Buchen sollst du suchen – reges Interesse am Urnengrab

60 Zuhörer bei Laaspher Infoveranstaltung zum Friedwald

JG Bad Laasphe. »Wenn man verstorben ist, dann kann es einem im Prinzip egal sein, wo man begraben ist«, deshalb sei es ganz wichtig, die Angehörigen in die Entscheidung für eine Bestattung im Friedwald einzubinden. Das sagte am Montagabend im Laaspher Haus des Gastes Dr. Hans-Adam von Schultzendorff. Und der Mann von der Friedwald GmbH muss es wissen, schließlich beschäftigt er sich nicht erst seit gestern mit der Urnenbestattung im Wald. Diese ist ab Mitte des Monats auch in einem vier Hektar großen Stück Buchenwald zwischen Saßmannshausen und Bad Laasphe, nahe dem Schloss Wittgenstein möglich. Die offizielle Eröffnung unterhalb des Reiserbergs ist am Donnerstag, 18. März, kurz danach finden bereits die ersten beiden Bestattungen im Laaspher Friedwald statt.

Über 60 Interessierte kamen ins Haus des Gastes, um sich über den Friedwald zu informieren. Dabei war Hans-Adam von Schultzendorff zunächst für nüchterne Fakten zuständig, seine Firma betreibt mittlerweile vier Friedwälder, zwei in Hessen, einen in Rheinland-Pfalz und einen in Niedersachsen. Der verbrannte Leichnam eines Toten kommt in eine biologisch abbaubare Urne aus Zellulose, die sich in drei bis fünf Jahren auflöst.

Beerdigt wird die Urne unter einem Baum. Entweder man reserviert sich einen Familien- oder Freundschaftsbaum, der Platz bietet für insgesamt zehn Familienmitglieder oder Freunde. Das kostet 3350 e, die ersten beiden Bestattungen sind umsonst, ab der dritten kostet es 175 e. Oder man kauft sich einen von zehn Plätzen unter einem Gemeinschaftsbaum, das kostet 770 e. Hinzu kommt noch die Urne für 29 e, auf die der Verstorbene testamentarisch verfügt aber auch verzichten kann. Von der Eröffnung gerechnet pachtet der Tote in spe für 99 Jahre den Platz unterm Baum – bis ins Jahr 2103 liegt er ungestört. Übrigens auch ungestört vom Schwarzwild. Die Erfahrungen an anderen Orten hätten bisher gezeigt, dass sogar gerne wühlende Wildschweine die Urnen nicht ausbuddelten. An jedem ausgewählten Baum kann ein Namensschild – allerdings wirklich nur eins – angebracht werden. Ein sechs mal zehn Zentimeter großes braunes Aluminiumschild, das dem Unwissenden genauso wenig ins Augen fallen wird wie die Kennzeichnungsmarke des Baumes selbst.

Nahe dem bisher ausgewiesenen, ersten Friedwald-Teil – vier von insgesamt 49 Hektar – soll ein kleiner Parkplatz für vier Pkw entstehen, wobei die Betreiber den Autoverkehr eigentlich fernhalten wollen. Der Friedwald soll ebenfalls nicht mit Bänken möbliert werden, das FFH-Gebiet soll möglichst unberührt bleiben. Henning Graf Kanitz von der Rentkammer Wittgenstein bedankte sich in diesem Zusammenhang für die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Laasphe und mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein, »in erstaunlich kurzer Zeit« sei das Genehmigungsverfahren abgeschlossen worden. Ebenfalls lobte der Mann von der Rentkammer den »fruchtbaren Dialog« mit der Kirche. Während die katholische Bischofskonferenz ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Friedwald und seiner natur-religiösen Ausrichtung, zitierte Hans-Adam Schultzendorff, gerade jüngst noch einmal klar gemacht habe, gibt es für die evangelische Kirchengemeinde Laasphe keine Probleme mit dem Friedwald. Wobei sie sich schon einen zentralen Punkt im Wald wünscht, an dem der menschlichen Vergänglichkeit auch ein Zeichen der Hoffnung auf die Wiederauferstehung an die Seite gestellt werden soll. Den Laasphern schwebt ein Kreuz-Zeichen vor, so Pfarrer Bodo Hundte. Dies sagten die Betreiber dem Kirchenvertreter zu.

Neben zahlreichen interessierten Privatpersonen waren auch etliche Beerdigungsunternehmer im Haus des Gastes. Schließlich habe es schon etliche Nachfragen zu dem Thema gegeben, so der Laaspher Bestatter Axel Seidlitz. Wobei der Friedwald ohnehin keine rein Wittgensteiner Angelegenheit ist, er wird ein deutlich größeres Einzugsgebiet haben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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