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Austauschjahr in Deutschland
Crashkurs für eine neue Kultur

Emma, River, Harley, Muriel und Simon (v. l.) sind fünf der insgesamt 50 amerikanischen Stipendiaten, die sich dieser Tage auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe auf ihr Austauschjahr in Deutschland vorbereiten.
  • Emma, River, Harley, Muriel und Simon (v. l.) sind fünf der insgesamt 50 amerikanischen Stipendiaten, die sich dieser Tage auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe auf ihr Austauschjahr in Deutschland vorbereiten.
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tika Bad Laasphe. Lederhosen, Sauerkraut und Humorlosigkeit: Stereotype, Vorurteile und Klischees über Deutsche gibt es viele. Und die US-Amerikaner pflegen sie – umgekehrt gilt dies ja genauso. Die amerikanischen Jugendlichen des Austauschprogramms Congress-Bundestag Youth Exchange (CBYX) sind allerdings am Sonntag nach Bad Laasphe gereist, um genau diese Behauptungen gewissermaßen selbst zu überprüfen. Mehr noch, sie wollen eine neue Sprache, ein neues Land und vor allem eine neue Kultur in all ihren Facetten kennenlernen. „Es gibt keinen besseren Weg, sich selbst zu weiter zu entwickeln“, sagt Harley. Sie ist eine der insgesamt 50 Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren, die noch bis zum 7.

tika Bad Laasphe. Lederhosen, Sauerkraut und Humorlosigkeit: Stereotype, Vorurteile und Klischees über Deutsche gibt es viele. Und die US-Amerikaner pflegen sie – umgekehrt gilt dies ja genauso. Die amerikanischen Jugendlichen des Austauschprogramms Congress-Bundestag Youth Exchange (CBYX) sind allerdings am Sonntag nach Bad Laasphe gereist, um genau diese Behauptungen gewissermaßen selbst zu überprüfen. Mehr noch, sie wollen eine neue Sprache, ein neues Land und vor allem eine neue Kultur in all ihren Facetten kennenlernen. „Es gibt keinen besseren Weg, sich selbst zu weiter zu entwickeln“, sagt Harley. Sie ist eine der insgesamt 50 Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren, die noch bis zum 7. September in der Lahnstadt ihre Vorbereitung für ihr Austauschjahr in Deutschland absolvieren – einen Crashkurs für eine neue Kultur.

Harley, Emma, Muriel, River und Simon und ihrer Betreuerin Rachel Kühn vom Bonner Trägerverein Experiment haben es sich an diesem Mittwoch an einem schattigen Platz auf dem Hof des Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe bequem gemacht. Das junge Stipendiaten-Quintett ist erst wenige Tage zuvor – am Sonntag – in der Bundesrepublik Deutschland angekommen und hat erste Einblicke erhalten.

„Die Aktion auf Schloss Wittgenstein ist eine Art Mischung aus Sprachkurs und Kulturvorbereitung. Wir wollen die Jugendlichen fit für ihr Austauschjahr machen“, erzählt Rachel Kühn. Einige der Jugendlichen verstehen sie bereits sehr gut, allen voran River, der bereits seit der 4. Klasse Deutschunterricht in der Schule absolviert. „Das ist ungewöhnlich, eigentlich lernen wir eher französisch und spanisch. Ich hatte aber das Glück, dass ich stets einen Deutschlehrer hatte, der Muttersprachler war – und deshalb habe ich nach der 4. Klasse weitere zehn Jahre Unterricht genommen“, berichtet River.

Der junge Mann hat seine Rolle in dieser kleinen Runde schnell selbst definiert, er fungiert als Dolmetscher – und dies mit großer Freude. Er selbst ist mit einem Stuttgarter befreundet, den er während dessen Auslandsjahr in den USA kennengelernt hat – der junge Mann aus dem Schwabenland hatte sich wiederum erfolgreich für ein Stipendium beim Parlamentarischen Partnerschaftsprogramm beworben, das Pendant zum CBYX. „Wir verstehen uns immer noch sehr gut miteinander. Und dadurch habe ich selbst Interesse an einem Auslandsjahr gewonnen“, erzählt River. Für Emma wiederum war es das grundsätzliche Interesse an Deutschland, dass sie in die Bundesrepublik geführt hat. Um dieses Interesse wusste auch ihre Mutter. „Meine Mutter wusste, dass ich mich sehr für Deutschland interessiere und hat dann den Anstoß gegeben, mich für ein Stipendium zu bewerben“, erzählt sie. Die Neugier bei allen Jugendlichen ist groß. „Ich bin kulturell und politisch interessiert und wollte deshalb Deutschland kennenlernen“, verrät derweil Muriel.

Ähnlich erging es Simon: „Es gibt keinen besseren Weg, eine andere Kultur und damit ein anderes Land kennen zu lernen, als dort zu leben.“ Dass sie damit einen großen Schritt gegangen sind, ist den jungen Stipendiaten durchaus bewusst, gerade deshalb absolvieren sie den (Pflicht-)Crashkurs in Bad Laasphe mit großem Interesse. In den ersten Tagen haben sie den Schlossberg und Teile der Stadt erkundet, waren im Supermarkt, um das vorerst Notwendigste zu kaufen. Eines dürften sie dabei in ihren ersten Stunden in der Lahnstadt bereits festgestellt haben: Auf dem Speiseplan der Deutschen steht mehr als nur Sauerkraut. Und noch etwas: Lederhosen gehören nicht zwingend zum modischen Repertoire. Seit Montag allerdings arbeiten die amerikanischen Jugendlichen an diversen Referaten, beschäftigen sich mit politischen Themen und kulturellen Besonderheiten in Deutschland. Ihnen stehen dabei fünf Betreuer des Trägervereins Experiment sowie sechs Deutschlehrer zur Seite.

„Wir reden zudem viel über das Leben in der Gastfamilie. Es geht nicht darum, strikte Vorgaben zu machen, sondern wir wollen Denkanstöße geben und sensibilisieren. Oft ist es so, dass man nur einen Blick für die eigene Kultur hat, da wirkt in anderen Ländern vieles fremd“, weiß Rachel Kühn. Daher geben sie und ihre Mitstreiter vor allem Denkanstöße für eine positive Kommunikation. „Wir reden darüber, wie Missverständnisse entstehen und wie man sie vor allem vermeiden kann“, berichtet Rachel Kühn. Allerdings sollen die Jugendlichen ihren Aufenthalt in Bad Laasphe genießen können, Minigolf und eine Fußball-AG stehen beispielsweise auf dem Plan, aber auch ein Besuch im Radiomuseum. Oder eine Deutsch-Rede-AG, in der die Teilnehmer ausschließlich deutsch reden und die Sprache dabei mit Spaß erlernen. Nebenbei lernen die Stipendiaten außerdem, eine realistische Erwartungshaltung für und an die kommenden zehn Monate zu definieren.

Bis Juni nämlich sind die Jugendlichen in Deutschland. Die 50 jungen Amerikaner, die derzeit in Bad Laasphe weilen, sind dabei in Gastfamilien in Westdeutschland untergebracht. Insgesamt allerdings sind 250 von ihnen – derzeit verteilt auf bundesweit fünf Vorbereitungsgruppen – in ganz Deutschland unterwegs. Im Winter steht dann ein Zwischenseminar zum Erfahrungsaustausch an. Gleiches gilt für das Abschlussseminar im Juni in Berlin. In diesem Rahmen steht dann auch der Besuch des Deutschen Bundestags sowie der US-amerikanischen Botschaft auf dem Plan – Pflichtprogramm für ein solches Austauschjahr. Im Bundestag treffen sie außerdem die Abgeordneten des jeweiligen Wahlkreises in dem sie untergebracht sind – schon vor ihrem Abflug aus den USA haben sie die aus dem US-Congress getroffen. Und sehen sie nach ihrem Rückflug im kommenden Jahr an gleicher Stelle noch einmal wieder.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, der erst Anfang September so richtig für die Stipendiaten beginnt. Dann nämlich gehen sie in ihre Gastfamilien, einige werden direkt auf Schloss Wittgenstein abgeholt, andere fahren mit dem Zug. „Eigenständig und ohne Begleitung“, sagt Rachel Kühn aus Erfahrung, „das hat in der Vergangenheit immer gut geklappt.“ Der Vorbereitungskurs in Bad Laasphe ist nicht der erste dieser Art. Und bevor es soweit ist, üben die Teilnehmer das Zurechtfinden im Bahnnetz mit einer Fahrt nach Marburg. Dass alle Jugendlichen an ihr Ziel gelangen, daran hat auch River keine Zweifel. „Es gibt ja Smartphones. Und außerdem haben wir es geschafft, uns erfolgreich für ein Stipendium zu bewerben. Das war viel schwieriger“, konstatiert er mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Am Tisch auf dem Hof von Schloss Wittgenstein lachen die Teilnehmer der Gesprächsrunde – übrigens auch die Deutschen unter ihnen. „Jemand hat mir gesagt, dass Deutsche keinen Humor haben und nie lachen. Seit ich hier bin, wurde viel gelacht“, erzählt Muriel. Für sie ist damit auch dieses Vorurteil ausgeräumt. River ist da noch etwas skeptischer. „Mal sehen wie das mit dem Humor ist, bislang ist das so weit, so gut“, sagt der junge Amerikaner. Dann dreht er seinen Kopf zur Seite und ein kurzes Lächeln fährt über seine Lippen. Eines hat er bereits unter Beweis gestellt: Er versteht etwas von Humor. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für ein Programm, das letztlich nicht weniger will, als zwei Kulturen enger zusammenrücken zu lassen.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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