern Abend nach dem Willen des Stadtrates auch noch ganz allein etwas beschließen, obwohl es doch eigentlich immer nur beratende Funktion hat. Da war es schon schon ein arger Schlag, dass sich die zu behandelnde Drucksache quasi in Luft auflöste.

Diese hatte vor zwei Wochen bei der Versammlung der Bad Laaspher Stadtverordneten noch für helle Aufregung gesorgt, es ging um die Betreuungsgruppen »Schule von acht bis eins« an der Grundschule in der Kernstadt und in Feudingen. Nachdem das Land Nordrhein-Westfalen mit neuen Richtlinien von der Stadt verlangte, dass das Betreuungs-Personal in dem Programm künftig nach Bundesangestelltentarif zu bezahlen sei, sollte sich das Angebot, das bisher an beiden Schulen 60 DM pro Monat kostete, verteuern: bei einer Mischkalkulation beider Einrichtung auf jeweils 100 DM, bei Getrenntabrechnung für die Laaspher auf 80 bis 90DM, für die Oberlahntaler auf 120 DM.

In Luft löste sich das der Vorlage zugrundeliegende Problem auf, weil sich jetzt doch noch ein Anbieter gefunden hat, der das Betreuungsangebot sowohl im Oberen Lahntal, als auch in der Kernstadt zu den alten Kondition anbieten will. Rainer Wick, selbst Feudinger, hatte als Geschäftsführer der kirchlichen und gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft »Neue Arbeit Siegerland« angeboten, die Grundschüler-Betreuung auch weiterhin für 60 DM sicherzustellen. Außerdem ist mit der Arbeiterwohlfahrt ein zweiter Anbieter aufgetreten, der wenigstens in der Kernstadt – wenn auch nicht im Oberen Lahntal – für 60 DM Grundschüler vor und nach dem Unterricht betreuen würde.

Damit waren die Kommunalpolitiker gestern Abend erst einmal aus dem Schneider, wenn auch wahrscheinlich nur für ein Jahr. Denn die so geschaffenen Teilzeitstellen sind eigentlich nicht das Gesellschaftsziel der Neuen Arbeit Siegerland. Deshalb hätte Jutta Jung vom Laaspher Hauptamt gestern Abend auch gern eine Antwort gehabt, wie zukünftig zu verfahren sei, wenn bei der Betreuung wieder einmal die Frage nach Mischkalkulation oder Einzelabrechnung anstehe. Die Entscheidung mochte die Versammlung jedoch nicht fällen, das könne man ja auch noch im Frühjahr – wohl in der Hoffnung, dass dann schon wieder ein Schulausschuss stattfindet.

Statt dessen brachte das Gremium gleich zwei Resolutionen einstimmig auf den Weg. Die erste bezog sich erneut auf das Problem, dem die Laaspher gerade noch einmal knapp entgangen waren. Es ging um die 6000 DM Landeszuschuss für die »Schule von acht bis eins« und die finanziell angespannte Lage von Bad Laasphe, einer Stadt im Haushalts-Sicherungs-Konzept, die zu den bereit gestellten Mitteln aus Düsseldorf nichts hinzugeben könne: »Insbesondere im ländlichen Raum, wo die Betreuungsgruppen oft nur von wenigen Kindern besucht werden, führt dies zu nicht mehr vertretbaren Elternbeiträgen. Der Schulausschuss fordert daher die Landesregierung auf, die Landeszuwendungen für die Betreuungsmaßnahme an die veränderten tarifrechtlichen Bedingungen anzupassen.«

Vor allem die beiden betroffenen Grundschulleiter Ulrike Schmidt und Hans Bauer aus Bad Laasphe und Feudingen machten sich in der Diskussion für diese Forderung stark. Währenddessen regte der Sozialdemokrat Willi Dreisbach an, vielleicht doch noch die Stundenpläne besser – also mit einer kleineren Zahl an notwendigen Betreuungsstunden – zu planen. Gerade die sind es nämlich laut Jutta Jung, die das Ganze in Kernstadt und Oberem Lahntal so teuer machen. Wobei die beiden Genossen Arno Vomhof und Günter Rothenpieler gern wissen wollten, weshalb gerade in der Lahn-Kommune das Angebot so teuer ist.

Die zweite Resolution behandelte die Schülerbeförderung. Hier gibt es nämlich auch Probleme. Gefordert wurde in der Resolution eine angemessene Erhöhung des seit 1982 bestehenden Höchstbetrags von 200 DM für die Schülerbeförderung sowie der seit 1980 unveränderten Wegstreckenentschädigung von 0,25 DM pro Kilometer für Eltern, die sich an der Schülerbeförderung beteiligen.

Immer wieder wurde gestern auf drei Fälle hingewiesen. Sie betreffen Kinder aus Banfe, Großenbach und Steinbach, die den Laaspher Schulkindergarten besuchen sollen, wobei es keine adäquate Beförderung gibt. Für das Banfer Kind sieht sich die zuständige Lehrerin vor einem Problem, weil sie entweder das eine Kind aus Banfe ganz allein an der viel befahrenen B62 auf den Bus warten oder aber die 19 übrigen Kinder unbeaufsichtigt im Klassenraum lassen muss. Das Großenbacher Kind, das für die Schule noch nicht reif ist, muss auf seinem Weg in den Schulkindergarten zweimal umsteigen. Und das Steinbacher Kind schließlich bekommt spätestens im Winter Probleme. Dann muss es irgendjemand auf dem schmalen, anderthalb Kilometer langen Weg – der beim Schneeräumdienst auf der Prioritätenliste nicht so weit oben steht – nach Rüppershausen fahren.

Winfried Damm wies als Schulleiter des Städtischen Gymnasiums darauf hin, dass man mit dem zuständigen Transporteur durch eine Taxi-Regelung eine Lösung für einen Schüler gefunden habe. Um diesen in einem bisher unerreichten Ort abzuholen, sei das Netz der Verkehrsgemeinschaft erweitert worden.

Arno Vomhof gefiel das so gut, dass er die Verwaltung gern beauftragt hätte, eine Lösung in diesem Sinne zu suchen. Bürgermeistermeister Robert Gravemeier wollte davon nicht viel wissen, befürchtete Präzedenzfälle und stellte klar: »Wir können nicht ausbügeln, was das Land versaubeutelt.« Verhandeln wolle man ja mit dem Transportunternehmen, aber auch Jutta Jung machte deutlich, dass man von städtischer Seite keine Zuschüsse geben könne: »Wir werden uns nicht über das Haushalts-Sicherungs-Konzept hinwegsetzen.« So saß die Kommunalpolitik gestern Abend am Ende etwas ratlos im Rathaus, sichtbares Zeichen dafür der sarkastische Tipp von Willi Dreisbach an die Eltern der betroffenen Kinder: »Lasst sie durch die Polizei abholen, dann werden sie in weiß-grün gefahren.«

JG

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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